Tina
20.Juli 2018 | Mein Lipödem

Mein Leben mit Lip-/Lymphödem und der Essstörung "Binge-Eating-Disorder"

Mein Name ist Tina, den Spitznamen "Sunshine" erhielt ich 2012, als ich bereits schon einmal einen stationären Klinikaufenthalt durchlebte. Eigentlich bin ich ein sehr lebensfroher Mensch und auch wenn ich einige chronische Krankheiten mit mir rumtragen muss, habe ich nie den Mut verloren nach Möglichkeiten und Wegen zu suchen, um mein Leben trotzdem lebensfroh zu gestalten.

In meinen Beitrag wird es schwerpunktmäßig um das Thema Lip-/Lymphödem und Essstörung gehen, genauer gesagt um eine bestimmte Essstörung namens "Binge-Eating-Disorder". Viele sagen dazu auch "Esssucht". Dazu gibt es auch einen etwas ausführlicheren Podcast auf mindbodylife und ich hoffe, dass ich vielen Betroffenen Mut machen kann. Mut sich professionelle Hilfe zu holen, Mut zur Krankheit zu stehen und Mut "Frieden" mit der Krankheit zu schließen. Aber lest am besten selbst mit was ich mich seit meiner Kindheit alles rumschlagen musste...

Diagnose Diabetes Mellitus Typ 1

Als ich mit 11 Jahren Diabetes Mellitus Typ 1 bekam, änderte sich mein Leben schlagartig. Ich musste plötzlich mehrfach täglich Insulin spritzen, ich nahm das erste Mal zu und begann mit 12 Jahren meine erste Diät. Es schaukelte sich von Diät zu Diät, von Abnehm- zu Abnehmversuch immer weiter hoch. Als ich dann mit 25 Jahren das erste Mal innerhalb von 2 Monaten 22 Kilo zunahm und mich weder konzentrieren noch meinen Alltag bewältigen konnte, wurde mir klar, da stimmt etwas nicht mit mir und schon gar nicht mit meinem Essverhalten. Das ist KRANK!

Das Verhalten bekam einen Namen, Essstörung – Binge-Eating-Disorder. Ich wurde von meinem Arzt auf Reha geschickt, war anschließend in einer psychosomatischen Klinik. Sechs Monate war ich nicht arbeiten und versuchte mein Leben in Griff zu bekommen. Als ich in die Klinik kam hatte ich bereits ein Kampfgewicht von fast 110 Kilo und ich fühlte mich so wertlos wie noch nie in meinem ganzen Leben zuvor.

Der Klinikaufenthalt und die Therapie halfen mir wieder ein stabiles Leben herzustellen und ich begann nach den ersten Kilos, die ich abnahm, wieder mit Sport und merkte, dass es mir nicht nur körperlich, sondern auch psychisch half. Damals wusste ich noch nichts vom Lip-/Lymphödem.

Symptome für Lip-/Lymphödem wurden erkannt

Erst 3 Jahre später wurde ich, in Begleitung einer ebenfalls betroffenen Freundin, zu ihrem Phlebologen mitgeschleppt und tadaaaaa: Ich habe ein Lip-/Lymphödem Stadium II in den Beinen und ein Lipödem Stadium I-II in den Armen. Zum dem Zeitpunkt hatte ich damals 95 Kilo, also ich hatte schon recht gut abgenommen aber war natürlich durch die Diagnose erneut am Boden zerstört.

Auf der einen Seite war es aber auch eine Art Erleichterung, denn jetzt hatte ich ja den Grund, warum ich so extrem schwer abnahm. Ich wollte es dennoch nicht aufgeben und war dann noch im selben Jahr, 2015 war das, in der Feldbergklinik Dr. Askdonk wegen der Arme und Beine. Dort nahm ich im Anschluss, durch ein bestimmtes Ernährungskonzept, was mir mein Leben und vor allem die oben genannte Lebensqualität und -freude wieder brachte, nochmal über 20 Kilo ab. Zum großen Erstaunen der mich bis dahin begleitenden Ärzte, denn auch der Reha-Arzt hatte behauptet, dass ich maximal 5 Kilo noch abnehmen könnte und der Rest alles "krankes" Fett sei. Insgesamt waren es 35 Kilo, die ich geschafft habe abzunehmen. Damit hätte ich nie, nie, nie gerechnet.

Die Essstörung wurde erst mal zur Seite geschoben und schon fast ignoriert. Ich hatte das Gefühl, dass ich mein Leben im Griff hatte, auch durch die Erfolge und den Sport, den ich gemacht hatte. Es lief einfach alles nach Plan.

Doch dann warf es mich aus der „Bahn“: Essstörung

Bis 2017 diverse Dinge passiert sind, die mein mühsam aufgebautes Leben, die komplette Stabilität, zerstört haben. Ich fiel in altes Essverhalten und in alte Muster zurück und nahm 10 Kilo zu, bis ich merkte, dass ich mir nochmal professionelle Hilfe holen muss.

Ich bin also Anfang 2018 nochmal stationär in eine psychosomatische Klinik mit Schwerpunkt Essstörung und im Nachhinein bereue ich keinen einzigen Tag, den ich dort verbringen durfte. Ich musste wieder lernen mich zu spüren. Gefühle, Gedanken und Situationen auszuhalten ohne mich dabei mit Essen zu bestrafen oder mich zu quälen. In dem ich bis zur Schmerzgrenze große Mengen verschlang und oftmals nicht wusste, ob ich so einen Fressanfall überlebe, denn der Diabetes und die Essstörung sind alles andere als miteinander harmonisierende Krankheiten.

Einer von beiden wird gewinnen, das waren abends meine Gedanken vor jedem Schlafengehen. Wache ich wieder auf? Durch die extremen Zuckerschwankungen hätte ich jederzeit auch ins Koma rutschen können, den Rest könnt ihr euch denken.

Mein Ziel für die Zukunft?! Ich möchte in „Frieden“ mit der Essstörung, dem Diabetes und auch dem Lip-/Lymphödem leben können und ich möchte anderen Frauen an meinem Weg dorthin teilhaben lassen. Weitere Infos findet ihr auch auf meiner Website.

Zum Thema "Das Lipödem und die Essstörung Bing Eating" findet Ihr auf mindbodylife ebenfalls einen ausführlichen Podcast mit Tina und Natalie. Viel Spaß beim Reinhören!

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7 Kommentare
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Saskia

Hi Tina,

Danke für deine Geschichte. Ich habe noch eine Grundsatzfrage zu Binge-Eating: was bedeutet eigentlich so eine Fressattacke? Gibt es da eine bestimmte typische Dauer oder typische Mengen/Anzahl Kalorien?

Meine Tochter isst normalerweise viel Gemüse oder auch einen Dipp mit Paprika zwischendurch, aber wenn wir nicht zu Hause sind, dann wird auch mal das 1/3-1/2 Nutellaglas leergegessen oder ein Stück Torte. Ich finde das eigentlich noch alles im Rahmen eines typischen Teenie-Verhaltens (auf die Figur achten, aber etwas naschen wenn die Eltern nicht da sind), aber sie scheint das ziemlich extrem zu finden. Sie isst auch teilweise heimlich, aber keine Unmengen und teilweise einfach Tomaten etc aus dem Kühlschrank in der Garage. Sie nimmt nie einen Yoghurt, oder mit uns zB eine Scheibe Honigkuchen. Es könnte aber sein, dass sie, wenn wir nicht da sind, 3-4 Scheiben Honigkuchen isst.

am 27.12.2018 | 18:00
Tina Schwarz

Hallo liebe Saskia, es tut mir unendlich leid, dass ich jetzt erst antworte, ich hatte total übersehen, dass hier auch Kommentare geschrieben werden können...
Bitte beobachte das Verhalten deiner Tochter weiterhin, ich kann dir nicht sagen, ob das bereits Richtung Essstörung geht. Für meinen Teil kann ich nur sagen, als ich noch Zuhause gewohnt habe, habe ich fast ausschließlich heimlich gegessen und im Beisein meiner Familie immer vorgegaukelt, dass ich schon was gegessen habe... Ich aß oftmals nur eine Kleinigkeit, wenn wir zusammen am Tisch saßen und danach fraß ich alles in mich hinein, sobald niemand mehr da war. Am Anfang war es nicht viel, dann wurde es immer mehr. So eine große Fressattacke kann locker mal um die 20.000-40.000 Kalorien haben. Das hört sich unglaublich an aber JA, das ist möglich. Leider :-( Ich wünsch Dir und Deiner Tochter alles Gute und gerne darfst du mich kontaktieren, wenn ich dir helfen kann... tina@r4ys.de

Ganz viele Grüße

am 19.05.2019 | 12:04
Saskia

Hi Tina,

Danke für deine Geschichte. Ich habe noch eine Grundsatzfrage zu Binge-Eating: was bedeutet eigentlich so eine Fressattacke? Gibt es da eine bestimmte typische Dauer oder typische Mengen/Anzahl Kalorien?

Meine Tochter isst normalerweise viel Gemüse oder auch einen Dipp mit Paprika zwischendurch, aber wenn wir nicht zu Hause sind, dann wird auch mal das 1/3-1/2 Nutellaglas leergegessen oder ein Stück Torte. Ich finde das eigentlich noch alles im Rahmen eines typischen Teenie-Verhaltens (auf die Figur achten, aber etwas naschen wenn die Eltern nicht da sind), aber sie scheint das ziemlich extrem zu finden. Sie isst auch teilweise heimlich, aber keine Unmengen und teilweise einfach Tomaten etc aus dem Kühlschrank in der Garage. Sie nimmt nie einen Yoghurt, oder mit uns zB eine Scheibe Honigkuchen. Es könnte aber sein, dass sie, wenn wir nicht da sind, 3-4 Scheiben Honigkuchen isst.

am 27.12.2018 | 17:59
Marilena/noitabavaria

Liebe Tina,

Danke du so offen über deine körperlichen und seelischen Beschwerden schreibst. Du kannst so stolz auf dich sein ! Es ist so heilsam Hilfe anzunehmen und für sich zu sorgen !

Alles Gute für dich!
Liebe Grüsse,

Marilena

am 20.07.2018 | 09:12
Tina Schwarz

Hallo liebe Marilena, hab Dank für deine Antwort... ich konnte das zu Beginn gar nicht als Stärke sehen, fühlte mich schwach und verloren aber es ist gut, wenn man einsieht, wenn man Hilfe braucht und diese auch annimmt!

Danke dir und dir auch alles Gute!

am 19.05.2019 | 12:06
Annette

Liebe Tina,
ich danke dir für deinen offenen und mutigen Beitrag! Ich selber habe auch Typ I Diabetes, Lipödem usw. Zusätzlich bin ich mein Leben lang auf Cortison angewiesen. Ich brauche glaube ich nicht erklären wie sich das alles miteinander verträgt. Aber genau wie du kämpfe ich mich immer wieder aus den Tiefs heraus und bin stolz darauf!
Also lass uns weiter machen und niemals aufgeben!

am 20.07.2018 | 08:45
Tina Schwarz

Genau!!! Richtig! Niemals aufgeben! Schön, dass du geschrieben hast, ich denke oft, dass ich die einzige bin mit Diabetes noch zusätzlich...
Danke dir und alles Gute!

am 19.05.2019 | 12:07

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