Dr. Bauer
31.Oktober 2019 | Lipödem & Ernährung

Ernährung bei Lipödem – Teil I

Unabhängig von der Tatsache, dass die Liposuktion in der Behandlung des Lipödems eine zentrale Rolle spielt, da die Fettzellen in großen Mengen entfernt werden können, gibt es auch eine Zeit vor und nach der Operation in der die Ernährung eine Rolle spielt und nicht unterschätzt werden darf. Das Leid mit der richtigen Ernährung beim Lipödem kennen viele und es ist ein Satz der oft gesagt wird „egal wie wenig gegessen wird – man nimmt zu“. Daher kann es nicht unbedingt an der Menge des Essens liegen sondern auch an dem Inhalt. Doch wer definiert eigentlich was „richtig und falsch“ ist in der Ernährungsfrage beim Lipödem?

Ernährung ist unser täglicher Begleiter

Was wir bisher wissen

Aktuell gibt es keine publizierte Studie für Ernährung bei Lipödem, die klare Empfehlungen für die Ernährungsrichtlinien widerspiegelt. Patienten Berichten zufolge bevorzugen viele der Betroffenen Low-Carb oder ketogene Diäten, eine wissenschaftliche Untersuchung der Wirksamkeit und im Gegensatz zu einer Kontrolle fehlt bisher. Studien haben gezeigt, dass die Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr bei Personen mit Stoffwechselstörungen die Insulinsensitivität, den Blutdruck, die mikrovaskuläre Funktion und die zellulären Adhäsionsmarker verbessert. Fett ist wichtig für normales Wachstum und Entwicklung und liefert auch Energie, schützt unsere Organe, erhält Zellmembranen aufrecht und hilft dem Körper Nährstoffe aufzunehmen und zu verarbeiten. Noch besser, es hilft dem Körper, wieder hergestelltes Fett zu verbrennen. So ist Fett absolut erforderlich für Reparatur- und Renovierungsarbeiten in jeder Zelle zu jeder Zeit. Die alten Zellen sterben ab und werden durch neue ersetzt. Dies ist die Grundlage für die Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion des gesamten Körpers. Und für diese Reparaturarbeiten werden Baumaterialien benötigt, ähnlich wie Häuser gebaut werden. Die meisten der Baumaterialien können durch den Körper selbst hergestellt werden, jedoch nicht durch sogenannte essentielle Nährstoffe, z.B. essentielle Aminosäuren und essentielle Fettsäuren. Diese müssen von Lebensmitteln aufgenommen werden. Beispielsweise L-Arginin: das ist eine semi-essentielle Aminosäure, die zu gesunden Gefäßen beiträgt und bei Entzündungskrankheiten reduziert ist. Quellen für essenzielle Aminosäuren sind zum Beispiel Eier, Linsen, Nüsse und nitrit- und nitrathaltige Lebensmittel, Blattgemüse. Essenzielle Fettsäuren stecken vor allem in Lachs, hochwertigen Ölen, Avocados und Nüssen. Um eine anti-inflammatorische Diät zu verfolgen sollte man auf verarbeitet Fertig-Nahrungsmittel, künstlichen Zucker und frittierte Speisen komplett verzichtet werden. Da es sich beim Lipödem vermutlich auch um eine chronisch inflammatorische Erkrankung handelt kann eine mögliche Empfehlung auf eine anti-inflammatorische Ernährung ausgerichtet sein. Es sollte auf verarbeitete Fertig-Nahrungsmittel, künstlichen Zucker und frittierte Speisen komplett verzichtet werden.

Aktuelle Studie zur Ernährung bei Lipödem

In unserer aktuellen Studie zu Thema gehen wir der Frage auf den Grund ob es wirklich unmöglich ist bei Lipödem Gewicht zu verlieren? Oder ob es prinzipiell sehr wohl möglich ist, aber an den betroffenen Lipödem Stellen nicht. Wie verändert sich der Schmerz wenn der Körper weniger wiegt, oder verändert sich auch dann nichts? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Hungerhormon Leptin und dem Lipödem? In unseren molekularbiologischen Experimenten fanden wir bereits Hinweise auf eine verminderte Leptinproduktion der Lipödem Zellen, ebenso wie einen erhöhten Spiegel an Entzündungmarkern. Da die Frage ob fettreduziert oder kohlenhydratreduziert besser ist bei Lipödem aktuell Lager spaltet, werden zwei Gruppen aus Probandinnen dies erforschen. Anschließend werden nicht nur das Gewicht und die Umfänge gemessen, sondern auch die Volumina der Beine und Arme erfasst und abschließend zum Ausgangsbefund verglichen. Wie verhält sich der Lipödem Stoffwechsel in der Phase der Kalorienreduktion? Und was tut den Lipödem Probandinnen gut und was nicht. Diese laufenden Fragen werden wir hoffentlich bald besser verstehen und beantworten können. Denn es gibt viele Einzelfallberichte, aber keine wissenschaftlich ausgelegte randomisierte kontrollierte Ernährungsstudie, die diese Fragen klar beantworten kann. Dennoch sind dies wichtige Erkenntnisse, um mit dem Lipödem ein Leben lang gut auszukommen und in Wohlbefinden zu leben. Die Operation kann nur der Anfang eines neuen Weges sein, die Ernährung aber ist unser tagtäglicher Begleiter. Ein wichtiges Ziel ist es nach der Operation aus einem Kreislauf aus Diäten zu entkommen bzw. gar nicht mehr erst zu beginnen wie vor der Operation. Daher ist es unverzichtbar, dass es mehr gibt als nur Erfahrungsberichte, sondern, dass wir wissenschaftliche Ergebnisse liefern auf deren Grundlage diskutiert und Empfehlungen erarbeitet werden können.

Seid gespannt auf Teil II des Artikels...

Eure
Dr. Anna-Theresa Bauer

Literaturangaben

[1] C.E. Fife, E.A. Maus, M.J. Carter, Lipedema: a frequently misdiagnosed and misunderstood fatty deposition syndrome, Advances in skin & wound care 23(2) (2010) 81-92; quiz 93-4.

[2] I. Forner-Cordero, G. Szolnoky, A. Forner-Cordero, L. Kemeny, Lipedema: an overview of its clinical manifestations, diagnosis and treatment of the disproportional fatty deposition syndrome - systematic review, Clinical obesity 2(3-4) (2012) 86-95.

[3] D.W. Buck, 2nd, K.L. Herbst, Lipedema: A Relatively Common Disease with Extremely Common Misconceptions, Plastic and reconstructive surgery. Global open 4(9) (2016) e1043.

[4] C. Stöberl, Klinische Differentialdiagnose der Beinschwellung - Ein Leitfaden für die Praxis, Z Gefässmed. 8(1) (2011) 11-18.

[5] S.I. Langendoen, L. Habbema, T.E. Nijsten, H.A. Neumann, Lipoedema: from clinical presentation to therapy. A review of the literature, The British journal of dermatology 161(5) (2009) 980-6.

[6] K.L. Herbst, Rare adipose disorders (RADs) masquerading as obesity, Acta pharmacologica Sinica 33(2) (2012) 155-72.

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