Darf nicht, gibt’s nicht – wie Lipödem mein Leben beeinflusst

Steffi

Steffi

Bloggerin

Darf nicht, gibt's nicht | FRAUENSACHE
Diagnose Lipödem – wie alles begann

„Sie haben Lipödem“. Als ich mit 16 Jahren die Diagnose bekam war ich zuerst geschockt. Damals waren ausschließlich meine Beine betroffen und das Lipödem befand sich erst in Stadium 1. Da sie noch nie super schlank waren und ich noch keine Schmerzen hatte, kam ich nicht auf die Idee, dass mit mir etwas nicht stimmen könnte. Zudem war die Krankheit noch nicht so bekannt wie heute und somit hatte ich noch nie davon gehört.

Also was tun? Zuerst ließ ich mir von einem zweiten Arzt die Diagnose bestätigen. Anschließend war ich wegen meiner ersten Kompressions-versorgung im Sanitätshaus. Vor 15 Jahren war die Auswahl noch nicht so groß wie heute und so musste ich mich mit Strümpfen zufriedengeben, die ich eher an meiner Oma gesehen hätte, als an mir.
Da ich noch sehr jung war und mit der Krankheit eh nicht viel anfangen konnte habe ich sie zunächst ignoriert. Erst Jahre später habe ich mich informiert, was die Diagnose überhaupt für mich bedeutet.

Gute Ratschläge - oder leben nach der Meinung anderer

Im Internet findet man viele Tipps und Ratschläge von Ärzten, als auch Betroffenen. Es wird darüber philosophiert und gestritten, was dem Körper mit Lipödem guttut und was ihm schadet. Ich hatte das Gefühl, dass plötzlich jeder wusste, wie man sich in dieser Situation verhalten sollte, außer mir selbst.

Da sich das Lipödem bei mir über die Jahre hinweg verschlimmerte versuchte ich nun das Beste aus allem zu machen. Jedes Mal wenn ich etwas Neues über meine Krankheit las, versuchte ich dies in mein Leben zu integrieren. So ging ich zum Beispiel nie mit in die Sauna, da es hieß, dass dies nur schaden würde. Ich las viel über Ernährung und auch dort gab es Ratschläge was für den Körper mit Lipödem am besten ist. Ich versuchte alles so gut es ging umzusetzen und so zu leben wie andere es für am besten hielten.

Kennt ihr das Gefühl im eigenen Leben zu eingeschränkt zu sein? Nach Jahren war mir das ehrlich gesagt zu blöd. Angefangen hatte alles, als ich mich dazu entschloss Sport zu machen. Ja, Bewegung ist gut und auch für Lipödembetroffene. Nur wenn man nach der Meinung anderer geht, muss man einiges beachten. Sportarten wie Walken, Schwimmen und Radfahren sind super. Sport wie Krafttraining und Joggen nicht. Da gab es nur ein Problem. Genau die Sportarten die ich testen wollte, sollten laut Berichten ganz und gar nicht gut sein.

Sind wir wirklich alle gleich?

Wir wissen wohl alle, dass das Leben mit Lipödem nicht immer einfach ist und ein Stück weit auch einschränkt. Dennoch wollte ich mir nicht mehr alles vorschreiben lassen, ohne selbst zu testen, ob das Gesagte auch auf mich zutrifft.

Diagnose Lipödem und wie es Einfluss auf das Leben nimmt

Ich ging ins Sportgeschäft, kaufte mir passende Laufschuhe und ein Buch für Laufanfänger und lief einfach los. Es gibt Tage an denen meine Beine schwer wie Blei sind und andere, an denen ich für meine Verhältnisse schnell unterwegs bin. Was das Wichtigste an allem ist: Es macht Spaß und ich habe nicht das Gefühl, dass es meinem Lipödem schadet.
So wurde ich mutig und testete noch mehr aus. Mittlerweile gehe ich ins Fitnessstudio und mache dort Krafttrainig. Für mich habe ich festgestellt: Es tut mir gut und lindert sogar meine Schmerzen.

Was ich in all der Zeit gelernt habe? Ich informiere mich immer noch, aber teste eben auch selbst und mache meine eigenen Erfahrungen.
Das Lipödem ist eine Krankheit und keine Fessel am Bein. Ich lasse mich nicht mehr daran hindern im Leben weiter zu kommen und Dinge zu tun die mir Spaß machen. Jeder sollte zuerst nach sich schauen und darauf, was einem guttut und was nicht. Denn nur, weil wir Lipödem haben, sind wir nicht alle gleich und nur, weil wir manche Sachen vielleicht vermeiden sollten heißt es nicht, dass wir sie gänzlich aus dem Leben streichen sollten. Denn: Wir haben nur ein Leben und sollten versuchen das Beste daraus zu machen.

Eure Steffi

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Kommentare

3 Antworten

  1. Ich kann dir nur beipflichten. Auch ich habe vieles ausprobieren müssen, bis ich das Beste für mich gefunden habe, incl. Fitnessstudio Behalte deine positive Einstellung und fühl dich umarmt.

  2. Danke! Das sehe ich auch so. Man lässt sich manchmal viel zu sehr von der Meinung anderer beeinflussen, anstatt auf sich selbst zu hören. Ich habe z.B. jahrelang Taekwondo betrieben und hatte keine Probleme mit meinen Beinen – im Gegenteil, mir kam es sogar besser vor. Nun möchte ich wieder einen Kampfsport beginnen, denn walken/schwimmen haut mich einfach nicht aus den Socken und ich müsste mich zu diesen Sportarten nur quälen. Toller Artikel 🙂

  3. Liebe Steffi, danke für diesen Beitrag, für deine Offenheit und Ehrlichkeit und für deinen Mut, dein eigenes Ding zu machen. Ich bin erst seit zwei Jahren diagnostiziert, konnte mich aber nie mit dem Status Quo von "Schwimmen, Radfahren, mindestens so und so oft Lymphdrainage" etc anfreunden. Oft hab ich mich wie eine schlechte weil renitente Lipödem-Patientin gefühlt und habe mir Vorwürfe gemacht, wenn es mir schlecht ging, weil ich mich ja offensichtlich nicht an die Therapiempfehlungen gehalten habe. Dein Beitrag gibt mir Mut, dass ich vielleicht trotz alldem auf dem richtigen Weg bin. Danke <3

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