Susi
11.Oktober 2018 | Mein Lipödem

Lipödem in den Armen: Und auf einmal waren sie da – die Fledermausarme!

Heute nun endlich mein erster Blogbeitrag für FRAUENSACHE. Schon als ich im letzten Jahr von der Initiative erfuhr, war ich Feuer und Flamme. Endlich ein konsolidierter Ort, wo sich „Alte Hasen“ als auch Neueinsteiger gleichermaßen informieren können und Hilfe bekommen.

Nun muss ich ehrlich gestehen, dass ich mich trotz meines Alters von 31 Jahren, zu den „Alten Hasen“ zähle. Meine Diagnose Lipödem erhielt ich bereits 2010 – genau vier Wochen vor meiner Hochzeit. Nicht, dass ein Arzt es bei mir erkannt hätte! Nein, eine Physiotherapeutin sprach mich darauf an und klärte mich auf, als ich wegen Knieproblem bei ihr war. Seit der Diagnose Lipödem hat sich in meinem Leben so einiges verändert. Leider gab es 2010 kaum Initiativen oder aber Aufklärung. Eigentlich gab es nur den „Lipödem Hilfe e.V.“ in den Anfängen und ein einziges Forum, in dem sich ausgetauscht wurde. Deswegen ist es mir jetzt so wichtig, dass nicht mehr alle Mädels durch diese „Tortur“ gehen müssen und schneller den Mut finden, sich mit der Krankheit „abzufinden“ und mit ihr zu Leben.

Doch nun erstmal noch etwas weiter zurück in der Geschichte, wie alles mit mir und meinem Lipödem anfing.

Die Verwandlung – vom zierlichen Würmchen zum dicken Marienkäfer mit Lipödem

Ich war als Kind recht zierlich und wurde sogar sehr gerne immer als Fotomodell oder für Modeschauen angefragt. Ich hatte schöne schlanke und durchaus nicht mal kurze Beine!

Im Alter von 6 Jahren änderte sich das aber auf einmal. Ich nahm, ohne eine Änderung in meinem Lebensalltag, von jetzt auf gleich enorm zu. Meine Beine verdickten sich zusehends und auch an den Armen nahm ich zu. Wieso? Weshalb? Keiner konnte meinen Eltern oder mir helfen. Man riet uns zu Trockenbrot und Buttermilch! Trotz regelmäßigen Sports und gesunder Ernährung war dem Ganzen aber leider nicht beizukommen. Heute, knappe 25 Jahre später wissen wir es.

So schleppten sich auch meine Teenagerjahre dahin, mit zahlreichen Diätversuchen, die mehr oder minder auf das Gleiche hinausliefen: NICHTS. Als ich im Alter von 15 Jahren dann die Antibabypille bekam, explodierte ich zusehends. Dann, als Schülerin in England, musste ich jeden Tag Hosenanzüge tragen. Kostüm? Oder gar Röcke? Nein, ganz sicher nicht mit DEN Beinen.

Leichter, jedoch breiter?

Dennoch stellte ich innerhalb einiger Monate, in denen ich es schaffte, doch knapp 10 kg abzunehmen, fest, dass ich in meine Blusen nicht mehr ´reinpasste. Alles spannte und zwickte – die Fledermausarme waren geboren! Ab hier trug ich nur noch Oberteile, in denen ich meine Arme „verstecken“ konnte. Ein ständiges Auf und Ab des Gewichts in den kommenden Jahren folgte, bis ich im Juni 2009 bei meinem höchsten „Kampfgewicht“ von knapp 130kg landete. Hier musste ich die Reißleine für mich ziehen. Zwar war ich schon immer sportlich aktiv und auch gut leistungsfähig gewesen, jedoch machten mir meine Knie (auch durch 2 Unfälle geschädigt) massive Probleme.

Monate intensiven Trainings folgten, in denen ich während meines Studiums teils 3 – 4 Mal wöchentlich 1h auf dem Crosstrainer verbrachte und danach noch hart an meiner Muskulatur arbeitete. Ergebnis: Die Taille wurde viel schlanker, meine Arme und Beine wuchsen weiter.

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Vorurteile: Machen Sie doch einfach mehr Beintraining!

Nach knapp 20 kg Gewichtsabnahme ging ich dann zu meinem Hausarzt: Er verordnete mir mehr Beintraining … und ich „solle doch einfach weniger essen“. Nachdem ich 2 Wochen eine reine Eiweiß-Shake Diät gemacht hatte, ohne jedwede Ergebnisse (!), bin ich bei diesem Arzt beinahe explodiert. Wie meistens wurde mir angelastet, ich würde einfach nicht genug für meinen Körper tun und solle mich disziplinieren. Klingt irgendwie zum Schießen komisch, wenn man bedenkt, was ich damals alles unternahm, nur um von meinem Gewicht herunter zu kommen.

Mein Trainer kam damals dann auf die Idee, ich solle doch mal „Running Tights“ zum Training tragen, da eventuell eine Durchblutungsstörung in meinen Beinen vorliegen könnte. Glaubt es oder nicht – ich tat es! Die Optik sei mal dahingestellt, aber es half ein wenig dabei. Die Tights wirkten wie eine leichte Kompression und zumindest das Gefühl in meinen Beinen wurde besser. Bis eben zu einem verhängnisvollen Abend im Februar 2010, in dem ich eine überfrorene Treppe hinabstürzte und mir das Kreuzband im rechten Knie zerriss. Jackpot! Und das Ganze auch noch 6 Monate vor meiner Hochzeit!

Morgen erzähle ich euch mehr zu meiner Hochzeit mit Lipödem in den Armen und Beinen.

Eure Susi

2 Kommentare
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Susi

Danke dir, liebe Britta. Was mir v.a. wichtig ist - anderen Mädels zu helfen und Mut zugeben, sich NICHT unterkriegen zu lassen. Sicherlich ist der Weg schwer, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren!

am 11.10.2018 | 10:14
Britta

Liebe Susi,
Danke für deinen berührenden Artikel! Was für eine Tortur hinter dir liegt! Auf die Fortsetzung deiner Geschichte bin ich schon sehr gespannt.
Ich habe dich als warmherzige, liebevolle und offene Kämpferin kennengelernt und bin sehr happy dich persönlich zu kennen. Bleib wie du bist!

am 11.10.2018 | 09:27

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