Britta
18.Februar 2021 | Mein Lipödem

Manuelle Lymphdrainage (Teil 2) - Therapeutenwechsel und Therapieunterbrechung

Liebe Leserin, lieber Leser,

in meinem letzten Artikel habe ich Euch von meinem Einstieg in die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) und im Speziellen von der manuellen Lymphdrainage (MLD) berichtet. Nach zwei Jahren Behandlung in der gleichen Physiotherapiepraxis bei einer Therapeutin, musste ich mir eine neue Praxis suchen. Meine Therapeutin hatte gekündigt und die Praxis wollte aus Kostengründen keine Lymphdrainage mehr anbieten.

Eine neue Therapeutin

Ich hatte Glück und fand eine Physiotherapiepraxis bei mir zuhause um die Ecke, in der ich Termine vereinbaren konnte. Frisch operiert, mit Hämatomen an den Armen und geschwollenen Armen und Beinen, kam ich dann nach der Liposuktion meiner Arme zu meiner neuen Lymphtherapeutin. Sie war das Gegenteil meiner vorherigen Therapeutin. Im Alter meiner Mutter, viele Jahre Berufserfahrung und mit dem Ansatz, dass das leichte Streichen über die Haut sinnlos sei. Bei ihr sollte ich nicht nur Arme und Beine entkleiden, sondern alles ausziehen. „Wie soll die Lymphe denn bitte fließen, wenn du einen BH trägst?“, sagte sie immer. Sie fasste kräftiger zu, was vor allem an meinen Armen zu der Zeit wehtat. Ich musste sie öfter bitten die Intensität der Behandlung zu reduzieren. Dennoch hat sie es jedes Mal geschafft, dass ich spürte wie das Lymphsystem anfing zu arbeiten. Glücklich war ich mit der Behandlung nicht. Ich fühlte mich nicht wohl, aber ich hatte erstmal keine Wahl. Einen neuen Therapeuten würde ich so schnell nicht finden. Außerdem wollte ich uns Zeit geben, um uns aneinander zu gewöhnen. Ein Stück weit gelang mir das auch. 15 Monate lang hat sie mich behandelt und wir hatten einen Modus gefunden, der für uns beide passte. Dennoch habe ich meine Behandlungen von zweimal wöchentlich auf einmal in der Woche reduziert, als die erste größere Heilungsphase nach der Liposuktion überstanden war.

Ein halbes Jahr ohne MLD

An einem Montagmorgen klingelte mein Telefon. Die Physiotherapiepraxis rief an. Mein erster Gedanken war, dass mein MLD-Termin für den folgenden Tag abgesagt wird. Vielleicht ist meine Therapeutin erkrankt, dachte ich. Ich nahm das Gespräch an und am anderen Ende hörte ich jemanden tief Atem holen und schluchzen. Irgendwas war passiert, das wusste ich sofort. Die Assistentin aus der Praxis meldete sich. Sie weinte und sagte mir, dass meine Therapeutin am Wochenende verstorben sei. Mehr wüssten sie noch nicht und würden sich bei mir melden. Mir schossen die Tränen in die Augen. Eine Kollegin kam und nahm mich besorgt in den Arm. Bis zur Beisetzung vergingen einige Wochen. Solange konnte und wollte ich nicht nach einer neuen Therapeutin suchen. Die Praxis rief mich wie versprochen an. Sie hatten eine Stellenanzeige aufgegeben. Dann zog es sich hin. Es gab Bewerber, die nicht passten. Bewerber, die nicht dort arbeiten wollten. Es gab bürokratische Hürden, die eine Einstellung nach hinten verschoben und Krankheitsfälle, wegen derer die Behandlungen nicht starten konnte. Am Ende dauerte es mehr als sechs Monate von der letzten MLD bei meiner verstorbenen Therapeutin bis zur ersten Behandlung bei der neuen Therapeutin.

Suche nach einer neuen Therapeutin - die Zweite

Zwischenzeitlich habe ich versucht, eine andere Physiotherapiepraxis zu finden, die mich als Lip-Lymphödem-Patientin zur manuellen Lymphdrainage aufnimmt. Ohne Erfolg. Ich habe am Telefon unschöne Gespräche geführt, mich gefühlt wie ein Bittsteller. Es ist nicht einfach einen Lymphtherapeuten zu finden. Auch deshalb müssen wir weiter für eine bedarfsgerechte Behandlung kämpfen und für eine angemessene Bezahlung der Lymphdrainage durch die gesetzlichen Krankenkassen.
Die Idee als Übergangslösung einen Lymphautomaten zu nutzen, habe ich mit meiner Ärztin besprochen. Leider konnte ich sie davon nicht überzeugen.

Gleiche Praxis, neue Therapeutin

Als es dann endlich wieder losging mit den MLD-Terminen, fühlte ich mich fast wie vor meiner allerersten Lymphdrainage. Wieder stellte ich mir viele Fragen - typisch für mich. Wie mag die Therapeutin wohl sein? Wie viel muss ich erklären zu meinem Krankheitsbild und den Liposuktionen? Wie viel soll ich für die Behandlung ausziehen? Ich wollte ja nun nicht komplett entkleidet auf der Liege liegen und die Therapeutin erschrickt bei meinem Anblick. Ob sie die Arme automatisch mit behandelt? Ob sie „anlympht“? Muss ich wieder lachen, wenn sie auf meinen Bauch fasst? Behandelt sie in Rückenlage oder auch in Bauchlage?
Ich habe sie dann einfach gefragt, wie viel ich ausziehen soll und ob sie meine Arme mit behandelt oder ob ich ihr sagen kann, wenn ich das für notwendig halte. Ebenso habe ich sie vorgewarnt, dass ich am Bauch sehr kitzelig bin und sie sich bitte nicht wundern soll, wenn ich bei der Behandlung am Bauch nicht entspannt bin. Die erste Lymphdrainage nach halbjähriger Zwangspause hatte eine beeindruckende Wirkung. Ich habe, bis ich abends schlafen gegangen bin, gemerkt wie leicht meine Beine sind und wie sie angenehm kribbeln.

Suche nach einer neuen Therapeutin - die Dritte

Nach vier Wochen hatte die Therapeutin in der Praxis innerhalb ihrer Probezeit gekündigt. Sie wollte sich nun doch schneller selbstständig machen als eigentlich geplant. So stand ich wieder ohne festen Therapeuten und regelmäßige Termine da.

Die Praxis hat Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um alle Patienten bei anderen Therapeuten der Praxis unterzubringen. Nach dieser zweiten MLD-Auszeit von gut vier Wochen konnte meine Behandlung bei einem erfahrenen Therapeuten fortgesetzt werden. Wir mögen die gleiche Musik und hatten dadurch sofort ein Gesprächsthema. Er ist ein großartiger Therapeut und behandelt nicht nach einem festen Schema. Ich denke, dass er durch seine Erfahrung einen sehr guten Blick bzw. ein sehr gutes Gespür dafür hat, welche Bereiche und welche Intensität der MLD in diesem Moment angebracht sind.

Einige Monate später, erhöhte eine Physiotherapeutin der Praxis ihre Stundenzahl und konnte mich als Lip-Lymphödem-Patientin dauerhaft übernehmen. Seither habe ich wieder regelmäßige Termine. Immer am gleichen Wochentag und immer zur gleichen Uhrzeit. Wir verstehen uns gut und ich fühle mich bei ihr wohl und gut aufgehoben. Man merkt, dass sie Spaß an der Arbeit hat und sie führt, meinem Empfinden nach, die manuelle Lymphdrainage professionell und gewissenhaft durch.

Ist es bei Euch schwierig Lymphtherapeuten zu finden? Hat Euch auch schon mal eine Praxis „rausgeschmissen“? Berichtet gerne von Euren Erfahrungen! Ich bin sehr gespannt auf Euer Feedback.

Alles Liebe
Britta

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6 Kommentare
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Sabine

Ich habe Mitte April neu Lymphdrainage verschrieben bekommen. Weil ich Anfang März eine Thrombose mit Lungenembolie gehabt habe, bin ich die Suche nach einem Therapeuten erst mal locker angegangen. Man soll ja 6 Wochen warten.
Dann habe ich Anfang Mai richtig los gelegt mit der Suche. Ich habe bestimmt mindestens 20 Praxen angerufen. Keine Chance. Ich bekam nur: "Wir sind voll" und "Wir nehmen keine Patienten mehr an" zu hören. In zweien waren sie bereit mich auf eine Warteliste zu setzen.
Durch eine Freundin, die sich mit reingehängt hat, und die irgendwie mehr Glück hatte als ich, habe ich jetzt nächsten Montag meinen ersten Lymphdrainage-Termin.

am 11.05.2021 | 13:47
Britta

Hallo Sabine.
Dann teilst du meine Erfahrungen ja auch. Ich freue mich für dich, dass du am Ende doch einen Therapeuten zur Lymphdrainge gefunden hast. Gefällt es dir dort? Bist du mit der Behandlung zufrieden bisher?
LG Britta

am 02.07.2021 | 14:31
Rose

Hallo Britta.
Ich hab eine Praxis in der Nähe. Aber vor 2 Jahre sind die beiden Therapeutinnen die gleiche Zeit in Urlaub gefahren. Ich musste mir nen andere Praxis suchen. Seit dieser Zeit hab ich ein tolles Team sie könnten meine Kinder sein. Wir verstehen uns toll. Jede Woche 2mal Lymphdrainage an Arme und Beine.

am 21.02.2021 | 10:28
Britta

Hallo Rose,
vielen Dank für deinen Kommentar! Wie schön, dass du eine so tolle Praxis gefunden hast. Da tut die MLD nochmal mehr gut.
Alles Liebe! Britta

am 03.03.2021 | 09:58
Lea

So Probleme wie du hatte ich in 2 Jahren noch nicht. Ich habe 3 mal pro Woche a 60 Minuten MLD.

am 20.02.2021 | 08:06
Britta

Hallo Lea,
Danke für deinen Kommentar! Das ist doch super, dass du 3x die Woche zur MLD gehen kannst.
Alles Liebe für dich! Britta

am 03.03.2021 | 09:59

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