Christina
11.Januar 2018 | Mein Lipödem

Zwischen Trauer und Erleichterung - Das Aufnehmen der Diagnose Teil 2

Nach dem ersten Diagnose-Gespräch in 2013 brauchte es ein paar Wochen, bis ich bereit war, meine Familie und meine Freunde darüber zu informieren. Ich schämte mich weniger wegen der Kompressionsversorgung als viel mehr wegen der Tatsache, dass ich anscheinend mein restliches Leben eine so einschneidende Krankheit haben sollte.

Bloggerin Christina wandert schwanger an einem See

Eine Phase der Scham und Niedergeschlagenheit

Mein Mann träumt schon lange davon, irgendwann einmal in Hawaii Urlaub zu machen. Durch die Diagnose erschien es mir mit einem Mal so, als würde ich seinen Traum platzen lassen, weil ja ein so langer Flug und der Aufenthalt in einem derartig schwülwarmen Klima mit Lipo-Lymphödem möglichst vermieden werden soll. Inzwischen würde ich mich vielleicht sogar trauen, eine derartige Fernreise in Erwägung zu ziehen. Doch damals war ich einfach nur niedergeschlagen. Ich fragte mich, welche Pläne diese Krankheit noch zerschlagen würde?

Ich akzeptierte meine angebliche Machtlosigkeit nicht

Nach dieser Phase der Niedergeschlagenheit packte mich aber die Wut angesichts meiner angeblichen Machtlosigkeit gegenüber dieser unheilbaren Krankheit. Ich akzeptierte einfach nicht, dass ich mit der konservativen Therapie bestenfalls den Ist-Zustand erhalten, meine Situation aber nicht verbessern können sollte. Scheinbar unbelehrbar nahm ich die Herausforderung trotzdem an.

Ich begann mit der Recherche in der medizinischen Fachliteratur, dem dankbaren Wahrnehmen kurzgefasster Informationsbroschüren der Strumpfhersteller und dem Entdecken vereinzelter Blog-Beiträge im Internet. Brav ging ich zweimal die Woche zur manuellen Lymphdrainage und ließ mich „streicheln“, obwohl ich damals den physikalischen Nutzen noch nicht erspürte. Auch zur Aqua-Gymnastik schleppte ich mich, zumindest solange bis ich im Frühjahr 2014 aufgrund der Schwangerschaft einfach keine Luft mehr zum Sporteln hatte.

FRAUENSACHE-Bloggerin Christina ist schwanger

Folgen einer unzureichenden Versorgung in der Schwangerschaft

Mein Ödem an den Beinen aber auch mein Gewicht nahmen während der Schwangerschaft Woche für Woche zu. Für eine kleine Person (1,58 m) war zwar schon mein Startgewicht von 72kg recht hoch, es sollte sich aber noch zu untragbaren 94kg steigern. Leider traute sich weder die Phlebologin noch die Sanitätsfachfrau mir eine Schwangerschaftskompressionsstrumpfhose zu geben. Ich trug monatelang nur Kniestrümpfe, was das Ödem deutlich verschlechterte. Die Spannungsschmerzen und die Druckempfindlichkeit in beiden Unterschenkeln verstärkten sich immer mehr. Bis heute können sie nur für wenige Stunden durch die manuelle Lymphdrainage gelindert werden.

Bloggerin Christina mit Baby im Krankenhaus

Endlich sichtbare Fortschritte durch die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie

Erst ein Jahr nach der Geburt meiner Tochter gelang es mir, eine zweiwöchige komplexe Entstauungstherapie bewilligt zu bekommen. Obwohl der Aufenthalt in der Freisinger Klinik mit lymphangiologischer Abteilung durch die Trennung von meinem Kind nicht besonders schön war, bewirkte er unfassbar viel.

Ich lernte Menschen mit schweren Formen verschiedenster lymphologischer Erkrankungen kennen, wurde in den Grundsäulen der Behandlung meiner Krankheit umfassend unterwiesen und erhielt erstmals eine Kompressionsstrumpfhose, die perfekt passte. Binnen zweier Jahre gelang es mir nun mein Gewicht von 84kg auf 58kg zu reduzieren und von Hosengröße 44/46 auf 38 zu schrumpfen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich jemals so schlanke Beine gehabt habe – es muss vor der Pubertät gewesen sein. Wären die Schmerzen und die regelmäßigen Kämpfe mit der Krankenkasse um die Kostenerstattungen nicht, wäre ich vollkommen zufrieden.

In meinem nächsten Blogbeitrag möchte ich meinen Weg zur Umfangsreduktion ohne Liposuktion detaillierter schildern.

Ich danke allen Leserinnen und Lesern für das Interesse!

Herzliche Grüße

Eure Christina

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3 Kommentare
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Hedeig

Liebe Christina
Möchte dir Gratulieren wie hast du das geschafft bin sehr neugierig den ich bin in der selben Situation würde mich freuen wenn ich Tips bekommen könnte wie ich endlich wieder abnehmen kann.
GLG Hefwig

am 12.01.2018 | 05:49
Yasemin D.

Liebe Christina,

zuerst muss ich dir sagen du bist ein Wahnsinn. Ich finde es super toll deinen Erfolg.
Als ich deinen Beitrag gelesen habe, hat es mich sehr berührt. Ich muss dir auch sagen, dass ich zum Teil mich selbst gesehen habe.

Bin Stolz auf dich dass du diesen Beitrag geteilt hast. Einfach sehr gut erklärt und hoffe, dass es uns Frauen den Mut gibt nicht aufzugeben.
Wie sagt man so schön "nur ein Brief gibt man auf ".
Wünsche dir alles alles gute in deinem Leben.
Liebe Grüße
Yasemin D.

am 11.01.2018 | 20:49
Patricia, Allgäumädel

Liebe Christina, bin schwer gespannt auf dein Fortsetzung. Habe meine Diagnose erst im Dezember bekommen und verstehe jetzt endlich warum ich so bin, wie ich bin. Habe schon viel über die Liposuktion gelesen und kann trotz allem keinen Gefallen an einer OP finden. Darum freue ich mich jetzt schon sehr auf dein "alternative" Therapiebeschreibung. Liebe Grüße Patricia

am 11.01.2018 | 11:33

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