Dagmar
08.Februar 2018 | Sport & Gesundheit

Mit Lipödem in der Wüste

Hallo, ich bin Dagmar, 27 Jahre jung und lebe seit September 2016 mit der Diagnose Lipödem.

Ich arbeite als fachliche Leitung in einem auf Frauen spezialisierten Sanitätshaus und habe tagtäglich mit Betroffenen zu tun, die an Lipödem/Lymphödem erkrankt sind. Durch meine eigene Erkrankung kann ich mich sehr gut in unsere Patientinnen hineinversetzen und möchte sie auch darin bestärken, dass wir dennoch alles erreichen können!

Bloggerin Dagmar in Dubai

7 Emirates Run und wie es dazu kam

Im November 2017 habe ich am 7 Emirates Run teilgenommen, einem großen Marathon in den Vereinigten Arabischen Emiraten – 7 Tage lang, quer durch alle 7 Emirate. Mein Team und ich (bestehend aus sieben Läufern) liefen jeden Tag ca. 70 Kilometer also jeder ungefähr 10 Kilometer.

Zunächst schloss ich es aus, an diesem Lauf teilzunehmen, da ich es nicht für möglich hielt, durch die alltäglichen Schmerzen und die eher mangelnde Bewegung bis zum Start des Events fit genug zu sein. Doch als mein Chef mich erneut fragte, überwand ich meinen inneren Schweinehund und begann testweise damit, den Weg von der Arbeit nach Hause zu laufen (kein Joggen, sondern zügiges Gehen), was etwas mehr als dreieinhalb Kilometer sind. Daheim sprach ich noch mit meinem Mann, der selbst sehr viel läuft und mich in meinem Vorhaben unterstützte. So nahm alles im wahrsten Sinne des Wortes seinen Lauf!

Zwei Monate lang bin ich jeden Tag die Distanz zwischen meiner Arbeit und Daheim gelaufen und an den Wochenenden sogar oft bis zu zehn Kilometer, was dank immer wechselnder Routen rund um unsere Ortschaft auch nicht monoton wurde. Ich merkte auch tatsächlich, wie gut es mir tat! Natürlich trug ich immer eine Kompressionsstrumpfhose an den Beinen.

Dann war es so weit: Der 16. November 2017 war da und mein Team und ich flogen nach Dubai. Das Wetter war natürlich viel wärmer als in Deutschland, aber durchaus angenehm. Im Durchschnitt waren es 32° Grad, immer begleitet von erfrischendem Wind und die Luft war eher trocken. Die anliegende Kompression konnte ich daher sehr gut aushalten!

Bloggerin Darmar beim Lauf mit Lipödem

Der Lauf mit Lipödem

Am 18. November fiel der Startschuss für den Marathon. Als ich vor meinem ersten Lauf stand, war mir schon komisch in der Magengrube. Halte ich die Distanz durch? Wie werden die Schmerzen sein? Werde ich die angestrebte Zeit von eineinhalb Stunden einhalten oder das Team enttäuschen?

Ich hielt nicht nur durch, ich absolvierte die 10 Kilometer sogar unterhalb der Zeit! Ich war unglaublich stolz auf mich! Die Schmerzen waren dank meiner Kompressionsstrumpfhose absolut erträglich, nur meine Hände schwollen sehr stark an und spannten etwas. Am zweiten Tag schaffte ich sogar 11,5 Kilometer, wieder innerhalb des Zeitfensters. Auch der dritte Tag lief wie geschmiert. Es war bereits die zweite Etappe in Folge, die wir als Team für uns entscheiden konnten. Am vierten Tag durfte ich als Erste laufen und ich entschied mich früh morgens dazu, sowohl meinen Bolero als auch meine Handschuhe anzuziehen, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Das hielt die Schwellung zurück und meine Hände spannten dadurch weniger.

Am Abend zuvor hatte ich noch mit dem Organisator gesprochen, dass ich nicht sehr weit joggen würde können - höchstens 200 Meter, mehr würde ich nicht schaffen. Ich kann es selbst noch immer kaum glauben, aber ich schaffte es tatsächlich, einen Kilometer lang mit weitaus erfahreneren Läufern mitzuhalten! Das Adrenalin trieb mich stets an und auch als Team motivierten und unterstützten wir uns gegenseitig

Auch in den folgenden Tagen lief es einwandfrei. Dank der Kompression an Beinen, Armen und Händen machte mir das Lipödem keinen Strich durch die Rechnung! Von Tag zu Tag habe ich mir mehr zugemutet, bin immer wieder mal Passagen gejoggt und meist ohne Probleme. Schließlich brach der letzte Tag an und wir haben tatsächlich den Sieg gegen das andere Team für uns entscheiden können, was neben dem karitativen Hintergrund ein toller Erfolg war!

Bloggerin Dagmar mit dem Organisator

Mein Fazit

Trotz meiner Zweifel im Vorfeld habe ich mir selbst bewiesen, dass ich mit Mut, Fleiß und der richtigen und von einer Fachkraft ausgemessenen Versorgung alles erreichen kann! Ich lief durch die Wüste mit Lipödem und das annähernd schmerzfrei! Der 7 Emirates Run war eine wundervolle Erfahrung und ich würde es sofort wieder tun. Lasst euch durch die Diagnose Lipödem/Lymphödem auf keinen Fall einreden, eure Träume und Ziele nicht mehr weiter verfolgen zu können!

Eure Dagmar

5 Kommentare
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Christina/Tinchen

Super, ich wandere viel. 10 km und mehr, ich denke, wenn die Luftfeuchtigkeit gering ist, geht's uns besser, dass habe ich auch in einem Urlaub in Bolivien bemerkt.
Klasse Leistung.

am 22.05.2018 | 16:42
Christina_Rick

Sehr beeindruckend und motivierend! Danke!
Lg Christina

am 18.02.2018 | 21:21
Marilena/Noitabavaria

Wow, klasse Leistung!!
Das macht mir Hoffnung, bin grade in einem Tief und der Lipschweinehund meint Reisen in warme Länder oder der deutsche Sommer wären mein Untergang . Aber wenn du in den arabischen Emiraten so ne geile Leistung ablieferst übersteh ich auch meine 5km Läufe und Crossfit WODs mit Kompression im Sommer!

am 08.02.2018 | 19:29
Dagmar

Danke dir. Na klar wirst du da das! Und wenn du es geschafft hast, wird du dich großartig fühlen!

am 09.02.2018 | 06:49
Momo

Super Dagmar.....weiter so !

am 08.02.2018 | 10:23

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