Christina
04.Januar 2018 | Mein Lipödem

Zwischen Trauer und Erleichterung - Das Aufnehmen der Diagnose Teil 1

Hallo, ihr Lieben!
Mein Name ist Christina, ich bin 34 Jahre alt, berufstätig und Mutter eines dreijährigen Mädchens. Ich werde hier meine Geschichte mit dem Lipo-Lymphödem erzählen, weil sie mich selbst immer noch überrascht und euch hoffentlich Mut macht.

Bloggerin Christina im Sommer

Eine beherzte Physiotherapeutin erkennt das Problem

Ein ¾ Jahr vor der Schwangerschaft erfuhr ich zufälligerweise von der Krankheit Lymphödem durch eine beherzte Physiotherapeuten. Während der manuellen Therapie eines temporären Knieproblems sprach sie mich ganz offen darauf an, ob ich denn wüsste, dass ich ein „Ödem“ an den Beinen habe. Ich sehe heute noch die Fragezeichen, die über meinem Kopf aufploppen mussten; ich hatte das Wort „Ödem“ noch nie gehört und sicher hatte kein Arzt mir jemals eine Diagnose in diese Richtung gestellt.

Binnen dieser zwanzigminütigen Behandlung öffnete sich mir eine Tür, aus der die Informationen nur so herausquollen. Glücklicherweise kannte die Physiotherapeutin auch gleich eine Phlebologin im Umkreis. Diese stellte mir dann tatsächlich die Diagnose Lipo-Lymphödem. Ich musste also erst 30 Jahre alt werden und etliche Ernährungsprogramme durchlaufen, bis mir endlich eine Medizinerin nachvollziehbar erklären konnte, wieso meine Beine so viel dicker waren als der Rest meines Körpers. Im Nachhinein ist mir nun auch klar, wieso ich so häufig Hämatome hatte, wieso mich herkömmliche Socken ohne extrabreiten Rand so einschnitten, oder wieso mir die geliebten Rollerblades irgendwann solche Schmerzen im Schienbeinbereich bereiteten, dass ich einfach nicht mehr damit fuhr.

Gummistiefel haben mir noch nie gepasst

Durch die Diagnose spürte ich eine enorme Erleichterung. Ich war nicht schuld daran, dass meine dicken Waden noch nie in normale Stiefel, ja nicht einmal in Gummistiefel, hineingepasst haben. Es lag nicht an mir, dass mir keine normale Hose im Kaufhaus passte.

Zugleich war ich aber auch traurig darüber, dass ich an einer Krankheit leide, die nicht nur als „chronisch“, sondern auch als „fortschreitend“ definiert wird. Die Vorstellung, durch eigene Kraft nichts an meinem gesundheitlichen Zustand verbessern zu können, machte mir schwer zu schaffen. Ich bin ein Mensch, der sich – wenn es sein muss – für alles motivieren kann. Sieben Jahre lang trainierte ich zwei- bis dreimal die Woche Taekwondo. Wir Kinder und Jugendliche mussten unter der Aufsicht des strengen Meisters bis zu 100 Liegestützemachen. Ich weiß noch, dass ich mir einmal in einem Sommer selbst auferlegt hatte, auf Speiseeis und sonstigen Süßkram zu verzichten, und dies natürlich auch durchgezogen habe. Und jetzt sollte es etwas geben, was ich weder mit harter Disziplin noch mit ausreichender Motivation bewältigen können sollte?

Christina am Strand und beim Karate

``Denken Sie über eine Liposuktion nach!``

Die Phlebologin erwähnte bereits in unserem ersten Gespräch die „Liposuction“ als Lösungsmöglichkeit. Das Wort klang nicht nur aufgrund der englischen Aussprache furchtbar fremd, auch der Gedanke einer Schönheits-OP war und ist mir immer noch fern. Damals hatte ich natürlich nur Geschichten über Frauen im Kopf, die schon schön waren und noch schöner werden wollten. Dass mit der OP die physischen Schmerzen genommen werden können und die Optik aber auch nicht zwangsläufig besser werden muss, war mir noch nicht bekannt.

Von meiner Oma, die den zweiten Weltkrieg miterlebt hatte, habe ich die Einstellung übernommen, dass man froh sein soll, wenn man zwei Beine hat, die einen durchs Leben tragen. Ob diese Beine jetzt kurz oder lang, dicker oder dünner sind, ist doch egal, Hauptsache man hat überhaupt Beine. Tatsächlich war ich trotz meiner kurzen und dicken Beine selten unglücklich. Und wenn, dann lag das nicht an meinen Beinen. Meinen früheren Freunden und meinem Mann gefiel ich ja auch so wie ich war. Und bisher hatte ich ja auch noch keine starken Schmerzen; mit der Optik einer Hosengröße 42/44 kam mein Selbstbewusstsein zurecht. Die Liposuktion war also erstmal kein Thema für mich.

Wie mein Weg mit dem Lipo-Lymphödem in der Schwangerschaft weiterging, erzähle ich euch in meinem nächsten Beitrag.

Ich danke allen Leserinnen und Lesern für das Interesse!

Herzliche Grüße
Christina

1 Kommentare
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Christel

Hallo Christina, Du bist eine sehr tapfere, intelligente Frau! Du gehst voller Selbstbewusstsein durch‘ s Leben! RESPEKT! Ich bewundere Dich!!!

am 19.07.2018 | 18:47

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