
Ich komme gerade von einem Präsenztreffen meiner Online-Selbsthilfegruppe für Lip- und Lymphödem-Betroffene und ganz ehrlich:
Früher hätte ich selbst gedacht, das ist nichts für mich.
Dieses Wort hat einfach ein Image. Stuhlkreis. Alle müssen reden. Viel Jammern.
Und ja… der Stuhlkreis ist tatsächlich da. Aber alles andere? Stimmt so einfach nicht.
Was viele nicht wissen: Du musst dort gar nichts.
Du darfst einfach da sein. Zuhören. Ankommen.
Es ist ein geschützter Raum, in dem eine der wichtigsten Regeln gilt:
Was dort gesagt wird, bleibt dort. Und genau das macht den Unterschied.
Du sitzt plötzlich zwischen Menschen, die verstehen, ohne dass du lange erklären musst. Die wissen, wie sich bestimmte Tage anfühlen.
Die nicht urteilen.
Ich habe durch meine Gruppe so viele tolle Menschen kennengelernt und oft bleibt es nicht nur bei diesen Treffen.
Man bleibt noch stehen, redet weiter, lacht, tauscht Nummern aus. Und aus einem „Wir sehen uns hier“ wird plötzlich mehr.
Freundschaften entstehen. Echte Verbindungen.
Viele treffen sich auch außerhalb der Gruppe:
Zum Spazierengehen, auf einen Kaffee oder ganz bewusst zum Sport.
Gerade Aquafitness oder andere Bewegungsangebote werden gemeinsam viel leichter.
Man motiviert sich, zieht sich mit und fühlt sich nicht mehr allein.
Aus einem Termin im Kalender wird plötzlich ein kleines Netzwerk, das trägt.
Am Wochenende waren auch wieder Facebook-Gruppen Thema und wenn wir ehrlich sind: Was dort teilweise passiert, ist schwierig.
Da stellt jemand eine Frage und wird angegriffen.
Hilfe? Oft rar.
Dafür umso mehr Halbwissen oder falsche Aussagen. Das kann verunsichern. Und manchmal auch verletzen.
Und dass meistens dann noch anonym.
Da ist eine Online-Selbsthilfegruppe die sich in einem virtuellen Raum oder eine Vorortgruppe was ganz anderes.
Wir müssen dieses Stigma endlich loslassen.
Eine Selbsthilfegruppe zu besuchen ist kein Zeichen von Schwäche sondern von Stärke.
Dort sitzen Menschen, die ihre Erfahrungen teilen, ihr Wissen weitergeben und sich gegenseitig auffangen.
Du gehst nicht nur mit neuem Wissen nach Hause. Du gehst mit dem Gefühl, verstanden zu werden. Mit mehr Vertrauen in dich selbst und mit der Gewissheit, nicht allein zu sein.
Mit Kontakten, die bleiben.
Und manchmal nimmst du genau das mit, was man am Anfang am wenigsten erwartet hat:
Menschen, die dich wirklich verstehen.
Alles Liebe,
Deine Sabine
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3 Kommentare
Sehr spannender Beitrag, wenn ihr euch über FB trefft – nimmt das jedes Alter an? Sich online zu treffen ist oft einfacher. Habt ihr in der SHG auch eine Trainerin für “bewegte Maßnahmen”?
@Susanne: Hallo Susanne, die Online-SHG trifft sich nicht über FB sondern über ein Teams-Meeting. Schau gerne mal bei der Lymphselbsthilfe auf der Homepage nach. Die SHG nennt sich LiLyOn.
In meiner SHG vor Ort, machen wir immer ein paar bewegte Einheiten, aber jetzt nicht mit einer zertifizierten Trainerin, es sind mittlerweile Personen dabei, die über mehrere Jahre Erfahrungen haben und wissen, wie man die Lymphe in Schwung bringt mit kleinen Übungen.
Hallo, ich habe selbst vor zwei Jahren eine SHG gegründet und alle beteiligten profitieren enorm von unseren regelmäßigen Präsenztreffen. Es wird gequatscht, geweint und gelacht. Auch bei uns bleibt alles in unsere Gruppe. So können auch mal Dinge besprochen werden, wo sonst keiner Verständnis für hat. Es wird mir jedes mal bewusst, wir sind alle nicht allein und haben oft auch AHA Momente😊
Ich bin sehr glücklich den Schritt gegangen zu sein und meinem Arbeitgeber sehr dankbar, dass er uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt!