Jenni
15.November 2018 | Mein Lipödem

Diagnose Lipödem - Wie ich lernte, mehr auf meinen Körper zu hören

Hallo Ihr Lieben,

Ich bin Jenni, 22 Jahre alt und komme aus dem schönen Norden Hessens. Im Juni diesen Jahres habe ich auf Umwegen die Diagnose Lipödem Stadium 2 erhalten. Anfangs war das natürlich ein Schock. Trauer machte sich in mir breit. Da mir nun bewusst geworden war, dass ich nun nicht nur noch das Problem hatte, generell zu viel auf den Rippen zu haben, sondern auch noch eine Krankheit, die ohne eine OP nicht heilbar zu sein scheint.

In meinem Kopf tummelten sich viele Fragen: Wie wird das wohl mit der Kompressionsbestrumpfung sein? Was wird meine Familie, oder auch mein Lebensgefährte sagen, oder wie werden Sie reagieren, wenn ich Ihnen davon erzähle? Welche Auswirkungen wird das Lipödem in den nächsten Wochen, Monaten oder Jahren auf mich und mein Leben haben?

Diäten und Selbstzweifel vor der Diagnose Lipödem

Zu Beginn ahnte ich nicht wirklich etwas davon, dass ich wirklich Lipödem habe. Ich dachte all die Jahre, in denen ich mal mehr und mal weniger "erfolgreich" Diäten ausprobierte und Sport trieb, dass ich einfach nicht konsequent genug bin. Es gab durchaus Zeiten, in denen ich locker 35-40 kg weniger wog. Doch es gab einen Punkt in meinem Leben, in dem alles auf einmal kippte, und sich mein Gewicht drastisch veränderte.

Ich habe lange versucht, dagegen anzukämpfen, habe immer weiter und weiter gemacht, ohne Erfolg. Irgendwann habe ich dann kapituliert und mich so akzeptiert wie ich bin. Natürlich plagten mich schon länger Schmerzen in den Beinen, sie wurden schnell blau und abends beschlich mich oft das Gefühl, dass diese zu platzen drohen. Ich dachte immer, dass sei normal, und nichts Ungewöhnliches. Auch die Veränderungen, die meine Haut durchgemacht hatte, blieben von mir unbeachtet.

Der Weg zur Diagnose Lipödem – auf Umwegen zur Gewissheit

Dann kam jedoch im April diesen Jahres der Tag, an dem ich mich über Schmerzen im linken Bein wunderte. Schnell wurde mir klar, dass dieser rote Fleck auf meinem Bein, der dort nun schon seit 3 Tagen blieb und nicht verschwand und die verbundenen Schmerzen damit, nicht normal sein konnten.

Ich ging zu meinem Hausarzt, welcher mich direkt in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses verwies, mit dem Hinweis, dass vermutlich eine Thrombose vorliegen würde. Natürlich bestätigte sich der Verdacht: Ich hatte eine oberflächliche Thrombophlebitis.

Mein Hausarzt sollte mir die benötigten Spritzen und einen Kompressionsstrumpf verschreiben, damit alles gut abheilen kann und sich die Thrombophlebitis nicht weiter ausdehnt. Als ich dann bei meinem Hausarzt eintraf, sagte mir dieser nach Lesen des Berichts, dass ein Kompressionsstrumpf nicht notwendig sei und bei meinen ohnehin ,,dicken Beinen‘‘ nicht viel helfen würde. Schmerzmittel hielt er sowieso für unnötig, somit bekam ich nur ein Rezept für die Spritzen.

Nach einer Woche waren diese leer, und meine Beschwerden waren noch immer nicht weg. Ganz im Gegenteil, sie wurden noch viel schlimmer. Ich fuhr also auf eigene Faust wieder ins Krankenhaus, um dann zu erfahren, dass die Thrombophlebitis sich nun über mein ganzes linkes Bein erstreckt. Der Arzt im Krankenhaus war mehr als schockiert darüber, dass ich nicht den notwendigen Kompressionsstrumpf erhalten habe, weil mein Hausarzt sich schlichtweg weigerte, diesen aufzuschreiben.

Ich bekam einen neuen Bericht, mit diesem ich nun wieder bei meinem Hausarzt aufschlug. Ich erklärte ihm eindringlich, dass mir egal sei, ob er das alles für nötig halte, ich aber diesen Kompressionsstrumpf brauche und haben will und er mir diesen somit auch bitte aufschreibt. Letztendlich erhielt ich mein Rezept für den Kompressionsstrumpf und neue Spritzen, die ich nun aufgrund der Schwere der Thrombophlebitis 6 Wochen spritzen musste.

Mit meinen Beinen stimmt etwas nicht

Als ich dann im Sanitätshaus eintraf, und diese mein Bein für den Strumpf ausmessen wollten, fiel der lieben Kollegin direkt auf, dass etwas mit meinen Beinen nicht stimmte. Sie meinte, ich soll mich an einen Arzt aus dem Lymphnetzwerk Mittelhessen wenden, und machte sogar für mich direkt einen Termin. Ich sollte auf direktem Weg zu dem Arzt in die Praxis kommen.

Dieser schaute sich meine Beine an, verschrieb mir noch einmal die richtigen Spritzen und klärte auch nochmal ab, welche Kompressionsklasse ich brauche. Dies waren alles Infos, die weder das Krankenhaus, noch mein Hausarzt auf den Rezepten vermerkt hatten. Ich vereinbarte einen neuen Termin mit dem Arzt zur Kontrolle, in diesem Termin wollte er sich dann meine Beine auch nochmal genauer ansehen.

Nach besagtem Folgetermin hatte ich dann endlich die Gewissheit, dass ich all die Jahre wenig dafür konnte, dass ich nicht richtig abnehmen konnte. Mit einem Lipödem ist es schlichtweg nicht möglich, so abzunehmen, wie es optimal und nötig wäre. Abschließend möchte ich euch damit sagen: Hört definitiv auf euch und euren Körper! Wenn man zu lange alle Warnsignale ignoriert, tut man sich selbst keinen Gefallen. Des Weiteren ist es wichtig, dass Ihr hartnäckig bleibt, das ist definitiv eine Sache, die ich mitunter aus diesen Erfahrungen der letzten Monate mitgenommen habe.

Eure Jenni

4 Kommentare
Kommentieren
Ingrid

Liebe Jenni
Ich bin super stolz auf dich und deinen Mut, mit deiner Erkrankung, in die Öffentlichkeit zu gehen. Ich wünsche dir und auch anderen Menschen mit dieser Erkrankung, gute Hilfe und eine deutliche Verbesserung. Ich liebe dich und sende dir positive Energie über den Teich. Mach weiter so

am 16.11.2018 | 15:05
Renate

Hallo Jenni,
du bist so eine starke Frau halt durch, ich habe so eine ähnliche Geschichte hinter mir.

am 16.11.2018 | 13:01
Selina:)

Liebe Jenni, du bist so tapfer und mutig, mit deiner Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen - und du schaffst damit etwas Tolles, da du auch vielen Anderen damit Mut machst ❤️ Mach weiter so meine Liebe und bleib stark - ich hab dich lieb 💗😊

am 15.11.2018 | 21:56
Akenno1

Hallo Jenni,
Ich habe mir deine Homepage durchgelesen und ich muss sagen " Mega Respekt "
Bleib so wie Du bist

am 15.11.2018 | 18:29

Dein Kommentar wurde erfolgreich abgeschickt.
Der Kommentar wird in ein paar Minuten erscheinen.

Unsere Blogger

Leben mit Lipödem: Diese tollen starken Frauen erzählen Dir aus ihrem Alltag! Schau doch mal rein in ihren Blog.

Blogger werden

Du hast ein Lipödem, kennst Dich gut damit aus oder hast Angehörige, die ein Lipödem haben? Du schreibst gerne oder hast vielleicht schon Deinen eigenen Blog? Dann bewirb Dich bei uns als Blogger.

Jetzt Blogger werden
Netiquette

Wir wollen, dass Du von dieser Seite profitierst. Du findest hier starke Frauen, die über ihr Lipödem schreiben ‒ eine sehr persönliche und intime Sache! Deshalb bitten wir alle User um einen netten Umgangston miteinander. Vielen Dank.

8 goldene Regeln