Anne
27.September 2018 | Mein Lipödem

Mein Weg zur Diagnose Lipödem

Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Anne, ich bin 24 Jahre alt und mein Ober- und Unterkörper passen nicht recht zusammen. Das Thema Lipödem hat für mich eine zentrale Rolle in meinem Leben eingenommen. Heute darf ich euch einen Teil meiner Geschichte erzählen.

Nur weil sie dick sind, sind sie nicht krank

Der Verdacht „Lipödem“ liegt mittlerweile vier Jahre zurück. In dieser Zeit habe ich ein Gruppenernährungsprogramm ausprobiert. Das hatte bisher am besten funktioniert, aber auch hier gab es irgendwann einen Stillstand. Da solche Programme ja immer von geschultem Personal betreut werden, habe ich dann die Frage, was denn bei mir so schieflaufen würde, einfach dort gestellt. Die Antwort kam prompt: „Ich bin so froh, dass du fragst! Für mich ist das ganz klar ein Lipödem!“

Da war es – Lipödem. Es stand ein Wort im Raum, mit dem ich so gar nichts anfangen konnte. Sie erklärte mir noch kurz um was es sich handelt und den Rest googelte ich mir zusammen. Um es kurz zu machen, ich war nicht sonderlich euphorisch. Tatsächlich habe ich nur Horrorgeschichten gefunden.

Anfangen konnte ich mit meiner „Diagnose“ weiterhin nichts. Das folgende Jahr bestand kurz gesagt aus vielen Arztbesuchen bei den verschiedensten Personen, die alle nur eine Aussage zur Folge hatten: „Nehmen Sie ab, dann gehen die Schmerzen von ganz allein weg. Nur weil sie Übergewicht haben sind sie nicht automatisch krank!“ Tatsächlich wurden genau diese Aussagen bei fast jedem meiner Arztbesuche wiederholt. An diesem Punkt wollte ich es dann sein lassen. Dann ist es eben wie es ist, habe ich mir gedacht, denn immer weiter beleidigen lassen wollte ich mich nicht mehr.

Lipödem: Der Weg ist das Ziel

Mit meiner neuen Frauenärztin kam dann endlich die positive Wende. Im Laufe des ersten Gesprächs war für sie schnell klar, was mein Problem ist und mit ihr kam endlich alles in die Richtung in die es jetzt läuft. Sie schickte mich zum Endokrinologen, Phlebologen und verhalf mir zu Kontakt mit anderen Betroffenen.

Mittlerweile liegt die Diagnose „Lipödem“ rund 2 Jahre zurück. Seitdem werde ich mit Lymphdrainage und Flachstrickkompression an Armen und Beinen behandelt. Die Erfolge ließen auf sich warten, haben sich dann aber langsam eingestellt. Alles, was ich bisher erreicht habe ist mein Gewicht zu halten, was für mich emotional eine herbe Enttäuschung ist. In der Theorie jedoch ist ganz klar: Keine Zunahme bedeutet eben keine Zunahme.

Gerade beim Thema Lipödem gilt für mich: „Der Weg ist das Ziel!“ Jede noch so kleine Verbesserung ist eine Verbesserung und bringt uns ein bisschen näher an ein schmerzfreieres Ich.

Gebt nicht auf und kämpft für Euch! Denn, wenn wir es nicht tun, wer dann?

Bis bald,
Eure Anne

3 Kommentare
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Cattina2018

Liebe Anne,
lieben Dank für deinen Beitrag. Ja, es ist schon erschreckend traurig, wie wenig Ärzte sich mit dem Lipödem auskennen. Mir hat es auch kein Arzt gesagt. Erfahren habe ich es erst mit 58, weil ich mir dann mal Lymphdrainage verschreiben ließ, weil meine dicken Beine schmerzten. Diese Logopädin hat mir dann geraten mal zu einer Phlebologin zu gehen. Und so kam ich über meine Hausärztin (die auch meinte, ich solle Diät machen) zu meiner ersten Reha. Dort wurde
mir dann der Zahn gezogen, dass es dagegen ein "Kraut" gibt und man etwas machen kann. Nun bin ich 62 und kämpfe mit 102 kg. Hatte bis zu meinen Wechseljahren (45) um die 70 kg und damit war ich einigermaßen zufrieden. Doch abnehmen klappt bei mir auch nicht. Und dann gibt es immer noch dünne!!! Ärztinnen, die mir sagen: "Auch mit Lipödem kann man abnehmen." Ja, wenn ich wüßte, wie, würde ich es gerne!!! Der Frust ist oft nicht auszuhalten. Und hört ihr auch so oft die Kommentare: "Ja, dann mußt du halt weniger essen und Sport treiben." Ich gehe einmal die Woche zur Wassergymnastik, privat, nicht vom Arzt
verordnet, und das tut mir gut. Leider gibt es in meiner Nähe keine Selbsthilfegruppe. Der Austausch fehlt mir schon mit Gleichgesinnten. Euch Allen auch viel Glück und nicht aufgeben, auch wenn es oft nicht leicht ist. Lieber Gruß von der ältesten hier, Kerstin

am 29.09.2018 | 15:36
Karola / pinky

Was hat denn (d)eine Logopädin mit deinem Lipödem zu tun ?

am 29.09.2018 | 22:05
Ramona

Hallo Anne,
Ich danke dir für deinen Beitrag. Genau so erging es mir auch. Nehmen sie dann wird das schon usw.
Ich war jetzt vor kurzen in einer Reha spezielle Lymphklinik und muss sagen was ich in den fünf Wochen alles gelernt und erlebt habe, hat mir sehr geholfen und ich gehe anders mit dem Thema um.
Ich finde es sehr wichtig sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Danke dafür.
Lg Ramona

am 27.09.2018 | 12:39

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