Dijana
13.September 2018 | Mein Lipödem

Urlaub mit Lipödem

Seit Februar 2018 ist sie da, die Diagnose Lipödem. Es ist mein erster Sommerurlaub seit der Diagnose, seit ich weiß, dass ich nicht schuld bin an meinen Dellen. Und trotzdem ist es da, dieses Schamgefühl, diese Panik an den Strand zu gehen und angestarrt zu werden. Die Angst vor Schwellungen und Schmerzen.

14 kg mehr und nichts passt

Mein Mann und ich sind gebürtige Kroaten. Meinen Schwiegereltern ist es zu verdanken, dass wir jedes Jahr ins eigene Haus fahren können, dorthin wo andere viel Geld bezahlen, um Urlaub zu machen. Letztes Jahr fuhren wir allerdings nicht nach Kroatien, da wir genau in der Urlaubszeit, in Deutschland unser neues Heim beziehen konnten.

Vor zwei Jahren ließ ich eine Menge Kleidung und Bikinis in Kroatien. Sachen, die ich in Deutschland gar nicht tragen würde und somit weniger Gepäck schleppen müsste. Wir kamen an und ich probierte an. Dann der Dämpfer: 14 Kilo mehr sind halt 14 Kilo. Das ist das Gewicht, das den vergangenen 24 Monaten einfach mehr auf meinen Beinen hängt.

Nichts was im Schrank hing passte. Kein einziger Bikini, keine einzige Short. Tränen und Wut überkamen mich. Aber die Kinder wollen an den Strand…
Also los und Bikini kaufen. Wir wissen alle wie schwierig das ist: Oben Mini unten Maxi. Aber ich fand was und wir gingen an den Strand.

Strand-Urlaub mit Lipödem

Gott sei Dank gibt es am Strand viele Touristen aus aller Herren Länder: Große, Kleine, Dicke, Dünne. Alles ist dabei. Keiner glotzte und ich fühlte mich wohl. Eine Engländerin litt mehr als offensichtlich auch am Lipödem, so dass sogar mein Mann sagte: „Schau mal Schatz, du bist nicht allein!“, irgendwie ein tolles Gefühl.

Das Wasser, der Ort wo alles leicht ist. Der hydrostatische Druck regt die Lymphbahnen an, der Schmerz vergeht im Nu. Alles ist besser im Wasser: Schwimmen und Toben mit den Kindern. Die pure Erlösung, denn bei den heißen Temperaturen habe ich auf die Kompression verzichtet.

An Tagen an denen wir nicht am Strand waren, kam der Schmerz, ich bereute es die Kompri nicht getragen zu haben. Hier halfen mir dann nur kalte Duschen und das Hochlagern der Beine.

Wir sind wie wir sind und das ist gut so

Klar habe ich hier in diesem Land, in dem es gefühlt nur perfekte Frauen gibt, auch dumme Sprüche gehört. Gerade die Nachbarin begrüßte mich am ersten Tag direkt mit den Worten: „Na, du hast aber zugenommen!“. Auch meine Tante, welche ich immer nur einmal im Jahr sehe, drückte mir den Spruch, dass an mir ja immer mehr dran wäre.

Im ersten Moment tut es weh. Ja, es tut richtig weh. Aber Hey, wir sind wie wir sind und das ist gut so! Ich kann es nicht ändern, aber ich kann dafür sorgen, dass es mir gut geht. Und ja, es geht mir gut!

Ich habe nun das Element Wasser für mich als Sportmöglichkeit entdeckt. Obwohl ich ausgerechnet bei diesem Sport am meisten meinen Körper präsentiere. Ich haben diesen Sommer gelernt mich zu akzeptieren. Und den dellenfreien Mädels, ihre Körper zu gönnen, statt zu neiden.

Mädels, macht euch frei. Genießt den Sommer, denn mit positiver Einstellung, lassen sich auch unsere Wehwehchen viel besser ertragen.

Bis zum nächsten Mal, eure Dijana

2 Kommentare
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Christina_Rick

Liebe Dijana, mich würde interessieren, ob du nach dem Urlaub Schwierigkeiten hattest, wieder in die Kompression zu passen. Ich selbst habe zu große Angst davor, dass sie mir nicht mehr passen, wenn ich sie eine Woche nicht tragen würde. Wie war das bei dir?

am 13.09.2018 | 13:39
Dijana

Hallo Christina,
Die Frage ist absolut berechtigt. Ich habe im Urlaub definitiv wieder an Umfang und Gewicht zugelegt ,so dass ich seither Probleme mit anschwellenden Füssen habe ..da ich als Versorgung nur Leggings habe , ist das natürlich mehr als unangenehm und meine Phlebologin hat nun die Diagnose auf Lip-Lymphödem umgeschrieben.. ich bekomme nun zusätzlich zur Leggings, Kniestrümpfe um das Anschwellen der Füße zu verhindern..habe nun meine dritte Lymphdrainage nach dem Urlaub hinter mir und immerhin 1 -2 cm Umfang sind wieder weg . Ich hoffe der Rest geht auch wieder runter.

LG Dijana

am 13.09.2018 | 15:03

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