Martine
14.September 2017 | Sport & Gesundheit

Wandertour als unvergessliches Abenteuer

Ich war immer eine leidenschaftliche Läuferin, doch das Lipödem macht es mir immer schwerer. Trotz Kompressionsversorgung ist das Laufen durch die Schmerzen und die ständig schweren Beine fast unmöglich. Dabei war Laufen immer meine beste Medizin. Ich war frustriert und suchte nach einer Alternative.

Meine Eltern sind leidenschaftliche Wanderer und gehen jedes Wochenende, wenn nicht noch öfter, wandern. Ich spielte mit dem Gedanken mit auf die Wandertour durch die Wälder von Luxemburg zu gehen. Hauptsache Bewegung in der Natur.

Wandertour durch Luxemburg mit Lipödem

In Luxemburg gibt es mehrere Wanderorganisationen quer durchs ganze Land. Der erste Sonntag, an dem mich die Motivation packte wandern zu gehen, kam schnell. Meine Eltern fragten mich, was für eine Strecke ich mir vorstelle:  5 km, 10 km oder 20 km. Meine Antwort war: „Wenn ich 5-7 km laufen kann, dann ja wohl 10 km wandern!“

Durch Natur und Wald

Am kommenden Sonntag ging es dann los. Es ging nach Bruch, das liegt im westlichen Zentrum von Luxemburg. Der Weg war sehr schön, durch Natur und Wald. Die 10 Kilometer habe ich sehr gut geschafft, allerdings hatte ich Muskelkater bis Donnerstag. Es werden dann doch andere Muskeln als beim Laufen belastet. Es gefiel mir sehr gut und ich habe beschlossen das öfter zu machen.

Am darauffolgenden Sonntag war dann eine Wandertour in Ettelbrück dran. Ettelbrück liegt im Norden von Luxemburg. Der Norden ist bekannt für seine grünen Landschaften und seine Berge. Ich hatte großen Bammel vor dieser Strecke. „Dank“ Lipödem fallen mir Berge sehr schwer. Am Startpunkt angekommen zahlten wir 1,50 € und es konnte losgehen. Immer den roten Bändchen nach. 10,4 km sollten es heute werden.

Wir gingen ein paar Meter durchs Dorf und kamen zur ersten Kontrollstation. Hier gab es Tee oder Wasser zu trinken und ein paar Stücke Obst zur Stärkung.

Wandertour mit Lipödem

Der steile Anstieg ließ nicht lange auf sich warten

Ich schaute voraus, auf den Weg der vor mir lag und meine Motivation rutschte in den Keller. Ich konnte einen steilen Anstieg sehen, aber nicht das Ende. Aber, wo es hinauf geht, muss es auch wieder hinunter gehen. Die ersten Meter schaffte ich gut, doch irgendwie sah ich immer noch kein Ende des Aufstiegs. Mir lief der Schweiß runter und auch meine Beine fingen an sich zu beschweren. Nun kamen die ersten Bäume und mit ihnen verschwand die Sonne und der Schatten kam. Doch es wurde nicht leichter. Ich schaute auf meine Uhr: Erst 2 Kilometer geschafft. Ich fragte mich jetzt schon, wie ich das schaffen soll? Und es ging weiter bergauf. Meine Beine schleppte ich nur noch mühsam hoch als ich in der Ferne sehen konnte, dass da oben die Steigung abnimmt. Mit abnehmender Steigung stieg meine Motivation.

Erst mal Pause

Oben angekommen musste ich erst mal eine Pause machen. Ich schaute auf meine Uhr: 3 Kilometer. Ich dachte, das war´s, das war das letzte Mal, dass ich mitging, aber ich musste weiter. Ich nahm noch mal meine ganze Kraft zusammen. Ich fragte mich, warum es schon so früh etwas zu trinken gab. Meine Kehle war trocken.
Es ging um eine kurze Kurve und da kam sie, eine weitere Steigung - und diesmal richtig! Ich hätte auf allen Vieren kriechen können. Ganz langsam kämpfte ich mich hoch. Ältere Wanderer überholten mich. Es wurde peinlich. Ich war total nass verschwitzt und meine Backen waren knallrot. Und dann kam es endlich - das langersehnte Ziel! Wir waren endlich oben angekommen. Meine Uhr zeigte fast 5 Kilometer an und dort oben gab es auch eine wunderbare Belohnung: Der tolle Ausblick über die ganzen Felder hinaus, die pure Natur.

Und es ging weiter. Und tatsächlich, es ging nur noch gerade aus oder den Berg hinunter. Auf den letzten 5 Kilometer waren die ersten 5 Kilometer wieder schnell vergessen und ich konnte auch mal die Natur genießen. Ich war motiviert für den nächsten Sonntag und die nächste Wandertour.

Im nächsten Bericht erzähle ich Euch mehr über meine nächste Wandertour.
Schöne Grüße aus Luxemburg

Eure Martine

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2 Kommentare
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Birgit

Hallo Martine,
ich finde deinen Blog sehr gut. Du hast ein sehr ansprechenden Schreibstil. Mich stört das Wandern mit Kompressionshose, wg.der Blasen am Fußballen (nicht Ferse). Meine Gefàßärztin sagte man könnte gut ohne gehen, weil die Venenpumpe ja gut trainiert wird.
Gruß, Birgit aus NRW

am 28.10.2017 | 13:04
Martine

Hallo Birgit,
Vielen Dank für diese lieben Worte.
Ich könnte es mir nicht vorstellen einen Berg ohne Kompressionshose hinauf zugehen.
Das Problem mir deinen Füssen, kenn ich sehr gut. Kam bei mir von den Schuhen. Ich habe mir professionelle Schuhe gekauft und seit dem habe ich keine Probleme mehr.
Liebe Grüße aus Luxemburg.
Martine

am 31.10.2017 | 22:32

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