Zwischen Selbsthass, Essstörung und Ohnmacht – mein langer Weg zur Diagnose

Tanja

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Tanja Funk Selbsthass

Hallo zusammen,

ich freue mich total ein Teil von Frauensache zu sein und finde es so wichtig, noch mehr über diese Krankheit aufzuklären. Es gibt so viele tolle Frauen, die diese Krankheit haben und jahrelang an sich zweifeln ohne zu wissen was mit ihrem Körper los ist. Das hier ist meine Geschichte:

In der Essstörung gefangen

Seit der Pubertät habe ich den Blick in den Spiegel gehasst. Ich habe andere Mädchen um ihr Aussehen und vor allem ihre Beine beneidet. Immer wollte ich wie die anderen sein und habe mich gefragt, was mit mir nicht stimmt. Dieses Gefühl, fremd im eigenen Körper zu sein, sollte mich ab diesem Zeitpunkt noch viele Jahre begleiten.

Im Alter von 12 Jahren haben sich meine Beine plötzlich verändert und waren dicker als die der anderen. Zu dieser Zeit begannen dann auch meine ersten Diäten. Nachdem immer mehr Diätversuche scheiterten und die Beine dick blieben, bin ich über Phasen der Magersucht in die Bulimie gerutscht.

In den darauffolgenden insgesamt 18 Jahren der Bulimie war ich mehrfach am totalen Tiefpunkt angelangt. Körperliche und psychische Erschöpfung, Geldsorgen, familiäre Probleme, zerbrochene Freundschaften, abgebrochene Ausbildungen sowie 4 stationäre Therapien und unzählige Gesprächstherapien, um nur ein paar Eckpunkte zu nennen. Dennoch konnte ich mich viele Jahre nicht von der Essstörung lösen, da ich meiner Meinung nach nur durch sie mein Gewicht halten konnte. Immer wenn ich wieder normal gegessen habe, ging mein Gewicht hoch und mein Körper wurde wieder unförmig. Nach einem Fernsehbericht hatte ich schon viele Jahre vor der Diagnose den Übeltäter Lipödem im Verdacht, aber wurde damit von keinem Arzt ernst genommen.

Nach meiner Hochzeit habe ich es endlich aus eigener Kraft aus der Bulimie geschafft. Ein halbes Jahr zuvor habe ich außerdem die Pille abgesetzt, weil ich keine künstlichen Hormone mehr nehmen wollte. Diese Kombination aus verändertem Essverhalten und dem Absetzen der Pille hat einen Lipödemschub ausgelöst. Meine Arme und Beine waren ständig schwer wie Blei, meine Oberschenkel waren oft eiskalt und immer wieder hatte ich ein Stechen in Armen und Beinen. Zudem habe ich innerhalb von ein paar Monaten trotz ausgewogener Ernährung und Sport sehr viel zugenommen. Gleichzeitig sind meine Knie regelrecht unter Fettpolstern verschwunden und in den Kniekehlen haben sich richtige Taschen gebildet. Ich konnte täglich zusehen wie alles schlimmer wird. Spätestens jetzt war ich mir sicher, ein Lipödem zu haben. Ich war völlig verzweifelt und wusste, lange werde ich das nicht aushalten ohne wieder in die Bulimie zu rutschen. Deshalb kontaktierte ich einen ehemaligen Therapeuten und dieser bestätigte mir, dass diese Gewichtszunahme nicht normal ist.

Diagnose und Kampfansage

Endlich fühlte ich mich ernstgenommen und bestätigt. Dieser Kontakt war auch der Startschuss für die letzten Meter bis zur Diagnose. Wenig später habe ich einen Termin bei einem Spezialisten gemacht. Ich ahnte schon, was bei diesem Termin rauskommt und mir war klar wenn sich meine Vermutung bestätigt, werde ich mich operieren lassen.

Den Tag der Diagnose werde ich nie vergessen – ein heißer Sommertag im Juni 2020. Ich saß mit eiskalten Händen im Wartezimmer und hatte Angst vor dem, was kommt. Es kam wie vermutet. Lipödem Stadium 1 (an den Oberschenkeln schon Stadium 2) und Stufe 4 -also fast am ganzen Körper.

Als ich aus der Praxis gekommen bin, habe ich nur geweint. Es hat einige Tage gedauert, bis ich den ersten Schock verdaut habe und mich über die Diagnose „freuen“ konnte. Endlich eine Erklärung für so viele Beschwerden und vor allem die Bestätigung, nicht schuld zu sein. Jetzt war auch mein Kampfgeist geweckt und mir war klar, davon lass ich mich nicht unterkriegen.

Nachdem ich diverse Ärzte und Kliniken verglichen habe, habe ich den für mich passenden Arzt gefunden und einen Monat nach der Diagnose schon die drei OP-Termine fixiert. Tja Lipödem, da hast du dir die Falsche ausgesucht.

Mein Weg zu mir

Ich habe mich für den operativen Weg entschieden und seitdem hat sich mein Leben schon so sehr verbessert. Ich bin dankbar um jede positive Veränderung und beginne langsam wieder mich selbst zu lieben. Es liegt sicher noch ein langer und schwerer Weg vor mir aber viele große Schritte habe ich schon geschafft.

Eure Tanja

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