Chrissy
23.Oktober 2018 | Sport & Gesundheit

Wenn die Knie durch das Lipödem nicht mehr mitspielen

Mit 24 Jahren war mir die Krankheit „Lipödem“ natürlich überhaupt nicht bekannt und ich betrachtete mein damaliges Übergewicht als Folge von Bewegungsmangel und unkontrolliertem Essen und so verfiel ich in einen völligen Fitnesswahn. Ging 7x die Woche ins Fitnessstudio, manchmal sogar 2x am Tag. Nach einigen Wochen, nachdem ich zwar sehr viel abgenommen hatte, jedoch kaum mehr die Treppen hoch kam, diagnostizierte mein Orthopäde – Gonarthrose (Kniearthrose) beidseitig – und das bereits schon so ausgeprägt, das ich mit 24 Jahren praktisch auf Felgen lief.

Nach der Diagnose lief ich nach Hause und wollte erst einmal alles wissen. Alle Möglichkeiten der verschiedenen Therapieformen. Dinge, die ich selber zu Hause machen kann. Da ich damals schon wusste, dass ich mich so schnell nicht operieren lassen würde, erstellte mein damaliges Fitnessstudio einen Plan für mich, mit dem ich sehr lange gut auskam.

Diagnose Arthrose

2010 zog ich nach Bayern. Es war eine Zeit, in der ich mich neu finden wollte. Neue Leute, neuer Job, einfach alles neu. Alles lief eigentlich so, wie ich es mir gewünscht hatte, aber der Sport blieb auf der Strecke und meine Schmerzen kamen zurück. Durch einen damaligen guten Freund bekam ich die Adresse einer speziellen Orthopädiepraxis. Ich hörte des Öfteren von dieser und machte einen Termin aus, bei dem ich bereits nach 3 Tagen vorstellig werden konnte.

Der erste Termin war wirklich niederschmetternd, denn mir wurde per Bericht des angeschlossenen Radiologen erklärt, dass ich die Knie einer 70-jährigen Frau hätte, jedoch zu jung bin, um mir künstliche Gelenke einsetzen zu können. 2011 ließ ich mich aus Angst darauf ein, erst das linke Knie per Arthroskopie zu behandeln und 6 Wochen später dann das Rechte.

Durch Sport zur Besserung

Beim linken Knie hatte ich eine Kniescheibenverschiebung, weshalb sich die Arthrose gebildet hatte. Diese Fläche wurde dann während des Eingriffs geglättet und die Kniescheibe wieder an den richtigen Platz versetzt. Beim rechten Knie wurde großflächig der Knorpel geglättet, zwei 1x1cm große, abgesplitterte Knorpelteile entfernt und der Knochen angebohrt, damit dieser durch das austretende Blut wieder „neuen“ Knorpel bilden konnte.

Nach der Heilungsphase war ich sehr euphorisch, meldete mich wieder im Fitnessstudio an. Ich hatte die Power Plate für mich entdeckt, auf der ich regelmäßig 2x die Woche trainierte und zusätzlich noch Walken ging und so von der ganzen Knieproblematik nichts mehr spürte. Ich war über den Entschluss, diese kleinen Eingriffe an den Knien doch durchführen zu lassen, sehr froh und dankbar.

2013 wechselte ich die Filiale meines Arbeitgebers und musste erneut umziehen, was mir aber landschaftlich sehr entgegen kam, denn ich liebe den Chiemsee und die Gegend um ihn. Schnell kam ich aber wieder an meine Grenzen, denn der Zustand meiner Beine veränderte sich drastisch. Nach heutigem Wissen, hatte ich zu dem damaligen Zeitpunkt einen sehr starken Lipödem Schub, der mir ab diesem Zeitpunkt auch sehr starke Schmerzen verursachte, zudem mir auch nicht mehr ermöglichte, in die Hocke zu gehen. Meine Knie wurden wieder schlimmer und auch im Job hatte ich starke Einschränkungen (ich war Verkäuferin in einer Metzgerei).

Zur Arthrose auch noch Lipödem

2014, nach dem ich es nicht mehr aushielt, ging ich zu meiner Hausärztin, die mir zum einen eine Überweisung für den Orthopäden ausstellte, aber (und dafür bin ich ihr heute auch extrem dankbar) auch das erste Mal vom Lipödem sprach. Natürlich habe ich auch hier direkt eine Überweisung für den Phlebologen erhalten.

Zwei Wochen später saß ich bei meinem damaligen Facharzt, der mir zum einen die Diagnose Lipödem bestätigte, aber auch bis zum letzten Tag bestens behandelte und mit allen nötigen Untersuchen und Rezepten versorgte. Das machte meine Knieschmerzen aber leider nicht besser und so ging ich dann zum bald darauffolgenden Termin beim Orthopäden.

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Dieser meinte, er würde bevorzugt mir die Beinachse korrigieren, aber zuvor sollte ich es doch mit Hyaluronsäure Spritzen versuchen, die mich alle 4-6 Monate rund 250€ kosten und von der Krankenkasse nicht bezahlt werden. Die Wirkungsweise ist auch hier völlig umstritten und bislang auch nicht wissenschaftlich belegt. Und Beinachse korrigieren? Mir absichtlich „Keile“ aus dem Oberschenkel rausschneiden lassen und so die Beinform zu verändern, nur damit das Gewicht auf den Knien anders verlagert wird und so die große Druckflächen minimiert werden? Nein, das wollte ich nicht. Ich ging zu einem anderen Orthopäden. Dieser war auch mein letzter, der mich wieder in die Radiologie schickte. Dort sollte ich eine Ganzbeinstandaufnahme machen lassen. Das Ergebnis war – kerzengerade Beine! Warum zum Teufel wollte mich dann also der andere Arzt operieren, obwohl meine Beinachse völlig gerade ist?

Akzeptanz der Krankheit Lipödem und Arthrose

Ich berichtete dem Orthopäden von meinem Lipödem und er meinte, dass meine Diagnose leider zu spät kam und sie deshalb lange unbehandelt war. So konnten sich die Knieprobleme leider sehr schnell, sehr breit machen. Durch das Lipfett an den Knien, habe ich natürlich auch eine andere, falsche Ganghaltung angenommen, was der Arthrose so nur noch mehr Futter gibt.

Ab diesem Zeitpunkt weiß ich also, dass ich im Grunde jetzt mit 36 Knie einer 70 jährigen Frau habe, die noch nicht operabel sind und ich so leider erst einmal damit leben muss. Hinzu kommen noch die chronischen Schmerzen und das Lipödem. Ich versuche natürlich immer weiter mich darum zu kümmern, dass ich ausreichend Sport mache. Sei es lange Spaziergänge mit dem Hund, Wandertouren im schönen Bayern oder wenn ich im Sommer meine Runden im Wasser drehe. Gewichtskontrolle gehört nach wie vor weiter dazu und die dazugehörige, gesunde Ernährung. Hier habe ich durch basische Ernährung schon sehr gute Erfolge erzielen können, die mir sogar etwas von den nervigen Schmerzen nehmen konnte.

Krankheiten durch Lipödem?

Und weil das alles noch nicht reicht, fängt nun auch meine Schilddrüse an, verrückt zu spielen. Hängt das alles auch irgendwie mit dem Lipödem zusammen? Man hört es leider sehr oft, dass viele Betroffene Frauen auch Probleme mit der Schilddrüse haben. Aber das ist ein Thema für einen weiteren Beitrag.

Vielleicht habt auch ihr Begleiterkrankungen? Lasst mir hierzu gerne mal einen Kommentar unter diesen Beitrag da.

Ich wünsche Euch allen nur das Beste!

Liebe Grüße

Eure Chrissy

4 Kommentare
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Steffi

Hallo Chrissy, das könnte fast meine Geschichte sein. Nur die Reihenfolge war etwas anders. Mit 18 wurde ich am Knie operiert. Da hieß es noch Patellaspitzensyndrom. Danach konnte ich erstmal wieder gut laufen. Ein paar Jahre später wurde dann Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert. Nach einer Mutter-Kind-Kur, wo ich Akkupunktur bekam, schwollen plötzlich meine Beine an. Seitdem bekomme ich zweimal pro Woche Lymphdrainage wegen Lymphödem. Wieder ein paar Jahre später ging ich zum Orthopäden wegen ständiger Schmerzen in den Beinen. Der schickte mich dann zur Phlebologin, die dann feststellte, dass ich ein Lipolymphödem habe. Nach einigen gescheiterten Versuchen, mir Kompression anzupassen, was aber bis heute nicht klappt, fuhr ich zur Reha in eine Lymphklinik. Von dort wurde alles in die Wege geleitet zwecks Schwerbehinderung und Liposuktion. Seitdem kämpfe ich mittlerweile 7 Jahre mit der Kasse um die Kostenübernahme. Inzwischen fiel es mir immer schwerer zu laufen. Vor zweieinhalb Jahren wurde dann festgestellt, dass in meinem linken Knie nichts mehr ganz war. Der Knorpel war ganz weg. Also bekam ich Ende letzten Jahres mit 48 Jahren ein neues Knie. Dadurch ist vieles sehr viel besser geworden. Aber leider wird es durch das Lipödem nicht mehr so gut wie früher. Ich hoffe nun, dass der Bundesausschuss bald zu einem Ergebnis kommt und die Liposuktion in den Leistungskatalog aufgenommen wird. Denn wenn das Fettgewebe weiter so drückt, muss bald auch das rechte Knie erneuert werden. Ich gebe dir nur den Tip: warte nicht zu lange mit der Knie-OP. Denn je länger man wartet desto langwieriger ist nachher der Heilungsprozess. Und dass man zu jung dafür ist, ist ein Irrglaube. Das wird ein guter Arzt auch bestätigen. Denn man will ja jetzt auch Lebensqualität haben. Ich drücke dir die Daumen, dass du auch bald schmerzfrei laufen kannst. LG Steffi

am 24.10.2018 | 10:21
Chrissy

Hallo Steffi,
Danke für Deine Nachricht.
Ich werde im neuen Jahr nochmal einen Arzt aufsuchen. Leider sind gute Orthopäden sehr überfüllt und man muss lange Strecken fahren und bekommt er sehr spät einen Termin.
Ich wünsche Dir alles Gute!
Chrissy

am 26.10.2018 | 09:10
Biggi

Hallo Chrissy, ein sehr schöner Beitrag, wie die vielen anderen hier auch. Ich finde mich in vielen Beiträgen wieder, in diesem hier besonders, nur habe ich die umgekehrte Reihenfolge der Erkrankungen erfahren. Als erstes wurde bei mir die Schilddrüsenunterfunktion (ca. 25 Jahre her) diagnostiziert, dann die Arthrose (vor ca. 7. J.) in beiden Knien und zum Schluss erst das Lipödem - vor gut einem Jahr - nachdem ich Knietechnisch fast gar nichts mehr machen konnte. Ach ja und Krampfadern nenne ich auch noch mein eigen, wobei ich eine Seite dieses Jahr behandeln ließ aber leider nicht ganz ohne Probleme. Mit der Beweglichkeit der Knie habe ich so meine Probleme, Treppe runter geht nur am Geländer und mitunter auch nur Stufe für Stufe, Gott sei dank kann ich mittlerweile wieder schmerzfrei Fahrrad fahren, das war schrecklich als das gar nicht ging. Bei der Gewichtsreduzierung hat mir ein Beitrag der Ernährungsdocs vom NDR geholfen, da ging es einmal um die Schilddrüsenunterfunktion.
Ich wünsche Dir alle Gute und einen schönen Tag.

am 23.10.2018 | 10:11
Chrissy

Hallo Biggi,
schön das Dir der Beitrag gefällt.
Ich wäre froh gewesen, wenn man das Lipödem mit 24 diagnostiziert hätte, dann wäre mir sicher viel erspart geblieben.
Mit der Schilddrüsenunterfunktion muss ich mich jetzt auch noch auseinander setzen, leider.
Dir wünsche ich alles Gute
Chrissy

am 26.10.2018 | 09:15

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