Therapie bei Lipödem: Antworten von Prof. Dr. med. Schmeller

Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller

Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller

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Therapie über Lipödem

Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller aus der Hanse-Klinik in Lübeck beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Lipödem. Heute widmet er sich dem Thema Therapie bei Lipödem.

Wie therapiert man das Lipödem?

Im Stadium 1 ist es vorrangiges Ziel, die Schmerzen zu lindern. Häufig hilft bereits das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Manchmal ist aber auch eine Entstauung des Gewebes durch manuelle Lymphdrainage erforderlich. Die Kombination aus Kompression und Entstauung beseitigt oft die Beschwerden und ist für viele Betroffene im Stadium 1 ausreichend.

Die Therapie im Stadium 2 ist meist schwieriger, da stärkere Ödeme und auch mehr Umfang bzw. Volumen vorhanden sind . Die manuelle Lymphdrainage ist weiterhin notwendig. Außerdem kann stärkere Kompressionsbekleidung helfen, die Beschwerden in den Griff zu bekommen und den Umfang zu verringern. Werden die Beschwerden nicht besser, sollte man über eine Liposuktion nachdenken.

Im Stadium 3 ist die konservative Therapie mit manueller Lymphdrainage und Kompression hilfreich. Für Patientinnen, die zusätzlich auch übergewichtig bzw. adipös sind, ist eine Operation oft zu riskant.

Lipödem und Kompression Kann durch tägliches Tragen der Strümpfe der aktuelle Stand gehalten werden oder entwickelt sich das Lipödem trotzdem weiter?

Das ist eine sehr gute Frage, über die früher viel gestritten wurde. Es hat sich leider gezeigt, dass die Progredienz, d.h. das Fortschreiten des Krankheitsbildes, durch eine Kompression nicht verhindert werden kann. Die Kompression vermag allein die Ödembildung im Laufe des Tages zu verhindern oder zu reduzieren, wenn man seine Kompressionsstrümpfe morgens anzieht. Die zunehmende Vermehrung des Unterhautfettgewebes ist damit aber leider nicht zu bremsen. Deshalb ist verständlich, dass viele Betroffene so enttäuscht sind, wenn sie sehen, dass trotz konsequentem Tragen der Strümpfe der Befund (Beinform und Beschwerden) im Laufe der Zeit schlechter wird. Der Strumpf hilft, sowohl das Ödem und damit das Spannungs- und Schweregefühl als auch die Druckempfindlichkeit kurzfristig zu bessern bzw. zu beseitigen.

Welche Art der Kompressionsbekleidung? Reichen Oberschenkelstrümpfe, oder sollte man eine Strumpfhose tragen?

In beiden Fällen wird durch den Druck von außen eine Kompression der Beine ausgeübt und so verhindert, dass sich dort im Laufe des Tages vermehrt Gewebewasser ansammelt. Damit ist das gewünschte Ziel der Maßnahme eigentlich erfüllt. Wenn sich als Folge der Beinkompression aber eine Ödembildung oberhalb der Beine, also im unteren Rumpf entwickelt, dann sollte auch dort eine Kompression erfolgen. Dies kann dann nur mit Hilfe einer Kompressionsstrumpfhose erzielt werden. Manche Frauen empfinden in Bezug auf den Tragekomfort die Stumpfhose prinzipiell auch als angenehmer.

Lymphdrainage bei Lipödem Warum verschreiben viele Ärzte keine Lymphdrainage, obwohl sie hilft?

Das Verschreibungsverhalten der Ärzte ist nicht nur abhängig von medizinischen Notwendigkeiten, sondern wird stark auch durch die Gefahr eines möglichen Regresses bestimmt. Wenn der Arzt sein zur Verfügung stehendes Budget überschreitet, muss er die Kosten der „zu viel rezeptierten“ Medikamente oder Behandlungen selber tragen. Diese Regelung ist für alle Beteiligten ein sehr großes Problem. Hinzu kommt, dass beim Lipödem die Zahl der von der Kasse bezahlten Manuellen Lymphdrainagen sehr viel geringer ist als beim Lymphödem und damit eine Dauerbehandlung oft ein großes Problem ist. Dies ist Folge der derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen. Die Kassen argumentieren häufig auch damit, dass beim Lipödem – im Gegensatz zum Lymphödem – der morgens angezogene Strumpf zur Ödemverhinderung oft „ausreicht“. Dies ist aber leider nicht immer so.

 

 

Beste Grüße,
Prof. Dr. W. Schmeller 

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