Anne
04.Oktober 2018 | Mein Lipödem

Wie bringe ich meinem Umfeld bei, dass ich an dem Lipödem leide?

Hallo ihr Lieben!

Ich bin die Anne! Ich bin 22 Jahre jung, studiere Betriebswirtschaft, komme aus dem schönen Oberfranken und bei mir wurde im März 2018 Lipödem Stadium II festgestellt. Mein Weg bis zur endgültigen Diagnose war ein ständiges auf und ab, was viele von euch bestimmt auch kennen. Von „Sie sind kerngesund“ bis „Sie haben eine Lipohypertrophie“ war gefühlt alles dabei. Umso mehr war es für mich eine unglaubliche Erleichterung, nun letztendlich die richtige Diagnose bestätigt zu bekommen, den Verdacht auf Lipödem hatte ich nämlich schon seit dem Jahr 2016.

Vor der Diagnose Lipödem

Wenn die Schmerzen zunehmen, Sport und gesunde Ernährung nicht mehr helfen und man allmählich die Kontrolle über seinen eigenen Körper verliert, ist man natürlich erstmal verzweifelt. Was mache ich falsch? Was kann man dagegen tun? Womit habe ich das verdient? All diese Fragen blieben unbeantwortet. Glücklicherweise bin ich damals auf das Thema Lipödem aufmerksam geworden, und auf einmal ergab alles einen Sinn: Alle Symptome trafen auf meinen Körper zu.

Natürlich habe ich mich mit den Menschen in meinem direkten Umfeld darüber unterhalten, aber das Thema wurde meistens unter den Tisch gekehrt. Sätze wie: „Dann ernähre dich doch gesund“, „Mach doch mal Diät und treibe mehr Sport“ und so weiter bekam ich oft zu hören. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich vorerst zurückgezogen und verschiedene Arzttermine ausgemacht, um das ganze mal untersuchen zu lassen.

Diagnose Lipödem: Erleichterung pur

Endlich! Mein Verdacht hat sich bestätigt! In einer Spezialklinik wurde nach jahrelangem Leiden endlich das Lipödem festgestellt. Normalerweise ist man nach so einer Diagnose sehr niedergeschlagen. Ich habe mich einfach nur erleichtert gefühlt! Zu wissen, dass man nicht selbst schuld an seiner Situation ist, ist ein wahnsinnig aufbauendes Gefühl.

Nach der Diagnose Lipödem

Ab diesem Monat, der Diagnose Lipödem, ging es Stück für Stück bergauf. Die erste Kompression für die Beine wurde ausgemessen, die Lymphdrainagen haben begonnen und letztendlich habe ich auch noch meine Kompression für die Arme bekommen. Endlich wurde mir geholfen! Innerhalb von einem Monat habe ich sogar 5cm an den Oberschenkeln verloren. Mit dem Tragen der Kompression wird man natürlich auch ‚sichtbar‘ für die Mitmenschen.

Glücklicherweise haben die meisten meiner Liebsten verständnisvoll auf die Nachricht der Diagnose reagiert, aber dennoch gibt es einzelne Personen die sich nicht mit der Krankheit Lipödem auseinander setzen wollen und das immer als reines Überwicht abstempeln. Ihr kennt das. Doch wie gehe ich damit um? Und wie kann man seinen Mitmenschen klar machen, dass man an Lipödem leidet?

Wie bringe ich meinem Umfeld bei, dass ich an einer chronischen Krankheit leide?

Ich habe mich dazu entschieden, mich nicht zu verstecken und Aufklärungsarbeit zu leisten. Es leiden so viele Frauen, unter anderem auch Frauen die sich selbst und das Lipödem verstecken. Ich mache mich auch für die Frauen stark, die sich nicht trauen darüber zu reden!

Viele Menschen wollen wissen, was ich denn da an den Armen habe oder warum denn eine Naht hinter an meiner „Leggins“ ist. Das zum Beispiel, ist der perfekte Einstieg, um meine Geschichte zu erzählen. Viele hören gespannt zu und erkennen dann auch was alles hinter dem Lipödem steckt. Jeder Mensch, der meine Geschichte hört, ist ein Mensch mehr, der aufgeklärt wurde und somit ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung passiert. Ich bin natürlich stolz darauf, Menschen darauf aufmerksam zu machen, sodass Sie im Endeffekt nicht so schnell über andere Menschen urteilen. Vorurteile braucht kein Mensch!

Ein weiterer Baustein den ich benutze ist Social Media. Seit kurzem habe ich das ein oder andere Bild in meinen Feed oder in meine Story gepostet, z.B. über meine Kompressionen, und habe unglaublich tolles Feedback erhalten. Ich habe wahnsinnig aufbauende Worte hören dürfen und freue mich immer wieder damit Menschen zu erreichen. Viele sehen sogar den emotionalen Hintergrund, wie viel Kraft die Krankheit Lipödem kostet und wie oftmals die Psyche leidet und dass sich die vielen Risse in der Seele, die sich mit der Zeit ergeben haben, auch nicht mehr so leicht schließen.

Mädels, ich kann euch nur empfehlen, redet über das Lipödem, erzählt eure Geschichte und ihr werdet sehen, ihr bekommt unglaublich viel Verständnis entgegen gebracht. Ja manchmal werden wir vom Leben auf die Probe gestellt, aber nicht um unsere Schwachstellen aufzudecken, sondern um unsere Stärken zu erkennen.

Eure Anne

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1 Kommentare
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Kathi

Anne, das hast Du echt schön geschrieben! Toll, das Du so offen damit umgehst und bei der Aufklärung hilfst. Wirklich klasse!

am 09.10.2018 | 21:34

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