Kompressionsversorgung und Sport

Prof. Dr. Schmeller
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schmeller, in meinem 15. Lebensjahr bekam ich die Diagnose \“Lipödem\“ und bin heute 25 Jahre alt. In dieser Zeit von damals bis heute habe ich mich innerhalb von ca 5 Jahren von 95kg auf 63-65kg (schwankend) gearbeitet. Ich ernähre mich Kohlenhydrate-arm und esse intervall-mäßig. Meine Ernährung ist mittlerweile flexibler geworden, bleibe jedoch dabei und halte mein Gewicht. Jetzt habe ich mit Sport begonnen, wenig Ausdauer, viel Kraft – alles ohne Kompressionsbestrumpfung. Damals mit 15 hatte ich welche verschrieben bekommen und auch Lymphdrainge, jedoch erfolglos. Vor ca. 2 Jahren war ich bei einem Venenspezialisten der mir sagte, dass keine Flüssigkeitsablagerungen bei mir vorhanden wären, was für mich Sinn ergibt da ich noch nie Schwierigkeiten mit Spannungsgefühl, ungewöhnlichen Schwellungen oder extremen Schmerzen hatte. Ich lese immer, dass man beim Sport UNBEDINGT die Strümpfe anhaben muss und dass das Lipödem eine stets fortschreitende Krankheit sei. Durch meine derzeitige Ernährung allein habe ich 3 Hosengrößen verloren und bin sehr viel glücklicher. Ich frage mich daher, ob es noch eine andere Art von Lipödem gibt, ohne Flüssigkeitseinlagerung? Kann es sein, dass ich evtl. eine \“Light-version\“ habe? Bei den Armen ist es das selbe. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Wenn nie Schwellungen und Spannungsgefühl bestanden, liegt kein Lipödem, sondern wahrscheinlich eine Lipohypertrophie vor. Hierbei besteht „nur“ eine Disproportion zwischen Ober- und Unterkörper, aber es bestehen keine weiteren Beschwerden und keine Ödeme.

Der Sinn von Kompressionsstrümpfen besteht darin, die Ausbildung von Ödemen im Laufe des Tages zu verhindern oder zumindest zu bremsen. Besonders beim Sport wird aufgrund der vermehrten Durchblutung häufig vermehrt Flüssigkeit in das Gewebe des Beines eingelagert. Damit es nicht dazu kommt, ist die Kompression bei den meisten Sportarten sinnvoll. Wenn allerdings keine Ödemneigung besteht, ist ein Kompressionsstrumpf auch nicht nötig.

Auch bei der Lipohypertrophie sollte ein Normalgewicht angestrebt werden. Allein durch ein deutlich vermehrtes Gewicht – wie bei der Adipositas – können Ödeme auftreten (Adipositas-Ödem und Adipositaslymphödem). Mit Ihrer Bezeichnung „light version“ liegen Sie somit also schon irgendwie richtig. Um ein Lipödem handelt es sich aber bei Ihrem Befund nicht.

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