Susi
16.Mai 2019 | Mein Lipödem

Methoden, Recherche und Bauchgefühl – Der Start meiner Liposuktionen

Bereits vor einiger Zeit habe ich euch über die Anfänge meiner „Karriere“ in Bezug auf das Lipödem berichtet. Zuletzt gab ich euch einen kurzen Ausblick auf meine erste Liposuktion der Arme und welche enorme Erleichterung dies bereits für mich darstellte.

Heute möchte ich euch auf meine Reise mitnehmen, durch die Höhen und Tiefen der insgesamt sechs Operationen, die ich bisher wegen des Lipödems durchgestanden habe.

Am Anfang einer jeden Unternehmung steht eine Recherche!

Als ich mich damals in den Anfängen mit dem Lipödem und den möglichen „Hilfen“ auseinandersetzte, kam ich relativ schnell darauf, dass es nur durch eine sogenannte „Liposuktion“ eingedämmt und eventuell sogar aufgehalten werden könnte. Ich beschäftigte mich daher eingängig mit den damals (2010/2011) vorhandenen Studien und „Anwenderberichten“. Die damals, wie auch noch heute, gängige Methode der TLA (Tumeszenz-Lokalanästhesie) kam für mich eigentlich nicht wirklich in Frage.

Zum einen weil die Haut durchaus, und wenn auch nur für sehr kurze Zeit, unter extreme Spannung gesetzt wird. Ich leide bereits an einer Bindegewebsschwäche, die mein Gewebe hat massiv reißen lassen, daher kam die Methode der Liposuktion für mich nicht in Frage. Zum anderen wird diese Methode meist, wie es auch schon der Name sagt, lediglich unter örtlicher Betäubung ausgeführt. Das hat natürlich auch Vorteile – man sieht das Ergebnis sofort, noch bevor die Schwellungen kommen und man hat seinen Körper gänzlich unter Kontrolle, so dass man sich, so der Operateur dies wünscht, auch aktiv während der OP drehen kann. Auch der Kreislauf wird nicht so belastet, was bei einer Vollnarkose durchaus nicht ganz ohne ist.

Meine Gedanken zur Liposuktion

Leider war ein anderer Punkt für mich damals aber wichtiger: damals wurden so nur „relativ geringe“ Mengen Fettgewebes abgesaugt – und ich hatte ja wohl mehr als nur zwei bis drei Liter zu viel Lipfett an meinen Beinen und Armen. Heute ist dies anders und es wird auch in der TLA die gleiche Menge entfernt, wie in den anderen Methoden.

Durch Recherchen stieß ich damals noch auf eine neue Methode, bei der Liposuktionsflüssigkeit (ein Gemisch aus Adrenalin, Schmerzmitteln und Kochsalzlösung) mittels Kanüle direkt eingespritzt würde und auch direkt wieder abgesaugt. Die so genannte WAL (Wasserstrahl-Assistierte-Liposuktion) sollte demnach mein Mittel der Wahl werden, da sie für mein umliegendes Gewebe schonender wäre. Anders als bei der TLA Methode sieht der Operateur auch gleich, wo noch etwas Lipödem-Fett hängt. Außerdem versprach man, dass man bei dieser Methode die „neuen Konturen“ direkt sehen könnte und so die Liposuktion erfolgreicher wäre und weniger problematisch (für den Operateur). Nachteil – man operierte damals nur in Vollnarkose.

Wo lasse ich mich operieren?

Zudem war damals die Suche nach einem Klinikum, gar nicht so einfach. Da ich die Übernahme meiner Krankenkasse hatte, musste es also ein öffentliches Krankenhaus werden. Während sich heute sehr viele öffentliche Krankenhäuser auch mit diesem Thema beschäftigen, war auch dies damals eher nicht so. Bereits auf Reha 2011 erfuhr ich damals vom Ernst-von-Bergmann Klinkum in Postdam, die diese Eingriffe durchführten. Als ich mich dann direkt nach der Reha dort auch vorstellte, unterstützen mich die Ärzte auch bei den Befundstellungen für die Krankenkasse. So entschied ich mich dann auch endgültig, die Eingriffe dort durchführen zu lassen.

Von Zielen, Erwartungen und Träumen der Liposuktion!

Bevor ich in die ersten Liposuktion damals startete, war meine feste Annahme, nach diesen kann ich
a) ohne Kompression
b) ohne Lymphdrainage leben und dies auch noch
c) OHNE Lipschmerzen.
Nur als kleiner Ausblick: die Trefferquote meiner Annahmen lag genau bei 33,33%!

Der Traum von einem schmerzfreien Leben ohne Lipödem

Viele Informationen bezüglich der Vorbereitung und was alles nötig sein könnte (Globuli, Enzyme, Sitzunterlagen etc.), holte ich mir aus einem Forum. Die Riege der bereits operierten Damen war damals stark am Wachsen und ich war mir sehr sicher, dass dies auch genau mein Weg sein würde. Ich wollte endlich wieder Tage ohne Schmerzen genießen, an denen ich mich nicht in diese „grauslige Oma-Bekleidung“ zwängen musste.

Ich wollte die ganz „normalen Dinge“ erleben, wie spontan ins Schwimmbad gehen oder auch an den Strand. Ich wollte, dass meine Beine nicht mehr versuchen meine Hosen zu sprengen und meine Arme nicht mehr aussehen, als wenn ich ein Flughörnchen wäre. Einfach „NORMAL“ sein, ohne angegafft zu werden.

Nach der Begutachtung durch mehrere Ärzte prognostizierte man mir ca. drei bis vier Operationen, die ich wohl benötigen würde. Man würde drei OPs für die Beine und Hüfte brauchen und dann noch eine für die Arme. So beantragte ich dann auch die Liposuktion bei der Krankenkasse.

Der Anfang eines langen und teils steinigen Weges zur Liposuktion

Der Kampf wurde auf beiden Seiten (Krankenkasse vs. Meinereiner) durchaus heftig geführt. Ich suchte alle damals verfügbaren Studien und auch Gerichtsurteile aus dem Netz zusammen. Bis zur Endentscheidung der Krankenkasse kam ich auf stolze zehn Zentimeter Papierkram, den ich der Kasse im Laufe meines Antrages und der Verhandlung darüber, zugesendet hatte. Ein wahnsinns Berg!

Dennoch lehnte die Kasse immer wieder meinen Antrag ab. Die Frustration war mehr als groß. Sah denn Keiner, was hier wirklich Sache war? Ich zweifelte an mir und auch an meiner Weltanschauung. Es konnte doch nicht sein, dass ich so viel für die Krankenversicherung zahlte und dennoch man mir die Hilfestellung und die dringend nötigen Operationen verweigerte. Diese brauche ich doch für den Erhalt meiner Berufsfähigkeit. Durch einen „dummen Zufall“ fand ich Hilfe und letztendlich wurde mir eine Tür geöffnet, durch die ich dann doch die Ops durch die Krankenkasse bekommen konnte. Alles in Allem hat mein Antrag aber dennoch knapp eineinhalb Jahre erbitterten Kampf gefordert.

Anbei einige Eindrücke für euch von meinen Lipos der Beine. Ob ich es wieder tun würde? Auf jeden Fall! Wenn man sich das Vorher-Nachher anschaut, ist es kein Vergleich mehr. Die Beinachse hat sich „normalisiert“ und ich bin (fast) schmerzfrei.

Jede von uns muss ihren eigenen Weg gehen und ihn selber gehen. Hört auf euer Innerstes und kämpft für euch und euer Leben!

Fight on, Ladies!

Eure Susi

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1 Kommentare
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Gritli

Liebe Susi,
vielen Dank für die Schilderung Deines Weges zur Liposuktion und wenigstens der Besserung Deiner Gesundheit. Es ist schon klar, dass die Liposuktion weder ein Allheilmittel, noch ein Spaziergang ist und ich glaube kaum, dass Du die Kompressionsstrumpfhosen weglassen kannst. Da die Leistung uns Kranken immer noch verwehrt wird und nicht Jeder sich diese als Privatleistung leisten kann, verrate doch bitte, mit welchem Trick("dummer Zufall") man dann letztendlich doch die Kostenübernahme durch die KK erreicht. Es ist zwar schon so, dass Jeder für sich still leidet, weil es ja eh nicht anders geht. An einem Tag möchte man alles hinschmeißen und an einem Anderen versucht man es zu verdrängen. Am nächsten sagt man "ihr könnt mich mal..., ich zieh mich an, wie ich will!", was man aber schnell bereut und dann wieder ist man so vernünftig zu denken, dass man es für sich tun muss. Man bereut es natürlich schnell, wenn die Hosen überall kneifen und ich möchte nicht wissen, was dadurch für Schäden entstehen, während man an einem langen Arbeitstag natürlich nicht die Beine hochlegen oder mal kurz eine Runde ums Haus gehen kann. Aber wir sollten zusammenhalten, um endlich Hilfe und Rücksicht zu bekommen, ohne mit mehr Kosten, Stress und Demütigungen gestraft zu werden.
Ich wünsche Dir Alles erdenklich Gute, dass Du das Leben wieder unbeschwert genießen kannst, denn darauf hat Jeder ein Recht.

am 19.05.2019 | 23:30

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