Annette
30.April 2019 | Mein Lipödem

Das Lipödem in der Kältekammer

Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Therapieansätzen und neuen Theorien zum Thema Linderung der Symptome beim Lipödem. Natürlich steht an erster Stelle immer die Kompression, keine Frage. Die trage ich auch täglich an beiden Extremitäten. Dann ist hochlagern auch immer eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe, nur leider nicht immer möglich. Zudem ergänze ich meinen Ernährungsplan seit ca. 2 Jahren mit selbst hergestelltem, milchsauer vergorenem (fermentiertem) Gemüse. Das hatte ich auch in einem schlauen Buch über Lymphe zum Fließen bringen gelesen.

Neue Wege mit dem Lipödem

Jetzt habe ich gerade in den letzten Monaten immer wieder über die Therapie in der Kältekammer gelesen. Da ich selbst Krankenschwester bin, kenne ich diese Therapieform schon, allerdings nur bei von Rheuma betroffenen Patienten. Im Internet ist ja Recherche einfacher und so bin ich als erstes auf die Seite von Dr. Weiss in Mannheim gestoßen. Er steckt seine Lipödem Patientinnen immer in die Kältekammer. Anfänglich sogar ein bis zwei Mal täglich. Dann werden die Abstände vergrößert. Das hat eindeutig meine Neugier noch verstärkt mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Auf einer Website eines Bodyforming Instituts wurde die Kältekammer als eine klare Therapieunterstützung für Lipödem und Lymphödem Patientinnen angesehen.

Recherche ist alles

Das hatte mich also schon mal überzeugt und die Idee war geboren... das will ich probieren! Schaden kann es wohl nicht... dachte ich und machte mich auf die Suche nach einer Praxis oder ähnliches die eine Kältekammer im Angebot haben, welche auch bis – 130 Grad Celsius geht. Eine Praxis habe ich zwar bei uns in der Stadt nicht gefunden, aber dafür ein Wellness Haus, indem ich auch schon eine Sitzung in der Nebelgrotte hatte.

Haltet Rücksprache mit dem Arzt

Gesucht gefunden loslegen. So war der Plan! Aber da es den Körper doch belasten kann, brauchte ich das OK von meinem Endokrinologen/Hausarzt und musste vorher auch noch einen Anamnese Bogen ausfüllen. Als Hinweis für Diabetiker zum Beispiel, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, der Blutzucker sinkt nach ein paar Minuten am „Nordpol“ stark nach unten.

Ausgeschlossen werden muss unter anderem auch ein erhöhter Blutdruck, Kälte Allergie (ja das gibt es!) usw. Ich selbst habe unter anderem ein Raynaud Syndrom und das Bedarf prinzipiell schon mal Vorsicht bei Kälte an den Akren (Finger, Zehen, Nasenspitze, Ohren). Mutig und entschlossen habe ich also für den Selbstversuch 3 Termine in einer Woche ausgemacht.

1. Termin in der Kältekammer

Ich wurde freundlich begrüßt und hatte zuerst noch ein nettes Gespräch mit der Chefin über das Thema Lipödem. Vor allem natürlich weil ich Flyer meiner neu gegründeten Selbsthilfegruppe dabei hatte. Davon berichte ich dann in einem anderen Blog Beitrag.

Dann ging es in eine Kabine und ich sollte mich bis auf die Unterhose ausziehen, die Füße warm eingepackt in dicken Kuschelpuschen. Die Dame hat die Kammer schon mal vorgekühlt. Ich fand es jetzt schon kalt. Draußen lag Schnee und es waren -3 Grad. Dann ab in diese „Tonne“ wie ich sie nenne. Blau und unschuldig steht sie da und wartet darauf mich schock zu frosten.

Erst mal langsam anfangen

Vorgesehen waren erst einmal zwei Minuten bei -130 Grad. Tssss dachte ich 2 min ist ja gar nichts. Nach ca. 30 Sekunden habe ich überlegt, ob ich je wieder auftauen werde. Leichte Bewegung sollte es erträglicher machen. Also bin ich vorsichtig auf der Stelle marschiert. Und schwups waren die zwei Minuten um und ich habe gleich noch eine weitere Minute dran gehängt. Klingt lächerlich, aber ich wurde gelobt, dass ich es am ersten Termin so gut ausgehalten habe. Prinzipiell mag ich Kälte eh viel lieber als Hitze, vielleicht war das auch ein kleiner Vorteil. Schließlich behaupte ich immer in der falschen Klimazone zu wohnen.

Kaum angekommen war ich auch schon wieder draußen. Nach dem ganzen Anziehen der Kompression (Arme und Beine) stand ich in Winterjacke im Schnee und spürte wie die Wärme in meinen Körper aufgestiegen ist. Es kribbelte und ich habe jedes Grad der Körpertemperaturerhöhung genossen.

2. Termin in der Kältekammer

Ehrlich gesagt habe ich mich sogar richtig auf den Termin gefreut. Durch den Spaziergang von der Bushaltestelle bis zum Ziel war ich sozusagen schon vorgekühlt. Mit der netten Dame, die im Übrigen bei jedem der in der Kältekammer ist dabei bleibt, habe ich entschieden wieder 3 min zu machen und weil ich es gut vertragen habe sogar bei – 150 Grad. Puh sind drei Minuten lang. Und tatsächlich machen -20 Grad zusätzlich auch ganz schön was aus. Ich hätte wirklich nicht länger als diese drei Minuten ausgehalten. Die Beine haben wie verrückt gebrannt und sahen aus wie verbrannt, nur das sie eben eisgekühlt waren. Das Anziehen hat dieses Mal auch etwas länger gedauert, denn das Ganze schlaucht den Körper schon ziemlich.

Warme Gedanken machen

Doch kurze Zeit später erreichte mich dieses wohlige Gefühl wieder. Prickelnde Wärme die sich angenehm über den Körper ausbreitet. Das ist fast wie eine Wiedergeburt. Ich fühlte mich voller Tatendrang! Von Lipödem Schmerzen war keine Spur mehr.

3. Termin in der Kältekammer

Irgendwie habe ich mich ja schon aufs Frieren gefreut, aber ich war nicht so richtig fit an diesem Tag. Ich hatte schlecht geschlafen und war total erledigt. Die ersten 20 Sekunden in der „Tonne“ kamen mir viel kälter und länger vor, als bei den vorherigen Terminen. Aber dann hatte ich den Punkt überwunden und alles war soweit gut. Hinterher fühlte ich mich frischer, motivierter und wohler als vorher.

Mein Fazit

Die Behandlung in der Kältekammer ist sicherlich nicht für jeden geeignet, da bestimmte Vorerkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Aber für mich war das eine absolute positive Erfahrung. Die Lipödem Schmerzen haben sich reduziert und ich fühle mich wohl. Als Test hatte ich ja nur drei Termine, aber für einen dauerhaften bzw. längerfristigen Behandlungserfolg bedarf es mehr Sitzungen über einen längeren  Zeitraum. Da kommt allerdings das Problem auf, dass diese paar Minuten am Nordpol eine ziemlich kostspielige Angelegenheit sind. Bei mir war es ein Schnupperangebot. D.h. drei Sitzungen für 75 € satt 165 €. Leider übernehmen die Krankenkassen diesen Spaß nicht, also muss es aus eigener Tasche finanziert werden.

Ich werde auf jeden Fall in der Zukunft nochmal zum Eiszapfen werden, ihr vielleicht ja auch?

Danke fürs Lesen und viel Spaß beim Frieren.

LG Annette

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3 Kommentare
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Ellischa

Liebe Annette,
danke für Deinen Bericht. Kältekammer habe ich auch probiert. Mir ging es danach sagenhaft gut. Wobei ich "nur" - 120 °C getestet habe. Ich hatte insgesamt 5 Sitzungen (oder auf-der-Stelle-Gehungen".
Leider stimmt der finanzielle Aspekt. Ich war danach 3 Monate schmerzfrei. Ich spare jetzt und werde im September wieder 5 Einheiten nehmen.
Etwas Linderung verschafft mir bei uns in der Therme die "Schneesauna", da liegt die Temperatur bei - 10 °C. Das hilft mir dann für 1 - 2 Tage, aber leider nicht länger. Mir hat eine Therapeutin erzählt, dass nur der "Kältereiz" wichtig ist, wenn man zuvor in einer echten Kältekammer war.
Liebe Grüße
Ellischa

am 06.05.2019 | 14:23
Annette

Liebe Christina,
die Alternativen sind ja wirklich zahlreich, aber sicherlich bei jedem unterschiedlich effektiv. Bei mir liegen die Schmerzen des Lipödems ca. bei 4. Nach der Behandlung würde ich ca. 2 sagen. Der Zustand hat immer ein paar Tage angehalten. Das sind wirlich meine persönlichen Erfahrungen, aber ich denke es lohnt sich es auszuprobieren.
Liebe Grüße Annette

am 05.05.2019 | 12:55
Christina_Rick

Liebe Annette,
danke für deinen Bericht. Ich finde es sehr interessant weitere Alternativen der "konservativen" bzw. nicht-operativen Therapie zu erfahren. Nahrrungsergänzungsmittel, Taping und Faszienrolle stehen da auch noch auf der Liste. Jetzt zu meiner Frage: Wie lange hielt die Schmerzfreiheit nach der Behandlung an? Wie hoch sind bei dir die Schmerzen im Durchschnitt auf einer Skala von 1-10, wenn 10 unerträglich hoher Schmerz ist.
Vielen Dank für deine Antwort.

am 05.05.2019 | 10:38

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