Tina
18.Juni 2019 | Lipödem & Ernährung

Meine Essstörung: „Binge-Eating-Disorder“ – Was geschah nach dem Klinikaufenthalt?

Mein Name ist Tina oder wie oft auch einfach nur „Sunshine“. Vor fast genau einem Jahr hatte ich bereits den Beitrag „Mein Leben mit Lip-/Lymphödem und der Essstörung „Binge-Eating-Disorder“ (kurz: BED) berichtet. Den Beitrag könnt ihr natürlich gerne nochmal nachlesen. Ich freue mich auf den Rückblick und hoffe vielen von euch damit einen Einblick in das Jahr danach zu gewähren und vor allem Mut zu machen. Denkt dran, ihr seid nicht allein!!!

Warum wieder Klinik?

Warum das zweite Mal? Hat das erste Mal nichts gebracht? Doch hat es, aber wie bereits im ersten Blog-Beitrag beschrieben sind Dinge passiert, die mich total aus der Bahn geworfen haben. Alles, was ich mir mühselig aufgebaut hatte wurde nach und nach zerstört. Stellt euch vor: Ihr baut Stück für Stück ein Kartenhaus auf und dann kommt jemand nur minimal mit dem Fuß an das Tischbein und – ZACK – alles fällt in sich zusammen und ihr steht vor einem gigantischen „Kartentohuwabohu“.

Ich habe monatelang versucht dieses Kartenhaus selbst wieder auf zu bauen und ich war am Anfang fest davon überzeugt, dass es mir gelingen wird. Ich hatte es ja schon einmal geschafft, warum sollte es also dieses Mal nicht genauso wieder alles gut werden?! Es gab immer wieder Phasen, in denen hatte ich das Gefühl: YES! Jetzt bin ich wieder auf dem richtigen Weg, aber es dauerte oftmals nicht lange, da war diese Motivation wieder futsch… Ich war komplett verzweifelt und mir wurde klar: Ich schaffe es nicht aus eigener Kraft!

Unterschied zwischen stationär und ambulant

Natürlich war ich zuvor erst einmal ambulant bei einer Therapeutin – ohne Erfolg. Nachdem auch sie immer mehr Richtung Klinik tendierte, war für mich klar, dass kein Weg daran vorbeiführt. Ich entschloss mich ein zweites Mal für die Klinik… Stationär!

Für mich ergab nur ein stationärer Aufenthalt Sinn, denn nur so bin ich von Zuhause weg, weg von den Störfaktoren, wie Kollegen, Familie, Freunde, die das alles nicht verstehen konnten oder teils auch nicht wollten. Auch Haushalt und diverse andere Dinge, die eben im Alltag anfallen, belasten einfach während eines stationären Aufenthalts nicht. Nicht, dass es bei mir so krass gewesen ist aber dennoch… ich wollte einfach meine Ruhe und das gelingt am besten, wenn man sich nicht in der gewohnten Umgebung aufhält. Sich bewusst eine Auszeit nimmt, denn in einer Klinik musst du nicht mehr funktionieren… Du bist endlich für dich alleine und du kannst dich auf dich und auf deine Probleme, deine „Baustellen“ konzertieren.

Kein Zuckerschlecken

So ein Klinikaufenthalt ist übrigens kein Zuckerschlecken! Die Therapien sind harte Arbeit und man glaubt manchmal gar nicht, wie viel Kraft so etwas kostet. Ambulant oder mit dem Modell der Tagesklinik hätte es für mich keinen Sinn ergeben. Ihr könnt euch das gerne auch vorstellen wie der langersehnte Jahres-Urlaub. Die meisten können sich erst dann erholen, wenn sie im Urlaub wegfliegen oder wegfahren, einfach mal einen Cut machen. Raus aus der gewohnten Umgebung! Wer Zuhause Urlaub macht, kann meist weniger gut abschalten oder sich erholen. Ständig fällt einem was ein, das man noch erledigen muss usw. Also ging es Mitte April 2018 das zweite Mal in eine Klinik für Essstörungen.

Akzeptiere dich – mit all deinen „Special-Effects“

Ich wusste ja schon ein bisschen, was auf mich zukommt und ich versuchte alles so gut es ging umzusetzen… Ich wollte so schnell wie möglich wieder fit und stabil werden. Ende Juni: ich freute mich auf den Entlassungstermin und ich hatte das Gefühl, dass ich einiges lernen und vor allem künftig besser verstehen werde. Geheilt ist man nach so einem Klinikaufenthalt nicht. Es ist so ähnlich wie beim Lip-/Lymphödem auch oder meinem Diabetes… Es bedarf weiterhin viel Arbeit, das war mir klar, und wenn ich ehrlich bin, ich arbeite auch heute noch an mir, denn mir ist klar geworden, dass es nicht hilft, die Krankheit einfach nur zu ignorieren oder wegzuschieben. Sie muss genauso akzeptiert werden wie meine Beine und der Diabetes.

Fakt ist: Ich habe diese Krankheiten, aber sie sollten nicht mein Leben bestimmen, sie sind da, aber es ist möglich auch damit ein halbwegs normales Leben zu führen. Mal mehr, mal weniger. Ich bezeichne meine Krankheiten immer gerne als „Special-Effects“, die hat ja schließlich nicht jeder *grins*. Vielleicht hilft dir dieser Ausdruck im Umgang mit dir selbst? Sei lieb zu dir und behandle dich gut! Das ist so wichtig!

Ist eine Therapie danach sinnvoll und wenn ja, welche?

Ich hatte mich bereits vor dem Klinikaufenthalt um einen Therapeuten in der Nähe gekümmert und war froh, dass ich dort im Anschluss gleich Termine erhalten habe. Ganz oft werde ich gefragt: „Tina, wo finde ich den passenden Therapeuten und was für eine Therapieform ist denn die richtige?“ Wo? Entweder Frau Google oder deinen Hausarzt fragen, von meinem bekam ich damals eine Liste mit Therapeuten in der Umgebung und die rief ich alle an.

Welche Therapieform? Das ist immer vom Krankheitsbild abhängig, ich hatte zuvor meist tiefenpsychologische Therapie. Aus meiner Sicht versucht man hier Dinge aus der Vergangenheit zu analysieren und herauszufinden, wo der Beginn des Ausbruchs der Krankheit ist. Ganz ehrlich, meine Vergangenheit ist durch… Ich weiß, was alles schiefgelaufen ist und ja, natürlich hat mir die tiefenpsychologische Therapie auch viel gebracht aber… Ich will wissen, wie ich JETZT mit der Krankheit und mir umgehen muss und was ich JETZT tun kann, um meine Stabilität und Freude am Leben wieder langfristig zu erreichen.

Ich schwöre auf Verhaltenstherapie! In der Klinik war es eine gute Mischung aus beidem und ich habe vor kurzem ein Buch über die verschiedenen Therapieformen gelesen, in dem ausdrücklich sogar gewarnt wird, dass die falsche Therapieform manche Krankheiten, unter Umständen, sogar verschlimmern kann. Das hat mich schockiert!

Meine Zukunftspläne

Die Zeit in der Klinik hat mich viel zum Nachdenken gebracht und ich habe mich währenddessen entschieden eine Ausbildung zur Ernährungsberatung zu machen. Ich möchte das Thema Ernährung, und was alles damit zusammenhängt, einfach noch besser verstehen und ich habe mittlerweile ein Coaching für Gleichgesinnte entworfen, was ich mit Hilfe mehrerer Kunden bereits teste und stetig verbessere.

Mein Plan ist es so vielen Menschen mit Übergewicht, Lip-/Lymphödem, Diabetes und diesem emotionalen Essverhalten bis hin zur Essstörung zu helfen. Ihnen zu zeigen, dass es Menschen gibt, die für sie da sind, sie verstehen, sie an die Hand nehmen und ich möchte gemeinsam den Weg in ein „leichteres Leben“ mit Betroffenen gehen. Das ist mein Traum, mein Ziel und ich hoffe, dass ganz viele Menschen dadurch ihre persönliche Lösung finden, mit sich und ihren „Special Effects“ besser umzugehen.

Abnehmen ist natürlich bei Lip-/Lymphödem nur bedingt möglich aber es gibt viele, die sich die Kilos, wie ich, durch die Essstörung zusätzlich noch angefuttert haben und die können wir wieder loswerden. Ich habe mittlerweile über 300 Rezepte selbst geschrieben… Früher wäre das undenkbar gewesen. Zu den schlimmsten Zeiten der Essstörung habe ich mich vom Kochen und Backen komplett distanziert. JETZT habe ich große Freude daran und liebe es, wenn meine Rezepte auch bei meinen Interessenten und Kunden gut ankommen.

Eine Sache möchte ich euch noch mit an die Hand geben. Jeder für sich, ganz allein, ist für seine Entscheidungen verantwortlich und wenn man sich immer wieder für das Gleiche entscheidet, dann kann man auch nicht erwarten, dass es zu anderen Ergebnissen führt.

Im Original von Albert Einstein:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

Eure Tina

Hier findest du auf meiner Homepage ganz viele meiner Rezepte und auch auf Pinterest. Wenn du mir folgst, bleibst du immer up-to-date, auch auf Facebook.

Auf Instagram findet ihr mich unter dem Namen blacky.1987 (privat) oder ready4yoursuccess.

Andere Beiträge zum Thema Ernärung, die Dich interessieren könnten:

Blogger werden

Du hast ein Lipödem, kennst Dich gut damit aus oder hast Angehörige, die ein Lipödem haben? Du schreibst gerne oder hast vielleicht schon Deinen eigenen Blog? Dann bewirb Dich bei uns als Blogger.

Jetzt Blogger werden

Jetzt zum Newsletter anmelden!

Melde Dich kostenlos für den FRAUENSACHE-Newsletter an und verpasse keinen Blog-Beitrag der Lipödemkämpferinnen mehr!

5 Kommentare
Kommentieren
Dagmar

Ich habe meine Ernährung vor 2 Monaten auf traditionelle chinesische Medizin (TCM) umgestellt und bin wie ausgewechselt. Nach über 50 Jahren kein Interesse mehr an Süßigkeiten, ich kann es nicht fassen. Genieße mein neues Leben und Freude an Bewegung. Hoffe langfristig auf weniger Kilos und Lymphödeme. Auch dir weiterhin viel Erfolg.

am 23.06.2019 | 20:18
Tina Schwarz

Mensch! Das sind ja tolle Neuigkeiten! Man liest immer mehr darüber und auch ich bin an dem Thema sehr interessiert... Ich wünsche dir weiterhin, dass es deine Gesundheit positiv beeinflusst und dass auch die Kilos dahinschmelzen...
In meinem Coaching arbeite ich sehr individuell aber immer nach Wunsch des Kunden, denn was neben der Ernährung auch eine große Rolle spielt ist, dass man sich wohl fühlt mit dem was man tut!
Danke für dein Feedback und weiterhin alles Gute...

am 24.06.2019 | 07:55
Andrea

Liebe Tina,
Danke schön für deinen Mut machenden Artikel!! 😊
Ich habe meine Essstörungen nach einer Verhaltenstherapie gut im Griff. Hatte auch Erfahrung mit der "Freudschen" Tiefenpsychologie und stimme Dir zu, es bringt nicht's, zu wissen was früher war um dann mit diesem Wissen allein zurück gelassen zu werden!
Auch ich kämpfe jeden Tag, mal mehr mal weniger gegen meine
"Specials" und bin stolz auf mich, allen Unwägbarkeiten zum Trotz, Spaß am Leben zu haben.
Ich wünsche Dir die Kraft, Energie und Muße für deine weiteren Vorhaben..... 😃 tolle Sache die Du auf die Beine stellst! 🤗

Liebe Grüße Andrea
P.S. Ups .... Ich habe ein Lipödem seit 35 Jahren (vor 2 Jahren diagnostiziert)

am 23.06.2019 | 12:12
Ninchen

Danke für den tollen ehrlichen Beitrag. Leider kann ich ein Lied davon singen. Nur niemand kann meine Essstörung so richtig einordnen. Einige sagen BED, andere einfach nur ne Adipositas, die nächsten Magersucht mit falschem Essen. Jeder zerrt an mir rum und ich habe doch schon so lange mein Übergewicht, da muss ich es doch mal akzeptieren. Genau wie meinen Prädiabetes und das Liplymphödem. Naja, ich sollte wohl mehr Therapie machen, vielleicht bekomme ich dann ja mal irgendwas davon in den Griff.

LG

am 19.06.2019 | 19:28
Tina Schwarz

Hallo liebes Ninchen,

hab vielen Dank für deinen offen und ehrlichen Kommentar. Beim Thema Essstörung gibt es so viele unzählige... oftmals ist es nicht nur DIE eine ES, sondern eine Kombination. So scheint es auch bei dir.
In jedem Fall ist die ES das Symptom und du solltest unbedingt herausfinden, warum sie mal stärker und mal schwächer dein Leben bestimmt.
Wie bereits erwähnt, gibt es von mir diesbezüglich ein Coaching.
Eine Therapie anzugehen ist in jedem Fall nie verkehrt und der erste Weg zur Einsicht und die Chance auf "Heilung".

Alles Gute für dich und wenn ich dir helfen kann, dann lass es mich gerne einfach wissen...

Herzliche Grüße

deine Tina ;-)

am 21.06.2019 | 12:18

Dein Kommentar wurde erfolgreich abgeschickt.
Der Kommentar wird in ein paar Minuten erscheinen.

Unsere Blogger

Leben mit Lipödem: Diese tollen starken Frauen erzählen Dir aus ihrem Alltag! Schau doch mal rein in ihren Blog.

Unsere Experten-Blogger

Experten zum Lipödem: Diese Spezialisten berichten aus ihrem jeweiligen Fachgebiet und stehen Dir mit ihrem Rat zur Seite.

Blogger werden

Du hast ein Lipödem, kennst Dich gut damit aus oder hast Angehörige, die ein Lipödem haben? Du schreibst gerne oder hast vielleicht schon Deinen eigenen Blog? Dann bewirb Dich bei uns als Blogger.

Jetzt Blogger werden
Netiquette

Wir wollen, dass Du von dieser Seite profitierst. Du findest hier starke Frauen, die über ihr Lipödem schreiben ‒ eine sehr persönliche und intime Sache! Deshalb bitten wir alle User um einen netten Umgangston miteinander. Vielen Dank.

8 goldene Regeln