
Liebe Leserin, lieber Leser,
abnehmen mit Lipödem ist möglich. Jedoch anders, als viele vielleicht denken. Erfahre in diesem Beitrag, wie ich in 10 Monaten 19 kg abgenommen habe.
Hi, ich bin Alexandra. 50 Jahre alt, Mutter eines Teenies, Partnerin und Organisatorin des täglichen Wahnsinns. Meine Brötchen verdiene ich als Unternehmensberaterin und Stresscoach.

Nach einem Lipödem Schub Anfang des Jahres hatte ich schlagartig viel zu viel Gewicht. X-Beine und Bewegung war kaum noch möglich. Ja, ich hatte in den letzten 17 Jahren ein paar Kilo zu viel. Diese waren auf zu wenig Schlaf und die Folgen von Mutterschaft und Job zurückzuführen. Aber das was da nach dem Schub meine Waage anzeigte, war definitiv zu viel. Egal wie, das muss wieder weg. Und so startete ich mit meinem Wissen das Projekt Abnehmen. Ernährung ist ein Baustein im Stressmanagement und da ich bereits so lange ich denken kann hochwertig und entzündungshemmend esse, konnte ich direkt mit dem Abnehmen starten.
Vorne weg, es handelt sich hier um meine ganz persönliche Erfahrung. Jeder Körper reagiert anders auf Lebensmittel und die verschiedenen Formen der Bewegung. Daher teste aus, was dir gut tut. Ein Tagebuch kann dir hierbei helfen.
Es ist richtig, dass Lipödem-Fett nicht auf Abnehmversuche reagiert. Aber alles andere, was zu viel an Kilos auf den Rippen sitzt, kann durchaus mit einer guten Strategie abgenommen werden. Eine Einschränkung gibt es für Personen mit einer krankhaften Adipositas für welche oft das Gewicht eng mit einer psychischen Komponente oder verschobenen Hormonhaushalt einher geht. Hier muss Bereichsübergreifend multimodal gearbeitet und ggf. auch mit Medikamenten oder einer OP unterstützt werden. Für alle anderen, die sich die Kilos einfach nur über die Jahre angefuttert haben, sei es aus Stress, zu wenig Bewegung, einem Ausnahmezustand, ist der geschilderte Weg durchaus möglich.

In der Gemengelage von Lipödem und Mehrgewicht ist es manchmal etwas schwierig überhaupt zu definieren, wieviel denn abgenommen werden kann. Der BMI hatte bei mir eine katastrophale Aussagekraft und passte so gar nicht zu meiner gesundheitlichen Selbstwahrnehmung. Ein Termin bei der Ernährungsberatung konnte mir weiterhelfen.
Im Rahmen des Erstgesprächs wurde eine BIA = Bioimpedanzmessung gemacht. Diese gab bei mir dann schnell Aufschluss über die tatsächliche Zusammensetzung der Körpermasse. Für meine Beraterin auch erst einmal überraschend, aber tatsächlich habe ich sehr, sehr viel Muskelmasse und einen sehr hohen Phasenindex. Beides deutet auf die sportliche Betätigung und eine gute Zellvitalität hin.
Bei dieser Messung wird ein leichter Stromimpuls durch deinen Körper geleitet. Basierend auf den unterschiedlichen Widerständen und Leitfähigkeiten von Wasser, Fett und Muskeln ergibt sich ein sehr gutes digitales Abbild meines Körpers. Die Analyse geht über ca. 2 Seiten und in der Regel gibt es eine Zeichnung, auf der genau ersichtlich ist (inklusive kg-Angaben) wo sich das Fett angesammelt hat.
Meine Beraterin könnte recht gut mit ihrer Erfahrung berechnen, was abgenommen werden kann. Das ist oft ein vorwärts und rückwärts rechnen zwischen den Idealwerten, welche der BMI vorgibt, der Muskelmasse und der Fettverteilung. Bei mir kam ein sehr guter Näherungswert heraus.
Crash-Diäten hören sich verlockend an, sind aber für den Körper purer Stress. Und wenn Lipödem eines nicht verträgt, dann ist das Stress. Durch Stress, egal ob durch anspruchsvolle Lebenssituationen, schlaflose Nächte, radikale Diäten oder massiven Sport, steigt der Cortisolspiegel an und damit auch die Entzündungswerte. Zu viel Cortisol verhindert die Gewichtsabnahme und kann zusätzlich Schmerzen im Gewebe verursachen. Darum ist es gerade in Kombination mit dem Lipödem leichter und angenehmer vorher die Ernährung umzustellen.
Das sind die Benefits einer antientzündlichen Ernährung mit frischen Zutaten für mich:
• Sie tut mir richtig gut und gibt mir spürbar Power über den ganzen Tag.
• Sie ist einfach umsetzbar, unkompliziert und ohne Verbote.
• Sie ist bezahlbar, weil es alles so im Supermarkt zu kaufen gibt.
• Sie schmeckt gut, so dass ich mich auf die Mahlzeiten freue und nichts vermisse.
• Sie passt problemlos in meinen Alltag zwischen Beruf und Familie.
• Es gibt keine Verbote. Alles ist erlaubt.
Und wie habe ich nun abgenommen? Es ist schon fast zu simpel um wahr zu sein. Nach Ernährungsumstellung und Senkung des Stresslevels durch ein Kaloriendefizit von 300-500 kcal am Tag. Mit diesem Defizit war ich immer satt und glücklich. Wichtig ist es den Grundumsatz (BMR) zu treffen und nicht an die Märchen von 1200 kcal zu glauben. Beim Abnehmen ist oft mehr und nicht weniger die Devise. Der Körper braucht einfach viele Nährstoffe und die Energie, damit die Grundfunktionen aufrechterhalten werden können.

Ab jetzt zählte nur noch Konsistenz. Mit diesem Defizit und meinem üblichen Bewegungsprogramm waren so für mich rund 2 kg im Monat an Gewichtsverlust drin. Ohne Hunger, ohne wirklichen Verzicht. Und natürlich gab es auch mal eine vor Fett triefende Pizza, ein riesen Stück Schokotorte oder andere Leckereien. Es ist wirklich nichts verboten beim Abnehmen. Nur manche Sachen sollte man einfach weniger essen und die Kalorien dabei im Blick behalten.
Gerade bei irgendwelchen Veranstaltungen war es natürlich für mich schwer zu erraten, was genau in so einem Gläschen mit Nachtisch oder Vorspeise an Inhaltsstoffen als auch Kalorien enthalten war. Meine Erkenntnis: Von einem Tag, der vielleicht nicht ganz optimal in seiner Nährstoffbilanz ausgesehen hat, wird der Prozess nicht gefährdet.
Wichtig ist es, einfach wieder am nächsten Tag neu anzufangen und vielleicht auch einen nicht optimalen Tag am Abend korrigieren zu können. Das hat mir unheimlich viel Druck genommen. Dieses nicht perfekt sein zu müssen und auch nicht zum Außenseiter zu werden, weil ich nur noch Salat knabbere. Hatte ich erwähnt, dass ich klassischen Salat auch gar nicht leiden kann? Ist auch nicht schlimm. Denn der tut in Bezug auf seine Inhaltsstoffe eh nicht viel für den Körper.
Formulieren wir es mal so: Sport wird überbewertet, was den Kalorienverbrauch betrifft. ABER:
Jedes Gramm mehr an Muskeln verbraucht auch mehr Energie, selbst im Ruhezustand und stützt darüber hinaus die Gelenke und Knochen. Zudem hat Sport bei mir den netten Nebeneffekt, dass ich ungemein von der antientzündlichen Wirkung profitiere. Mit dem Lipödem geht nach dem letzten Schub nicht mehr so viel, aber Schwimmen, Walken, Trampolin, Gymnastik und Krafttraining ist noch möglich.
Somit habe ich in der Woche ein buntes Programm, was dann auch je nach Jahreszeit und Laune variieren kann. Wenn ich Kundentermine wahrnehme ist vielleicht keine Zeit mehr fürs Schwimmbad, aber dafür ein Wanderweg in der Nähe. Da ich schon immer ein Bewegungsmensch bin, ist für mich das große Learning, dass ich nicht zu viel auf Leistung mache und eher auf meinen Körper höre. Auch die Einteilung der Energie ist dabei für mich mit dem Lipödem ein wichtiger Punkt. Am Abend kann ich auch mal eine längere Strecke walken oder schwimmen – mich ein wenig fordern, weil ich dann weiß, dass ich die Beine hochlegen kann. Am Morgen fällt so eine Bewegungseinheit bei mir kleiner aus, damit ich mich nicht für den Rest des Tages ins Aus manövriere.
In meinem Fall bringt mir Bewegung nicht mehr Muskelmasse, aber Sport und Bewegung verhindern zusätzlich, dass ich diese beim Abnehmen mit abbaue. Und natürlich macht Bewegung einfach gute Laune und unterstützt das Mindset.
Mein Fazit:
Abnehmen mit Lipödem ist möglich, wenn man vorher die Rahmenbedingungen schafft und sich auf eine längere Reise einrichtet. Mit einer Ernährungsumstellung und ein wenig Bewegung setzt du auch gleich den richtigen Rahmen, um nach dem Abnehmen das Gewicht dauerhaft zu halten.
Du hast Fragen? Dann schicke sie mir. Ich freue mich auch, wenn Du mir bei Insta unter alexandra.gerhardt folgst. Hier findest Du mehr Informationen rund um das Thema Lipödem, Stressmanagement und Ernährung.
Alexandra
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