Annette
26.Juli 2018 | Mein Lipödem

Hingefallen? Aufstehen, Krone richten und weitergehen!

Hallo zusammen,

erst einmal möchte ich mich vorstellen. Ich heiße Annette, bin 37 Jahre alt und wohne im wunderschönen Bayern. Die Diagnose Lip-Lymphödem Stadium II-III bekam ich Ende 2016, da ich auf eigenes Drängen hin einen Termin in einer Phlebologischen Klinik hatte. Beschwerden hatte ich bereits seit meiner Pubertät. Schlimmer wurde es dann in der Schwangerschaft. In den folgenden Jahren wurde der Leidensdruck so hoch, dass ich etwas unternehmen musste.

Seit der Diagnose und dem Erhalt meiner Kompressionsstrümpfe, trage ich meine Versorgung jeden Tag. Okay, es gibt ganz wenige Ausnahmen, die ich aber spätestens am Nachmittag arg bereue. Die Schmerzen werden meist unerträglich und die Wassereinlagerungen bringen mir am nächsten Morgen ein Plus von bis zu 2 kg.

``Verdammte Kompressionsstrümpfe``

Das sage ich manchmal. Ja es nervt sehr, sein morgendliches Ritual tapfer durchzustehen und früher aufzustehen, um sich in diese engen Dinger hinein zu zwängen. Vor allem ist es natürlich an heißen Tagen anstrengend. Abgesehen von den zusätzlichen Problemen: Die trockene Haut, die dadurch noch verstärkt wird und die Garderobe, die angepasst werden muss, weil ich zum Beispiel nie eine Hose über den Kompressionsstrümpfen trage. Ach ja, die Schuhe passen dann ja auch irgendwie nicht mehr.

Aber hey Mädels, das ist doch irgendwie auch toll, sich modisch mal umzuorientieren und die Garderobe neu zu gestalten. Raus aus der Komfortzone und einfach mal mutig sein. Mut zur Farbe, Mut zum Rock oder Kleid, denn das Leben ist bunt und die Seele kann ein paar extra Farben immer gut gebrauchen! Heute bin ich dankbar, diese tollen Hilfsmittel wie Kleidung nutzen zu können. Denn der positive Effekt überwiegt eindeutig über das Negative.

Warum immer eine Hose über die Kompression ziehen? Unauffällig kleiden heißt, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Wir alle kennen doch diese Blicke, die man auf sich zieht mit blickdichten Strümpfen im Hochsommer zum Beispiel. Ich selbst bin ja weiß Gott auch nicht vom Planeten 90/60/90, aber es gibt ja noch so viele andere. Ich will das tragen, was mir gefällt und nicht das, was die Gesellschaft für richtig hält. Sicher, gut aussehen möchte irgendwie jeder, aber so ist es ja auch. Jeder Mensch ist schön! Nur ist es nicht jedem Menschen gegeben, das auch zu sehen!

Aller Anfang ist schwer

Gerade am Anfang habe ich die Kompressionsstrümpfe öfter mal für einen Tag „in die Ecke gepfeffert“, aber das mache ich heute nicht mehr. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass nur ein konsequentes Tragen wirklich etwas bewirken kann. Schmerzlinderung steht bei mir, neben dem Eindämmen der Ödeme, an erster Stelle. Und mal ehrlich, mir gefallen meine Beine in modischen Kompressionsstrümpfen sogar viel besser. Unschöne Dellen, blaue Flecken und Krampfadern sind so einfach nicht mehr sichtbar. Mein eigenes Körpergefühl hat sich dadurch deutlich gebessert.

Positiv bleiben und nach vorne schauen

Natürlich ist das Leben mit dieser Krankheit nicht immer leicht, aber das Wichtigste ist, sich nicht davon unterkriegen zu lassen. Es bedarf manchmal ein paar Anpassungen im Alltag, um diesen besser meistern zu können. Das will auch gelernt sein, aber ich möchte mir auf keinen Fall meine Lebensfreude von dem Lipödem oder anderen Krankheiten nehmen lassen. Ich versuche einfach das Beste daraus zu machen, auch wenn das nicht jeden Tag gelingt. Mein Motto: Die guten Tage nutzen und die schlechten akzeptieren!

Ich gebe mein Bestes

Sport ist ja ein essentieller Teil der Lipödem-Therapie. Vor allem wird dabei immer wieder Wassergymnastik empfohlen. Und das zurecht! Aber ich zum Beispiel hasse Wasser und gehe vielleicht 2 Mal im Jahr meiner Tochter zu Liebe zum Schwimmen. Aus anderen gesundheitlichen Gründen ist es mir auch nicht regelmäßig möglich ins Schwimmbad zu gehen, deshalb versuche ich es anders.

Auch wenn die Beine schmerzen, jede Bewegung ist gut. Vor allem glaube ich, dass man im Alltag schon viel davon einbauen kann. Für kurze Wege versuche ich das Fahrrad und nicht das Auto und die Treppe statt der Rolltreppe zu nehmen. Im Kleinen beginnt die Veränderung und damit unsere Bewegungstherapie. Seit ein paar Wochen gehe ich nun auch zum Rehabilitationssport und bin froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Sportlich war ich leider nie und ich werde sicher in diesem Leben auch keine Triathletin mehr, aber nach jeder Überwindung des inneren Schweinehundes, bin ich stolz auf mich und spüre ich, dass es mir gut tut.

Seid stolz auf Euch! Bis bald.

Annette

PS: Ich freue mich auf Euer Feedback und bin schon gespannt, was Ihr zu sagen habt.

6 Kommentare
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Ellischa

Hallo liebe Annette,
endlich jemand, die auch nur noch Röcke und Kleider trägt. Auch ich trage nur noch Röcke und Kleider. Für alle Notfälle habe ich zwei Hosen ;-).
Ich trage bunt, ich will auffallen und ich liebe Farbe. Da mir aber die Farbe an den Armen wichtiger ist als an den Beinen, sind derzeit im Sommer, die Strumpfhosen beige, aber meine Armlinge sind Stunning Green und Rot.
Auch trage ich wieder Sandalen, da ja nichts mehr scheuert, die Strumpfhose schützt ;-).
Manchmal pfeffere ich die Strumpfhose auch in die Ecke und schimpfe und manchmal weine ich auch. ABER dann sage ich mir: Ich lasse mich nicht unterkriegen!
Danke für Deinen tollen Artikel. Ich habe mich überall wiedergefunden.
Liebe Grüße
Ellischa

am 02.08.2018 | 13:42
Simse

Das hast Du so toll geschrieben. Ich denke, Du sprichst hier vielen aus dem Herzen, was sich einige nicht sagen trauen.

am 26.07.2018 | 21:20
Andrea

Liebe Annette,

ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem tollen Beitrag! Du hast sooo lange überlegt, ob er vernünftig formuliert und gut zu lesen ist- und ob du ihn einreichst!
Klasse- dass du es gemacht hast!
Sei stolz auf dich! Ich bin auf deinen nächsten Beitrag gespannt!

Drück dich!
Andrea

am 27.07.2018 | 13:53
Annette

Ich danke dir sehr für dein Kommentar. Das war mein erster Versuch im Schreiben und ich freue mich sehr über viel positive Resonanz. Also lass uns rausgehen und uns trauen!

am 27.07.2018 | 10:08
Christina_Rick

Ich stimme dir zu 100% zu.

am 26.07.2018 | 10:32
Annette

Vielen Dank liebe Christina. Also lass uns weiter machen!

am 27.07.2018 | 10:06

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