Britta
13.November 2018 | Sport & Gesundheit

Liposuktionen bei Lipödem und was danach kam

Liebe Leserinnen und Leser,

die Entscheidung Lipödem-Fettgewebe durch Liposuktion entfernen zu lassen trifft wohl kaum jemand leichtfertig. Viele lassen sich von einem oder mehreren Ärzten beraten, studieren Broschüren und Prospekte, tauschen sich mit anderen Betroffenen aus, schauen Videos an, durchforsten Social-Media-Kanäle und sammeln dadurch viele Informationen. Einige, und es werden immer mehr, gehen dann den Schritt und lassen sich operieren. Vor den Eingriffen, direkt nach der Operation und in der ersten Heilungsphase halten sie sich an die Empfehlungen der Kliniken und holen Ratschläge der Community ein.

Aber was ist danach? Was ist anders nach der ersten Heilungsphase, wenn die Fäden gezogen, die Schwellungen zurückgegangen, die Umfänge und die Schmerzen hoffentlich deutlich verringert und die Hämatome abgeheilt sind? Von meinen Erfahrungen möchte ich euch in diesem Artikel berichten.

Was passiert nach der Liposuktion?

  • Körpergeruch

Direkt nach den Liposuktionen fiel mir auf, dass ich anders roch als sonst, trotz gleicher Pflegeprodukte und gleichem Duschrhythmus. Der veränderte Körpergeruch hielt ca. vier Wochen an. Mein Hausarzt sagte mir, dass sich der andere Körpergeruch vermutlich auf die unterschiedlichen Medikamente vor, während und nach der Operation zurückführen lässt.

  • Haarausfall, unreine Haut, Finger- und Fußnägel

Jeweils einige Wochen nach den Liposuktionen fielen mir mehr Haare als gewöhnlich aus und obwohl ich mein Gesicht wie gewohnt reinigte und pflegte, bekam ich Mitesser und Pickel. Weiter bemerkte ich, dass meine Finger- und Fußnägel langsamer wuchsen und tiefere Rillen als sonst hatten. Nach ein bisschen Recherche im Internet war klar, dass nicht nur ich diese Beobachtungen machte. Alle diese Symptome habe sich nach einiger Zeit von selber wieder reguliert. Entspannende Termine bei der Kosmetikerin inkl. Maniküre und Pediküre habe ich mir trotzdem gegönnt.

  • Zyklus / Regelblutung

Die Erfahrungen beim Thema Zyklus und Regelblutung sind in der Lipödem-Community sehr unterschiedlich. Bei mir blieb der Zyklus im zeitlichen Ablauf stabil, aber die Intensität der Blutung veränderte sich. Kurz nach den Operationen war die Monatsblutung eher leicht, später dann gefühlt stärker als vor den Liposuktionen, zusätzlich kam der für mich vorher unbekannte „Mittelschmerz“ dazu, den ich auch bis jetzt nicht wieder losgeworden bin. Generell ist es ratsam bei solchen Veränderungen mit dem Gynäkologen zu sprechen.

  • Nervenschmerzen

Schon relativ schnell nach den Fettabsaugungen bemerkte ich ein Kribbeln in den Beinen, sobald ich auch nur einen kurzen Moment still stand. Ein Gefühl, als wenn Ameisen über meine Beine laufen oder ein Tropfen Wasser ganz langsam die Beine herunter läuft. In der Anfangszeit traten diese Nervenirritationen auch beim Tragen der Flachstrickversorgung auf, nach einigen Monaten dann eher abends, nach dem Ausziehen der Kompressionsstrumpfhose. Nach etwas mehr als einem Jahr krabbeln die imaginären Ameisen nur noch selten über meine Beine, zum Beispiel nach langen, warmen Tagen, wenn ich abends im Bad stehe und meine Zähne putze.

Veränderungen nach der Operation

  • Berührungsempfindlichkeit

Mir fiel es nach den Liposuktionen schwer meine Beine bzw. meine Arme zu berühren. Jede Berührung, egal ob von mir selbst oder von jemand anderem, hinterließ ein eigenartiges Taubheitsgefühl. Beim Eincremen sah ich meine Hand auf einer Stelle auf dem Bein liegen, gefühlt lag meine Hand aber ein paar Zentimeter verschoben an einer anderen Stelle. Besonders aufgefallen ist mir diese Berührungsempfindlichkeit nach der Liposuktion der Arme. Ich habe einen Bürojob und immer, wenn ich meine Unterarme auf den Schreibtisch lege, ist da dieses komische Gefühl. An den Beinen ist das Gefühl nach ca. einem Jahr verschwunden. Die Liposuktion der Arme ist jetzt ein dreiviertel Jahr her und langsam wird dieses eigenartige Gefühl weniger.

  • Krampfadern

Ich denke, dass ich nicht die einzige Lipo-Lymphödem-Patientin bin, die Probleme mit Krampfadern hat. Vor meiner ersten Liposuktion musste ich mich einer Krampfaderoperation unterziehen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt behalte ich die sichtbaren Venen in meinen Beinen im Auge. Acht Wochen nach der ersten Liposuktion entdeckte ich eine bläuliche, dicke Krampfader. Ich war entsetzt, die war vorher nicht da gewesen! Leicht panisch habe ich einen Termin bei der Phlebologin vereinbart, die dann einen Ultraschall machte und die Bilder mit denen von der vorherigen Untersuchung verglich – diese Krampfader war zuvor schon da gewesen, nur war sie für mich damals nicht sichtbar, sie war vom Lipödemfett verdeckt gewesen. Vor der zweiten Liposuktion, die an den Unterschenkeln erfolgte, wurde deshalb eine Schaum-Sklerotherapiebehandlung notwendig. Wenn Ihr Bedenken wegen eurer Krampfadern habt, sprecht mit eurem Phlebologen! Allgemein wird empfohlen vor jeder Liposuktion einen Check der Krampfadern beim Facharzt durchführen zu lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass während einer Liposuktion eine Krampfader verletzt wird und es zu Einblutungen kommt.

Liposuktion: Bauch- und Kopfgefühl

  • Bauch

Ein viel diskutiertes Thema ist Lipödem im Bauch. Ich weiß nicht, ob sich Lipödem-Fettgewebe im Bauch bilden kann, aber ich kann aus meiner Erfahrung bestätigen, was ich häufiger in den Facebook-Gruppen, auf Instagram und auch beim Lipödem-Stammtisch mitbekommen habe: mein Bauch hat nach den Liposuktionen an Armen und Beinen an Umfang zugelegt, obwohl ich mein Körpergewicht reduziert habe. Ähnliche Beobachtungen habe ich auch bei der Oberweite gemacht. Meine Lymphtherapeutin behandelt aus diesem Grund meinen Bauch und den Brustbereich intensiver als zuvor, um evtl. Lymphstauungen dort zu lösen. Meine Flachstrickbestrumpfung ist an den Beinen in Kompressionsklasse 2 gestrickt, das Leibteil aktuell in Kompressionsklasse 1. Für die neue Versorgung habe ich meine Ärztin gebeten auch das Leibteil in Kompressionsklasse 2 zu verordnen, in der Hoffnung, dass der Lymphfluss durch die stärkere Kompression im Bauch damit angeregt wird.

  • Migräne

Den ersten dokumentierten Migräneanfall hatte ich erst mit Ende zwanzig. Die Anfälle waren danach eher selten und unregelmäßig. Seit den Liposuktionen reagiert mein Körper schneller mal mit Migräne oder Kopfschmerzen. Ob die Liposuktionen aber wirklich einen Einfluss auf die Häufigkeit der Migräne haben, kann ich nicht beurteilen. Es ist einfach eine Beobachtung von mir.

Liposuktion ist kein Wundermittel

Erlaubt mir bitte noch einen Hinweis: ich möchte mit dieser Aufstellung niemanden erschrecken oder Angst vor einer Liposuktion machen. Trotzdem sollten wir uns darüber im Klaren sein, was für ein großer Eingriff eine Liposuktion ist und wie viel Stress und Veränderung das für unseren Körper bedeutet. Ich bin ein positiv denkender Mensch und ich nehme diese kleinen und die großen Veränderungen in Kauf, weil mir die Liposuktionen viel Lebensqualität zurückgegeben haben.

Was habt Ihr für Erfahrungen nach den Liposuktionen gemacht? Habt Ihr Fragen? Kommentiert gerne unter dem Artikel auf FRAUENSACHE, auf Facebook, auf Instagram oder schreibt mir eine persönliche Nachricht. Ich bin gespannt und freu mich!

Alles Liebe,
Britta

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2 Kommentare
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Christina_Rick

Liebe Britta, Danke für diesen recht persönlichen Beitrag. Bist du inzwischen schmerzfrei? Hatte dein Arzt keine Bedenken wegen des Lymphödems, das du ja bereits vorher hattest? Verrätst du uns, wer dich operiert hat?

am 17.11.2018 | 21:02
Brittka

Brittka
Liebe Christina, vielen Dank für dein Feedback. Die letzte Liposuktion liegt jetzt knapp ein Jahr zurück und seither bin ich in Armen und Beinen (lipödem-)schmerzfrei. Vor den Liposuktionen habe ich mich von mehreren Operateuren beraten lassen, alle hatten keine Bedenken mich trotz bereits bestehendem Lymphödem zu operieren. Warum es bei mir kein Problem war, kann ich leider nicht sagen. Alle drei Liposuktionen hat Frau Dr. Marion Heck-Kneissle in der LipoClinic in Mülheim durchgeführt.

am 22.11.2018 | 08:51

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