
Ich hab dort meine erste Kompression bekommen, hatte mich damals für die Farbe Peach entschieden und war dann ehrlich gesagt ziemlich irritiert, als ich sie abgeholt habe, mir wurde sie einfach in die Hand gedrückt und ich sollte erstmal 60 € Zuzahlung leisten, ohne große Erklärung.
Damals wusste ich auch noch nicht, dass man eine Kompression reklamieren kann, wenn sie nicht richtig passt, ich war komplett am Anfang, es war kurz vor Corona und ich hab sie einfach angezogen, obwohl sie nicht gut saß und hab mich damit wund gescheuert.
Über Social Media habe ich dann irgendwann erfahren, dass für mich eine Flachstrickversorgung viel besser geeignet wäre, ich hatte Glück, dass mein Hausarzt super kooperativ ist und mir eine neue Versorgung als Wechselversorgung aufgeschrieben hat. Da ich mich im ersten Sanitätshaus nicht gut beraten gefühlt habe, bin ich in ein anderes gegangen.
Dort wurde ich zwar vermessen, aber die Situation war für mich alles andere als angenehm, ich lag halb nackt auf einer Liege und während des Ausmessens kam dann noch ein Kommentar in die Richtung, wie man es überhaupt so weit kommen lassen kann, da hab ich schon gemerkt, hier fehlt einfach Verständnis für Lipödem und auch Empathie.
Die Kompression passte einfach nicht. Sie rutschte ständig und ich fühlte mich darin überhaupt nicht wohl. Irgendwann trug ich sie nur noch selten, bis sie schließlich in der Ecke verschwand. Ich war überzeugt, dass ich die Schmerzen eben aushalten müsse. Schließlich hatte ich das jahrelang getan. Dass eine gut sitzende Kompression den Alltag so spürbar erleichtern kann, wusste ich damals noch nicht. Heute kann ich mir meinen Alltag ohne dieses Gefühl der Unterstützung kaum noch vorstellen.
Nach Corona bin ich dann in eine Selbsthilfegruppe gegangen und habe dort zum ersten Mal wirklich hilfreiche Tipps bekommen, worauf ich achten sollte. Also suchte ich mir wieder ein neues Sanitätshaus und wollte der Flachstrickversorgung eine neue Chance geben.
Diesmal war es eher ein Orthopädiewerkstatt, das Ausmessen fand in einer kleinen Kammer statt, vorallem war der Mitarbeiter respektvoll, ich habe mich beim Ausmessen nicht unwohl gefühlt. Nur leider hat es oft an der Umsetzung gehapert, falsche Abschlüsse, falsche Fußspitzen, immer wieder kleine Dinge, die im Alltag einfach nerven.
In meiner Reha wurde ich komplett neu beraten und mir wurde eine zweiteilige Versorgung empfohlen, mit diesen Maßen bin ich wieder ins Sanitätshaus gegangen, hab gesagt, dass ich damit gut zurechtkomme, aber hier und da noch kleine Anpassungen schön wären – leider hat auch das nicht funktioniert,
Und da wurde mir klar, das ist einfach nicht mein Sanitätshaus.
Ein Wendepunkt war dann, als sich Juzo zusammen mit meiner jetzigen Sanifee in unserer Selbsthilfegruppe vorgestellt hat, sie war mir direkt sympathisch und ich habe mich entschieden, meine nächste Versorgung bei ihr machen zu lassen, obwohl ich dafür weiter fahren muss.
Schon beim ersten Termin war es ein ganz anderes Gefühl, ein ruhiger Raum, kein Vorhang, keine Abstellkammer, ich konnte meine Situation in Ruhe erklären und sie hat sich wirklich Zeit genommen, hat mir zugehört, mir Alternativen gezeigt und vor allem keinen Druck gemacht.
Was für mich auch ein riesiger Unterschied war, sie arbeitet mit mehreren Herstellern und war total offen dafür, verschiedene Versorgungen auszuprobieren, ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, ich darf wirklich herausfinden, was zu mir passt.
Und dann kam dieser eine Satz, den ich vorher auch noch nie gehört hatte:
Nimm die Kompression mit nach Hause, wasch sie täglich, trag sie zwei Wochen und wenn irgendwas nicht im Alltag passt, melde dich, dann schauen wir nochmal drüber.
Ganz ehrlich, hätte ich das früher gewusst, hätte ich mir wahrscheinlich Jahre an Frust sparen können.
Ich habe am Ende fast fünf Jahre gebraucht, um die passende Kompression für meinen Alltag zu finden und ich bin mir sicher, dass das ganz viel mit dem richtigen Sanitätshaus zu tun hat, mit der Beratung, mit dem Gefühl beim Ausmessen und auch mit der Sympathie.
Denn wir machen uns dort nun mal wortwörtlich nackig und da sollte man sich einfach wohlfühlen.
Aktuell trage ich einen Bolero und eine zweiteilige Versorgung mit Kniestrümpfen und Leggings und wir überlegen, ob wir auf Oberschenkelstrümpfe mit Bermuda oder Leggings wechseln, meine Sani sagt, es wäre möglich, aber die Entscheidung liegt bei mir und genau das schätze ich so sehr, dieses Mitentscheiden dürfen.
Klar, es könnte noch besser werden, aber auch schlechter und wir wissen alle, eine Versorgung begleitet uns mindestens sechs Monate.
Das richtige Sanitätshaus macht einen riesigen Unterschied: Nicht nur bei der Passform, sondern auch beim Gefühl.
Eure Sabine
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