Mein Leben vor der Diagnose – Teil 1

Kathrin

Kathrin

Bloggerin

Mein Leben vor der Diagnose Kathrin | FRAUENSACHE
Ich war schon als Kind dick

Mein Name ist Kathrin, ich bin 54 Jahre jung, und das ist meine Geschichte.

Schon als Kind war ich immer „die Dicke“, und mit 9 oder 10 Jahren wurde ich zum ersten Mal auf eine ärztlich verordnete Diät gesetzt. Wenn ich mir allerdings heute die Bilder von damals anschaue, verstehe ich nicht mehr warum. Mag sein, dass ich schwerer war als andere Kinder. Aber vom Anblick „fastfoodgeschädigter“ Kids von heute war ich meilenweit entfernt. Meine dicken Beine, dachte ich, kommen vom Sport und sind einfach nur stabiler und muskulöser als die anderer Mädchen. Schließlich ging ich ja schon mit 6 Jahren vier- bis fünfmal die Woche zum Training. Zuerst war es der Rennschlittensport, dann Handball und Badminton und dann noch das Rhönradfahren. Ich hatte einfach Spaß am Sport, war aber trotzdem immer dicker als andere in meinem Alter.

Mein Besuch beim Hautarzt

Leider gehöre ich aber auch zu den Menschen, die sich irgendwann einen Schutzpanzer anfressen, um sich vor der Welt zu verkriechen. Denn je älter ich wurde, um so mehr litt ich dann auch unter den Sticheleien und kleinen Boshaftigkeiten meiner lieben Mitmenschen. Dieser Frust gipfelte schlussendlich im Besuch einer Hautärztin. Eigentlich hatte ich sie aufgesucht, um mir Rat und Hilfe wegen ein paar Hauptproblemen zu holen, was ja bei einem Hautarzt durchaus Sinn macht. Was ich mir dann allerdings an Belehrungen und „Ernährungstipps“ bei geöffneter Praxistür anhören musste, schlug wirklich dem Fass den Boden aus … Nicht nur, dass das ganze Wartezimmer etwas davon hatte ‒ diese Frau ließ mich nicht ein einziges Mal zu Wort kommen, geschweige denn, dass sie sich auch nur eine Minute das angeschaut hätte, weswegen ich sie eigentlich aufgesucht hatte. Heute weiß ich, dass sie als eine Dermatologin durchaus in der Lage hätte sein müssen, ein Lipödem zu erkennen.

Nachdem ich diese Praxis heulend verlassen hatte, war das für sehr lange Zeit der letzte Arzt, den ich aufsuchte.

Kathrin's Leben vor der Diagnose Lipödem mit Vorher-Nachher Bildern

Kathrin berichtet vom Leben vor der Diagnose Lipödem

Ein Diät jagt die nächste

Ich bin mir also durchaus bewusst, dass nicht nur das Lipödem, von dem ich viele Jahre nichts wusste, schuld ist, sondern auch ich höchstpersönlich dafür verantwortlich bin, dass die Pfunde wuchern konnten. Eine Diät jagte mehr oder weniger erfolgreich die nächste, und manchmal gelang es mir tatsächlich auch über ein paar Jahre, nicht wieder zuzunehmen.

Irgendwann zeigte die Waage 120 kg an, und die nächste Diät folgte. Der fielen 17 kg zum Opfer, und ich war sooooooo furchtbar stolz, weil ich es auch über die Weihnachtsfeiertage geschafft hatte, nicht zuzunehmen. Ich war fest entschlossen, nicht aufzugeben und dranzubleiben.

25 kg in drei Monaten?

Aber was dann folgte, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können und schon gar nicht ausmalen wollen. Unmittelbar nach dem besagten Weihnachtsfest musste ich mich einer Unterleibsoperation unterziehen, bei der mir ein Eierstock und die Eileiter entfernt wurden und in deren Folge ich dann Hormone einnehmen musste. In den nächsten drei Monaten konnte man buchstäblich zuschauen, wie mein Körper quasi explodierte. Ich nahm in dieser Zeit 25 kg zu und als ich mich bei der ärztlichen Nachsorge traute, diesen Zustand anzusprechen, wurde ich dermaßen abgekanzelt, dass ich dem Arzt die Medikamente buchstäblich vor die Füße geworfen und die Praxis heulend verlassen habe. Natürlich war das nicht der erste Vorfall dieser Art, aber für mich der bis dahin schlimmste. Denn 25 kg in drei Monaten … So viel konnte selbst ich nicht in mich reinstopfen. Ob die Hormone damals einen Schub oder den Ausbruch des Lipödems verursacht haben, weiß ich nicht, denn die Diagnose erhielt ich erst sehr viel später ‒ genauer gesagt 5 Jahre später ‒ und das noch mehr oder weniger zufällig.

Aber das alles könnt Ihr im nächsten Teil meiner Geschichte nachlesen, wenn Ihr mögt.

Lasst Euch nicht unterkriegen und fühlt Euch umarmt.

Eure Kathrin

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on email

Netiquette

Diese Regeln solltest du als Bloggerin beachten!

Kommentare

14 Antworten

    1. Danke für dein Vertrauen und deine Geschichte. Es wird Zeit das wir ernst genommen werden. Auch wenn viele von uns im verlauf adipös werden, ist das Lipödem oder Lipolymphödem trotzdem ein Faktor was die Adipositas begünstigt.
      Dir weiterhin alles Gute

  1. Ich hab heute schon so viele positive Reaktionen bekommen, dass ich schon seit Stunden Pipi in den Augen habe. Hab lange überlegt, ob ich den Beitrag außerhalb der Lipödem Foren teilen soll und die Entscheidung, es zu tun fiel mir nicht leicht. Aber ich habe es nicht bereut. Soviel positives Feedback haut mich glattweg um

  2. Liebe Kathrin du bist nicht alleine mit diesem Problem . Auch ich bin betroffen. Ich wünsche dir einen guten Mediziner. Alles Liebe ❤ ich freue mich auf Teil 2

  3. Das ist auch meine Geschichte. Schade,das es so wenig Mediziner gibt, dich sich damit auskennen. Gut,das es solche Seiten gibt,damit man sieht,das man nicht alleine ist! Bin gespannt..

  4. Ja das kenne ich fast alles auch sehr gut adipositas ..adipositas …immer wieder selbst nach sehr starker bronchitis und daraufhin lungerőntgen gleich adipositas ohne zu fragen in den arztbrief geschrieben …und als "schwerbehinderung "hab ich lächerliche 20% erhalten ..trage kompressionsbody mit langen armen handschuhe und 2teilige beinversorgung….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Meine Schnappschüsse

Was suchst Du?