Annette
02.April 2019 | Mein Lipödem

Armkompression – Helferlein im Alltag

Mit der Überschrift meine ich in diesem Fall nicht, dass die Armkompression die Hilfe ist. Auch wenn das unumstritten so ist, geht es in meinem Beitrag eher darum, wie ich versuche mir mein Leben mit den komprimierten Armen angenehmer zu machen.

Wahrscheinlich ist es normal, dass es eine Zeitlang braucht, sich an das Tragen der Armkompressionsstrümpfe zu gewöhnen. Für mich war es eine große Umstellung, da es mich in Beweglichkeit, Haptik und Feinmotorik sehr einschränkt. Mit der Zeit habe ich allerdings einige kleine Veränderungen im Alltag vorgenommen, um es erträglicher zu machen. Hier mal meine Tipps. Es würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere Tipp hilfreich ist.

Staubsauger – Staubsauger Roboter

Wer staubsaugt schon gern? Niemand. Vor allem nicht, wenn die Arme stark schmerzen und sich das Lymphödem dadurch noch verstärkt. Also ist es doch praktisch, dass Staubsaugen einem Roboter zu überlassen. Denn nicht staubsaugen ist leider keine Lösung, vor allem nicht, wenn man auch noch auf Hausstaub allergisch reagiert. Ich gebe zu, der Robbi, wie ich ihn liebevoll nenne, ist nicht ganz so gründlich wie ich, aber es gibt mittlerweile ganz brauchbare Modelle zu bezahlbaren Preisen.

Telefonieren – mit Headset

Ich bin eine Frau die gerne redet und das auch am Telefon. Familie und Freunde sind teilweise weit entfernt, also bleibt oft nur das Gespräch übers Telefon. In den letzten Monaten hatte ich aber schon festgestellt, dass es mir keine Freude mehr bereitet. Das Halten des Hörers bzw. Handys verursachten schon nach sehr kurzer Zeit starke Schmerzen und ich musste ständig den Arm wechseln. Jetzt mit der Armkompression sind die Schmerzen zwar weniger, aber ich habe mir das nützliche Hilfsmittel Headset zu Nutze gemacht. So kann ich auch wieder stundenlange Telefonate führen.

Handschuhe – Einmalhandschuhe

Puh – diese Kompressionshandschuhe und kochen? Einkaufen? Das Handlaufband an der Rolltreppe der Münchener U-Bahn? Oder zur Toilette gehen, vor allem auf eine Öffentliche? Irgendwie bemerke ich erst jetzt, wie oft ich mir eigentlich die Hände gewaschen habe. Aus hygienischen Gründen sollte ich wohl die Kompressionshandschuhe bei oben genannten Dingen ausziehen. Aber mal ehrlich, dann bin ich mit dem An-und Ausziehen den ganzen Tag beschäftigt! Den Versuch, die Handschuhe einfach auszulassen, habe ich nach 1 Stunde aufgegeben. Meine Hand und vor allem die Finger schwellen sehr stark an und das Lymphödem bekommt neue Ausmaße. Also meine Lösung: Handschuhe über die Handschuhe bei bestimmten Tätigkeiten. In meinem Fall Latexfreie Einmalhandschuhe.

Gemüse schneiden – Thermomix

Wie schon erwähnt leidet die Feinmotorik unter der Kompression. Das Schneiden von Gemüse z.B. übernimmt in den allermeisten Fällen mein guter Freund der Thermomix. Manchmal ist er so nett und kocht sogar!

Nachricht tippen – Sprachnachricht

Man oh man. Habt ihr schon mal überlegt wieviel wir so am Handy rumtippen, um irgendwelche Nachrichten zu schreiben? Ob Wichtige oder Unwichtige spielt dabei natürlich keine Rolle. Ich nutze zur Erleichterung jetzt öfter die Sprachnachricht Funktion. Ich finde zwar, dass meine Stimme dabei blöd klingt, aber was soll‘s.

Zahnbürste – Elektrische Zahnbürste

Ehrlich gesagt habe ich auch schon vor dem Tragen der Armkompression eine elektrische Zahnbürste benutzt. Jetzt weiß ich den Vorteil allerdings noch viel mehr zu schätzen. Nur neuerdings benutze ich sogar einen Zahnputzbecher.

Enge Ärmel – Fledermausärmel

Oh man, mein erster Klamottenkauf mit Armstrümpfen... das war ernüchternd und tränenreich. Der Pulloverärmel stockt einfach an der Armkompression und man steht dann wie ein hilfloser Käfer mit halb angezogenem Oberteil in der Umkleide und kann weder vor noch zurück. Das ist echt ätzend! Nach vielem rumprobieren und recherchieren bin ich bei Fledermausärmeln angelangt! Das hat sogar zwei Vorteile. Zum einen ist da Platz genug für diese Lipödem Oberarme und zum anderen sind da irgendwie diese Röllchen kaschiert.

Pieksen – Scannen

Da ich auch einen Typ I Diabetes habe, muss ich bis zu zehnmal am Tag meinen Blutzucker kontrollieren. Jeder kann sich vorstellen, wie die Fingerkuppen nach 16 Jahren stechen aussehen. Fürs begleitende Lip-und Lymphödem auch nicht der Idealfall. Gott sei Dank gibt es seit einiger Zeit, einen Glucose Sensor. Das heißt, Messgerät kurz dran halten, fertig. Was für eine Erholung! Ich habe mal versucht einen einzelnen Teststreifen mit angezogenen Kompressionshandschuhen aus der Dose zu nehmen. Hat dreimal so lange gedauert und am Ende lag der Teststreifen auf dem Boden. Da gehört der nun wirklich nicht hin.

Tippen/Schreiben – Diktieren

Lange tippen oder schreiben kann ich schon seit langer Zeit nicht mehr. Ich hatte an jedem Handgelenk eine Operation wegen chronischer Sehnenscheidenentzündung und leide zudem am Karpaltunnelsyndrom. Die Schmerzen, die das Lipödem in den Armen verursacht machen das Problem komplett. Alles nicht so schlimm, aber ich habe die Diktierfunktion an meinem Laptop entdeckt. Auch dieser Beitrag ist zum größten Teil diktiert. Außerdem ist es sehr unterhaltsam was mein PC so meint, was ich gesagt hätte (lach).

Auto – Fahrrad – Hund

Sagen wir so, ich gebe mir Mühe, jeden Tag aufs Neue den inneren Schweinehund im Zaum zu halten. Dabei habe ich seit einigen Monaten süße, wuschelige Hilfe auf vier Pfoten. Unsere Familie hat nämlich seit Mai 2018 den zuckersüßesten Hund der Welt. Das tägliche mehrmalige Gassi gehen verschafft mir natürlich ein ordentliches Plus an Bewegung. Das spüre ich deutlich! Mein Oberschenkelumfang hat sich sogar um mehrere Zentimeter minimiert, was eine neue Kompressionsversorgung zur Folge hatte. Danke Wuffi!

Fusseln dran – abrollen

Gerade bei schwarzer Kompressionsversorgung sieht man Fusseln, Haare oder ähnliches sofort. Das sieht unschön aus und macht irgendwie einen ungepflegten Eindruck. Deshalb habe ich meine hochheilige Fusselrolle. Allerdings muss ich bemängeln, dass tatsächlich nur oberflächlich die unerwünschten Dinge entfernt werden.

Allein – Familie und Freunde

All die vielen kleinen Helferlein, die ich in meinen Alltag schon integriert habe sind nichts im Vergleich zu den wichtigsten Helfern – meine Familie und Freunde! Damit meine ich nicht, das meine Freundin oder mein Mann bei mir daheim durch wischt, die Fenster putzt oder ähnliches. Ich meine die emotionale und moralische Unterstützung. Das liebe Wort im richtigen Moment, das nette Kompliment für das neue Outfit, auch mit Kompressionsbekleidung. Die Beratung beim Auswählen der neuen Trendfarbe usw. Das Verständnis, wenn es mal nicht so gut läuft.

Danke dafür natürlich an meinen Mann und meine zauberhafte Tochter! Ohne eure Unterstützung wäre mein Leben nicht so lebenswert!

PS: Wie sich die Wäsche von alleine aufhängt, habe ich noch nicht herausgefunden, aber ich recherchiere weiter.

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7 Kommentare
Kommentieren
Ellischa

hallo Mia,
für Pullover mit engen Ärmeln nutze ich die "Anziehhilfe" für die Armlinge. Erst Armlinge an, dann Anziehhilfe drüber und die Pullover mit engen Ärmeln flutschen fast von selbst an ihren Platz.
Wenn ich Teig knete ist dies jetzt mit den Einmalhandschuhen wesentlich angenehmer. Es klebt nichts an den Händen.
Was leider mit Kompression nicht funktioniert, ist stricken. Ich stricke für mein Leben gerne, aber der Faden rutscht leider nicht über den behandschuhten Zeigefinger.
Liebe Grüße

am 05.04.2019 | 13:05
Tina

Mir tun an manchen Tag die Finger so weh, als ob sie von innen brennen würden, so heiß fühlen die sich dann an. Wenn ich dann die Handschuhe anziehe, ist es ein angenehmes Puckern/Pochen. Ich kann auch keine Hitze ab, warmes Wasser und auch die Backofenluft oder Kochen geht gar nicht.
Hängt das mit der Lip/Lympherkrankung zusammen?

am 03.04.2019 | 09:21
Kathi / _akillya_

Hallo Annette,
ein toller Beitrag. Und wirklich super Tipps!
Klasse besonders für "Neulinge".
Liebe Grüße
Kathi

am 02.04.2019 | 10:24
Annette

Liebe Kathi,
ich danke dir für dein positives Feedback.
LG Annette

am 03.04.2019 | 07:52
Mia

Und wie erleichtert man sich den beruflichen Alltag mit Arm-und Handkompression? Was nimmt man eher in Kauf: vollgelaufene schmerzende Hände oder die Unfähigkeit zu Arbeiten? Man ist doch ganz schön eingeschränkt in der Motorik. Wie kann man da seinen Beruf nachgehen? Das würde mich interessieren?

am 02.04.2019 | 07:43
Annette

Hallo Mia,
ja der Alltag ist manchmal schwierig in Armpression, aber der Beruf öfter noch schwieriger. Wie Kathi schon geschrieben hat, ist es sehr individuell. Vielleicht bespricht du das nochmal mit deinem behandelnden Arzt oder auch Betriebsart!
Ich persönlich bin zur Zeit aufgrund anderer Erkrankungen nicht in der Berufswelt fleißig.

am 03.04.2019 | 07:57
Kathi / _akillya_

Hallo Mia,
das ist natürlich abhängig von dem jeweiligen Beruf und der tatsächlichen Einschränkung. Daher ist eine individuelle Antwort nur möglich, wenn man alle Details kennt.
Ich z.B. arbeite in einem Büro, in dem eh mit Headset telefoniert wird. Tippen kann ich inzwischen auch mit Handschuhen an, allerdings kann ich sie auch ohne Probleme mal 1-2 Stunden am Stück aus lassen.
Aber es gibt auch Betroffene, die ihren Beruf aufgrund des Lipödems gewechselt haben. Es ist also gar nicht so einfach, da die richtige Antwort zu geben.
Liebe Grüße
Kathi

am 02.04.2019 | 10:30

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