Marlene
06.März 2021 | Allgemein

Lipödem und die Psyche Teil 1: Das Mindset

Hallo zusammen,

die meisten von uns stehen mit der Lipödem-Diagnose vor zwei seelischen Herausforderungen: Wir müssen lernen die Krankheit zu akzeptieren und mit ihr im Alltag zu leben. Schließlich wünschen wir uns alle trotz Erkrankung ein glückliches Leben. In diesem Blog-Beitrag möchte ich Dir meine persönlichen Tipps verraten, wie eine positive Grundeinstellung Dein Wohlbefinden verbessern kann.

Meine persönlichen Erfahrungen

Die Diagnose Lipödem ist für viele Frauen Fluch und Segen zugleich. Einerseits müssen wir die Diagnose erstmal akzeptieren, aber andererseits haben wir endlich Gewissheit. Der Weg zur Diagnose ist häufig lang, deshalb kämpfen viele von uns für mehr Aufklärung. Zum „Glück“ erhalten immer mehr Frauen, wie ich, mittlerweile ihre Diagnose schon in frühen Jahren. Dennoch ist das Lipödem immer noch viel zu unbekannt und daher häufig unbehandelt.

Nach der Diagnose muss das Leben meist neu sortiert werden. Es kommen Arzt-, Sanitätshaus- und vielleicht auch Lymphdrainagen-Besuche dazu. Die eigenen körperlichen Grenzen müssen erstmal hingenommen werden. Das ist sicherlich auch eine Belastung für die Psyche, mit der wir lernen müssen zu leben. Gleichzeitig möchten wir trotzdem ein schönes Leben führen. Auch wenn wir zum Teil keinen Einfluss auf unsere Situation haben, macht es trotzdem einen großen Unterschied in unserem Wohlbefinden, ob wir das Glas halb voll oder halb leer sehen.

Ich bin von Natur aus ein positiver Mensch. Das kommt mir meist zugute. Gleichzeitig zerdenke ich aber auch gerne alles und nehme mir vieles zu Herzen. Das hat zur Folge, dass ich mich gerne übernehme, selten nein sage und mich überfordere. Sprich, ich hatte lange Schwierigkeiten meine persönlichen Grenzen zu akzeptieren. Besonders, was das Lipödem angeht, musste ich mir eingestehen, dass ich nicht zu 100% so leben kann, wie ein komplett gesunder Mensch. ABER, das bedeutet nicht, dass ich mein Leben nicht trotzdem in vollen Zügen genießen möchte. Das Lipödem ist vielleicht ein Teil von mir, aber es macht mich nicht als Menschen aus. Siehst Du das genauso? Ziel ist es doch, die Lebensqualität so gut es geht zu verbessern und dabei kann eine positive Lebenseinstellung helfen. Stress führt bei mir zu stärkeren Schmerzen. Bin ich ausgeglichen und in Bezug auf mein Selbstmanagement motiviert, fühle ich mich besser und habe weniger Schmerzen. Vielleicht hast Du in Deinem Leben die gleichen Erfahrungen gemacht oder stehst noch ganz am Anfang. Dann kann dich ein positives Mindset auf Deinem neuen Lebensweg unterstützen.

Meine Tipps für ein positives Mindset

  1. Ignoriere das Lipödem nicht, schenke ihm aber auch nicht Deine volle Aufmerksamkeit. Die Hauptrolle spielst immer noch Du in Deinem Leben! Hier ist die goldene Mitte ein guter Weg. Die Behandlung ist sehr wichtig, aber Dein Leben sollte nicht nur daraus bestehen. Vielleicht hast Du ein Hobby oder eine Leidenschaft, die Dich erfüllt.
  2. Bei chronischen Erkrankungen fühlen sich die Betroffenen häufig machtlos. Versuche also, Dich aus der Passivität in die Aktivität zu kämpfen. Gibt es eine Ernährungsform oder Sportart, die Du vielleicht ausprobieren möchtest? Dann go for it! und nimm‘ Dein Glück im Rahmen des Möglichen und mit Rücksprache mit Deinem Arzt selbst in die Hand.
  3. Erarbeite Dir Dein eigenes Selbstmanagement mit einem Netzwerk. Das ist leichter gesagt, als getan. Aber es lohnt sich! Hilfsmittel, Lymphdrainage, Sport, Ernährung und vor allem der Austausch mit anderen (Online, Selbsthilfegruppen usw.) kann Dich motivieren und Dir neue Anregungen geben. Mir hilft mein persönliches Selbstmanagement enorm.
  4. Vergleiche Dich nicht mit anderen! Jede von uns geht ihren ganz eigenen Weg. Was bei anderen nicht funktioniert, kann Dir helfen und umgekehrt. Eine Frau mit Lipödem Stadium I ohne Adipositas hat sicherlich eine andere Ausgangslage, als eine Frau mit Lipödem Stadium III mit Adipositas. Das Stadium sagt dabei aber nichts über die Stärke der Schmerzen aus. Urteile daher bitte nicht über andere Lipödemkämpferinnen. Das kostet nur unnötig Kraft, die Du für Dein eigenes Wohlbefinden brauchst. Lass Dich von anderen Lipödemkämpferinnen inspirieren und motivieren und nicht einschüchtern oder kritisieren.
  5. Niederlagen kommen vor. Das gehört leider zum Leben dazu. Das Lipödem ist nun mal eine chronische Erkrankung, die uns schlechte Tage beschert. Es ist nicht leicht, immer wieder neu motiviert zu starten. Je besser Dein Selbstmanagement jedoch aufgestellt ist, umso leichter ist es, diese Tage zu akzeptieren und den nächsten Tag neu zu beginnen. Denn Du hast das Wissen, dass die besseren Tage wiederkommen werden. Hast Du schon mal etwas von Resilienz gehört? Dabei geht es um die mentale Widerstandskraft, die Dir hilft mit Rückschlägen umgehen zu können. Ich berichte Dir mehr dazu in meinem zweiten Blog-Beitrag.

Es ist in Ordnung, wenn nichts in Ordnung ist

Wenn Du merkst, dass Du ohne Hilfe nicht mehr weiterkommst, könnte Dir vielleicht eine Therapie weiterhelfen. Es zeigt Stärke sich einzugestehen, dass Du Hilfe brauchst. Verurteile Dich dafür nicht, sondern fühle Dich gestärkt auf Deinem neuen Weg zu einem besseren Leben. Psychologen und Psychotherapeuten bieten verschiedene Therapieformen an. Es ist also wichtig, zu wissen, was Dir helfen kann. Ich habe vor einigen Jahren mit meinem Hausarzt darüber gesprochen. Auf seine Empfehlungen hin, habe ich eine Verhaltenstherapie gemacht, die mir sehr geholfen hat. Und das meine ich nicht nur in Bezug auf das Lipödem, sondern auf mein ganzes Leben. Mein Tipp: Stehe für Dich selbst ein! Denke immer daran: Du bist so viel mehr als das Lipödem!

Deine Marlene

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2 Kommentare
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Kathi

Du hast wieder einmal recht, liebe Marlene!
Grundsätzlich habe ich einen sehr guten Weg für mich gefunden, mit meinem Lipödem durchs Leben zu gehen. Doch hin wieder bringen meine körperlichen Grenzen mich auch an meine Psychischen. Daher ist es absolut richtig und wichtig sich dies nicht nur einzugestehen, sondern auch zuzugestehen!
Wir müssen uns selbst und anderen nichts beweisen. Seit ich das für mich akzeptiert habe geht es mir auch körperlich wieder um einiges besser!
Danke für Deinen Beitrag :-*

am 07.03.2021 | 21:52
Marlene

Vielen Dank, Kathi :-*

am 18.03.2021 | 09:23

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