Kämpfen kann ich

Aylin

Aylin

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Kämpfen kann ich Aylin Mill

Gekämpft habe ich quasi schon immer. Genau genommen 18 Jahre meines Lebens. Zehn Jahre davon in der Deutschen Judo-Bundesliga. Seit drei Saisons parallel in der Schweizer Nationalliga A. Meine letzten Erfolge waren der dritte Platz bei der Deutschen Einzelmeisterschaft 2020 sowie der Titel der Deutschen Hochschulmeisterin.

First things first!

Hi. Ich bin Aylin – 26, Kommunikationsdesignerin und Kampfsportlerin. Ich könnte die beiden Komponenten jetzt in Beruf und Hobby einteilen, aber ich denke der Übergang beider ist fließend. Beide sind also sehr repräsentativ in meinem Leben. Einerseits die Design- und Filmbranche – vor über einem Jahr habe ich meinen Master of Arts in Kommunikationsdesign abgeschlossen, dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Andererseits ist es der Sport – und eben nicht irgendein Sport. Das, was ich wirklich liebe, ist der Kampfsport.

Mit acht Jahren kam ich zum Judo. Mit 13 Jahren war ich das erste Mal Süddeutsche Meisterin. Drei Jahre später Deutsche Vizemeisterin in der Jugend und folglich zwei Jahre Nationalkader-Athletin. Täglich drei Stunden Training, an den Wochenenden Trainingslager oder Wettkämpfe – auch im Ausland. Während meiner Pubertät habe ich dementsprechend sehr viel vernachlässigt – Schule, Familie, Freunde. Wenn aber eines nicht zu kurz kam, war es der Sport.

Dennoch hat sich da etwas in mein Leben eingeschlichen – langsam und mittlerweile qualvoll – dass ich so nicht geplant und visioniert hatte und wer mich kennt weiß, dass Organisation mein A und O ist und ein Kontrollverlust über meinen Lebensweg mich ganz schön auf die Probe stellt. Aber ihr wisst ja jetzt, kämpfen kann ich. Dementsprechend kann ich Euch und dir, liebes Lipödem, nach 18 Jahren Kampfsport-Erfahrung sagen, dass du diesen Kampf definitiv nicht gewinnen wirst.

Teufelskreis

So einfach, wie ich das oben darstelle, ist es natürlich nie gewesen. Erfolg fällt nicht vom Himmel und Schicksalsschläge treffen einen ohne Vorankündigung. Es war ein langer Weg mit Niederlagen und Rückschlägen, aus denen ich aber stärker hervorgehen konnte. Nur so kommen wir immer weiter auf unserem Weg. Wenn wir einen Stein weggeräumt haben, liegt der nächste schon hundert Meter weiter. Das Schlimmste, was wir tun können ist in Selbstmitleid zu verfallen, uns zu verkriechen oder zurückzuziehen. Damit machen wir vieles schlimmer, als es eigentlich ist. Nehmt lieber stattdessen Euer Leben selbst in die Hand, räumt die Steine aus dem Weg und los!

An der Stelle möchte ich Euch einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt geben, die nicht immer rosig ist, denn meine größte Leidenschaft bedeutet zugleich meinen größten Schmerz:
„Beim Kampfsport kann ich loslassen. Meine Sorgen. Meine Ängste. Der Kopf ist frei und ich gehe auf die Tatami. Von Kampf zu Kampf steigert sich mein Selbstbewusstsein, meine Leistung. Bis mich ein Fuß trifft und ich zu Boden gehe. Bis mich ein Knie am Boden quetscht und ich loslassen muss. Vor Schmerzen verliere ich meinen Kampf. Punkt ans Lipödem. Meine Ängste und Sorgen werden größer. Teufelskreis.“ (Instagram: gegenangriff.lipoedem)

Was ich damit sagen will: Es ist okay Ängste zu haben, sich zu sorgen – aber es sollte Euer Leben nicht definieren und leiten. Seid Euch Eurer Krankheit, Eurem Wohl- und Unwohlbefinden bewusst aber macht es nicht zu dem, was Euch ausmacht. Wenn ihr etwas wirklich wollt, schafft ihr das auch!

Macht, was Ihr liebt!

Ergänzend zum Judo habe ich vor zwei Jahren mit Kickboxen und Crossfit angefangen und seit einiger Zeit mache ich als Ausgleich Yoga. Ich nehme mich gerne neuen Herausforderungen an, die mich weiterbringen. Ich mache letztendlich das, was ich liebe – auch wenn es im kompletten Kontrast zu meiner Fettverteilungsstörung und den Schmerzen steht. Selbstverständlich merke ich, wie ich immer mehr ausgebremst werde. Von meinem eigenen Körper. Bewegungseinschränkungen, Druckschmerzen, gefolgt von schweren Beinen und blauen Flecken. Beim Regenerieren kreisen die Gedanken dann wieder. Es ist ein furchtbares Gefühl nicht so zu können, wie man möchte und die Schmerzen runterzuschlucken. Aber am Ende hat nicht mein Lipödem die Macht über meinen Körper und das letzte Wort, sondern ich: Weiter!

Ich habe für mich entschieden, dass Kampfsport einfach zuerst in meinem Leben war und mich mein Lipödem dabei niemals aufhalten wird. Kampfsport war mein Leben. Kampfsport ist mein Leben und Kampfsport wird mein Leben bleiben. Ich zwinge mein Lipödem also schon noch zur Aufgabe…

Cheers,
Aylin – Lipödem Stadium II im Übergang zu III (Arme und Beine)

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