Laufen mit Lipödem

Anne

Anne

Bloggerin

Laufen im Wald | FRAUENSACHE

Egal, ob morgens vor der Arbeit, abends nach der Arbeit oder am Wochenende nach dem Aufstehen. Laufen ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Alltag, seit ich vor 7 Jahren damit angefangen habe.
Beim Laufen kann ich meine großen und kleinen Alltagssorgen zu Hause lassen und endlich mal für mich sein – die Seele baumeln lassen.
Doch ein treuer Begleiter ist auch beim Laufen stets an meiner Seite – mein Lipödem.

Den inneren Schweinehund besiegen

Schon vor dem Schritt vor die Tür sind meine Beine häufig schwer, und am liebsten würde ich mich einfach nur aufs Sofa legen – aber nein, dann wird heute eben in Kompressionsstrumpfhose gelaufen, keine Ausreden!
Kaum aus der Tür und losgelaufen, fühle ich mich schon besser. Es läuft sich noch ganz leicht, die ersten 20 Minuten fühle ich mich noch wie ein junges Reh.
Doch bald meldet sich die Außenseite meines rechten Oberschenkels: „Hallo, ich häng hier so rum. Guck mal, was passiert, wenn ich mich ganz doll anspanne …“
Aua! – Aber dank Kompressionshose alles noch im Rahmen, einfach weiterlaufen.
Kurze Zeit später fängt dann die linke Wadenaußenseite an: „Laufen find ich scheiße! Guck mal, was passiert, wenn ich keine Lust mehr habe …!“

Aua! – Meine Beine fühlen sich immer schwerer an, und am liebsten würde ich einfach anhalten und mich hinlegen.

Doch mein Wille ist stark – stärker als mein Lipödem.

Ich schaffe das

Nach 45 Minuten geben meine Beine den Protest auf und laufen einfach. So langsam fange ich an, den Lauf zu genießen – brave Beine.
Nach Abschluss meines Laufs bin ich jedes Mal stolz auf mich. Ich habe es aus der Tür geschafft, und meine Beine haben mich nicht komplett im Stich gelassen.
Trotz Lipödem tragen sie mich so viele Kilometer durch die Welt, mein Tempo ist alles andere als schnell, aber davon lasse ich mich nicht entmutigen.
Nach dem Lauf gibt es noch eine schöne Beinmassage mit der Faszienrolle. Das tut an den Beinen unglaublich weh, doch es macht das Gewebe nach dem Laufen schön weich, und die Beine fühlen sich danach wieder fast an wie neu.

Gerade wenn man vom Lipödem begleitet wird, ist es wichtig, eine Sportart zu finden, die einem wirklich Spaß macht, sodass man sich nicht dazu zwingen muss, sondern gerne in die Sportklamotten schlüpft – Bewegung ist so unglaublich wichtig für die Lipödembeine!
Viele Ärzte raten davon ab, mit Lipödembeinen zu laufen, vor allem lange Distanzen – jedoch denke ich, dass in Maßen auch das Laufen eine geeignete Sportart ist. Wichtig dabei – wie bei jedem anderen Sport auch: Hör auf Dich und akzeptiere Deine körperlichen Grenzen.

Das Tempo ist egal: Hauptsache laufen!

Mit den Jahren habe ich also akzeptiert, dass mein Tempo eher einer Schildkröte gleicht, die durch Erdnussbutter schwimmt, aber inzwischen ist mir das egal.
Ich liebe das Laufen und auch wenn ich in der doppelten Zeit nur halb so viele Fortschritte mache wie andere Läufer, lasse ich mich nicht entmutigen.
Ich hoffe, dass ich mit meinen Blogbeiträgen über das Laufen mit Lipödem auch andere Lipödemkämpferinnen ermutigen kann, ab und zu die Laufschuhe zu schnüren – und wenn es nur zu einem kleinen Spaziergang im Wald ist. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung!

Achtet auf Euren Körper und seid stolz darauf, was Ihr leistet!

Liebe Grüße
Anne

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Kommentare

7 Antworten

  1. Ich kann mich Deinem Eintrag nur anschließen! Auch mir hatte mal ein Arzt davon abgeraten und ich habe damals darauf gehört! Aus Angst! Das war mein größter Fehler!!! Man kann definitiv auch mit Lip laufen. Auch ohne Kompression ist es möglich. Da muss jeder für sich entscheiden. Ich hoffe und denke Du kannst hier einigen Mut machen.

    1. Danke vegan_free_spirit – mir wurde auch deutlich davon abgeraten. Ich bin aber auch vor der Diagnose viel gelaufen und ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ohne das Laufen dem Lipödem noch einen Gefallen getan hätte, da es sich sicher schneller und schlimmer ausgebreitet hätte.

  2. Laufen ist ein Lebenselixier. Und es hilft einem, trotz unserer Krankheit an sich selbst zu glauben. Solange ich laufen kann, laufe ich, egal in welchem Tempo. Liebe Anna es hat mich sehr gefreut Deinen Beitrag zu lesen.

    1. Du sagst es Schneewittchen!
      Und dieses an sich Glauben hilft einem nicht nur beim Kampf gegen das Lipödem!! Das Laufen hat insgesamt sehr positive Auswirkungen, die man auch in anderen Lebensbereichen nutzen kann!!
      Danke für deine Rückmeldung!

  3. … und wenn man bei einer Laufveranstaltung noch ins Ziel einläuft, einfach super Gefühl! Wie Du sagst, nicht das Tempo ist entscheidend, denn mit dem Lipödem werden wir sicherlich keine Sprinter. Es sollte sich keiner wegen seinem Lipödem vom Laufen abhalten lassen. Ob mit oder ohne Kompression, muss jeder für sich heraus finden. Toller Beitrag, Danke Anne!

  4. Liebe Anne… Vielen Dank für diese Inspiration! Ich laufe nun die Dritte Woche. Es ist noch ein harter und langer Weg für mich bis ich bei 45 oder gar mehr Minuten Laufen angekommen bin. Ich habe immer gedacht mit Lipödem sei es mir verwehrt zu laufen, aber ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich mir das einfach nicht mehr selbst einreden will. Ich möchte so gerne laufen. Der erste Lauf war grauenvoll! 2km in 22 min, immer wieder Gehpausen, Seitenstechen war mein ständiger Begleiter! Am Ende war mir Übel und meine Leiste schmerzte, aber ich habe weitergemacht und heute nach 2 Wochen klappt es schon etwas besser. Wie du es beschreibst mit der Schildkröte in Erdnussbutter, da musste ich schmunzeln – denn genau so fühle auch ich mich! Ich laufe wirklich unglaublich langsam aber das ist mir egal! Viel wichtiger ist es mir irgendwann mal durchlaufen zu können … 30 min, 60 min oder auch länger … das ist mein Ziel!

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