Manuelle Lymphdrainage (Teil 1) – Wie alles begann

Britta

Britta

Botschafterin

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

Manuelle Lymphdrainage (Teil 1) Britta R.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

neben dem täglichen Tragen der flachgestrickten Kompressionsversorgung, einer gesunden Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist die manuelle Lymphdrainage ein Kernelement der komplexen Physikalischen Entstauungstherapie. Damit erzähle ich Euch sicher nichts neues. Einige Lipödem-Patientinnen verzichten auf die MLD, da sie keinen (positiven) Effekt nach der Behandlung spüren. Andere Lipödem-Patientinnen bekommen keine Verordnungen von ihren behandelnden Ärzten. Da ich zusätzlich zum Lipödem ein Lymphödem entwickelt habe, verordnet meine Phlebologin mir manuelle Lymphdrainage. Auch wenn die Termine zur manuellen Lymphdrainage organisatorisch oft eine Herausforderung sind, nehme ich mir die Zeit für die Behandlung, denn sie tut mir gut. Das Gefühl der Leichtigkeit in den Beinen ist fast jeden organisatorischen Aufwand wert. Nach der Behandlung kann ich meine engste und neueste Kompressionsversorgung vergleichsweise einfach anziehen. In die nächsten Stunden denke ich nicht bei jedem Schritt an meine Waden.

Voll bepackt zur ersten Lymphdrainage

Kurz nach der Diagnose konnte ich in eine 2-wöchige ambulante Entstauungstherapie starten. Ich hatte Respekt vor der ersten Behandlung, denn ich wusste nicht was mich erwartet. Mitnehmen musste ich in die Praxis zwei Koffer mit Verbandsmaterial, eine sehr weite Hose, weite und bequeme Schuhe sowie eine Körperlotion und natürlich die Verordnung der Ärztin über die manuelle Lymphdrainage und das Wickeln der Beine.
Damals war es für mich noch eine Herausforderung meine Beine unbekleidet jemandem zu zeigen. Zumal die Therapeutin noch ziemlich jung war und, so dachte ich, bestimmt noch nicht so viele Menschen mit so hässlichen Beinen gesehen hat. Die Therapeutin war trotz ihres jungen Alters ein Profi. Sie hat mir immer das Gefühl gegeben, dass alles ganz normal ist und meine Beine nicht ekelig sind. Nicht mal nach meinen Liposuktionen, als die Beine in allen Farben leuchteten und ich die Beine so lange nicht rasieren durfte. Naja, vielleicht hätte die Therapeutin sonst auch einfach den falschen Beruf erlernt.

Die erste MLD

Die Therapeutin hat als allererstes meine Beine vermessen und die Angaben dokumentiert. Danach begann sie die Behandlung mit dem „Anlymphen“, also dem Öffnen der Lymphbahnen bzw. dem Anregen des Lymphflusses am Hals und im Nackenbereich. Als sie die Behandlung an den entsprechenden Lymphknoten im Bauchbereich fortsetzen wollte, bin ich vor Lachen fast von der Massageliege gehüpft. Denn ich bin genau an diesen Stellen extrem kitzelig. Das hat in den vielen Monaten, in denen sie mich behandelt hat, zu sehr vielen Lachern geführt.
Die Lymphdrainage an den Beinen war angenehm, auch wenn mein Körper bei einigen Handgriffen mit Gänsehaut reagierte und manche Stellen bei Berührung schmerzten. Die Therapeutin hat sehr darauf geachtet, an welchen Stellen meiner Beine ich berührungsempfindlich bin und die MLD entsprechend in der Intensität angepasst.
Nach der Lymphdrainage hat sie meine Beine mit der mitgebrachten Körperlotion eingecremt. Die Zehen wurden mit einer Mullbinde gewickelt und über beide Beine wurde ein Schlauchverband gezogen. Darüber kam eine Lage Polsterschaumstoff und schließlich wurden meine Füße und Beine mit Kurzzugbinden straff gewickelt. Wie ein Michelin-Männchen bin ich dann mit Bus und Bahn unter den irritierten Blicken vieler anderer Fahrgäste nach Hause gefahren.

komplexe physikalische Entstauungstherapie

Neue Routinen im Alltag

Nach 12 Behandlungen wurde die Entstauungstherapie abgeschlossen. Meine Beine wurden erneut vermessen, die Maße dokumentiert und ein Therapiebericht erstellt. Die Phlebologin verordnete mir im Anschluss 2x wöchentlich 60min manuelle Lymphdrainage. Inzwischen war auch meine erste flachgestrickte Kompressionsstrumpfhose angefertigt. Und so startete ich in eine umstrukturierte Woche. Ich, diejenige die ihren Job auch deshalb so liebt, weil er flexible Arbeitszeiten bietet, ging zweimal in der Woche zeitig aus dem Büro um pünktlich bei der Lymphdrainage zu sein. Zwei Jahre lief das so. Meine Therapeutin und ich waren gut aufeinander eingespielt. Irgendwann waren wir soweit, dass ich Urlaub nahm, wenn sie Urlaub hatte, damit nicht so viele Lücken in der Therapie entstanden.

Die Suche nach einer neuen Therapeutin

Ich fragte die Assistentin am Empfang der Physiotherapiepraxis, wie viele Behandlungen noch auf meinem Rezept ausstehen. Sie nannte mir eine Zahl und sagte darauf dann gleich, dass ich aber mit keiner neuen Verordnung kommen bräuchte, da meine Therapeutin gekündigt hätte und man würde mir hiermit den Behandlungsvertrag kündigen. Was für ein Schock, keine vier Wochen später stand die Liposuktion meiner Arme an und ich hatte keinen Lymphtherapeuten mehr. Meine Therapeutin war sehr traurig. Sie hätte mir so gerne selber gesagt, dass sie gekündigt hat. Sie wollte nach etwas mehr als zwei Jahren im ersten Job zurück in ihre Heimat nach Nordrhein-Westfalen. Zurück zu ihrer Familie und an ihre Masseur-Ausbildung die Physiotherapeuten-Ausbildung anschließen. Sie vermisste ihre Familie und ihre Freunde. Das war mir in den vielen gemeinsamen Stunden und Gesprächen natürlich auch nicht entgangen.
Noch auf dem Heimweg habe ich Physiotherapiepraxen in der Nähe meiner Arbeitsstelle, in meinem Wohnort und auf dem Weg von zuhause zum Büro gegoogelt und eine Liste erstellt, welche Praxen ich am nächsten Tag anrufen würde. Bei mir im Wohnort hatte ich Glück und konnte Termine direkt für die Zeit nach der Liposuktion vereinbaren.

Erzählt doch mal, wie Eure erste manuelle Lymphdrainage war! Geht Ihr regelmäßig oder nutzt Ihr einen Lymphautomaten? Oder beides? Schmerzen Eure Beine bei Berührungen während der MLD? Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen.

Alles Liebe,
Britta

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Kommentare

2 Antworten

  1. Liebe Britta,
    danke für deinen schönen Artikel.
    Das haben die sehr ordentlich gemacht mit dem Wickeln, das wurde bei mir noch nie gemacht.
    Ich gehe auch schon übr 2 Jahre einmal in der Woche für 60 Minuten zur Lymphdrainage und ich liebe es. Leider habe ich auch schon mitbekommen, dass die Praxen nicht heiß auf die Lymphdrainage Termine sind, für die 60 Minuten, können sie 3 andere Termine einbestellen und mehr verdienen. Meine Therapeutin kämpft auch dafür, dass das mit der Lymphdrainage in der Praxis weiterläuft. Sie ist da nur angestellt. Und sie ist die 3. Therapeutin in dieser Praxis die mich dort behandelt. Und auch bei den Therpeuten merkt man deutlich Unterschiede, ob sie ihr Handwerk drauf haben. Meine jetzige Therapeutin ist für mich bisher die Beste.
    Einen Lymphomat hab ich auch zuhause und den nutze ich sooft ich kann. Beides, Lymphdrainage und Lymphomat sind wirklich tolle Unterstützung für meien Arme und Beine. Kann gar nicht verstehen, wie man, wenn man die Möglichkeit hat, dies nicht nutzen will.
    Meine Beine sind nicht Berührungsempfindlich. Ich habe aber in den Füßen ständig Schmerzen, empfinde aber die Drainage als super und hab, wie du auch beschreibst danache eine tolle Leichtigkeit in den Beinen.
    Hätte ich den Lymphomat nicht von der Kasse bekommen, ich würde ihn mir kaufen, es ist einfach nur super. Ersetzt aber natürlich keinen Lymphtherapeuten.
    LG
    Silke

    1. Liebe Silke,

      vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrungen!

      Wir als Patientinnen müssen dran bleiben und für eine bedarfsgerechte Therapie kämpfen. Es gibt zum Glück schon einige Initiativen, die in diese Richtung gehen. Wir sind viele und zusammen haben wir eine laute Stimme! 🙂

      Ich wünsche dir alles Gute!
      Liebe Grüße.
      Britta

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