
Hallo ihr Lieben,
seit ich das letzte Mal einen Beitrag verfasst habe, ist sehr, sehr viel Zeit vergangen. In der Zeit ist ebenso viel in meinem Leben passiert, so dass das Schreiben von Beiträgen in den Hintergrund gerückt ist. Jetzt möchte ich euch aber erzählen, was alles passiert ist. Um zu zeigen, WAS alles möglich ist mit Lipödem – wenn wir nur bereit sind, täglich unser Bestes zu geben, viel zu arbeiten und niemals, niemals aufzugeben.

Vor 3 Jahren habe ich mit meiner Reise angefangen, nach der Operation meines Massenprolapses (▷ Lipödem Blog: Das Lipödem und die Bandscheiben – eine Hassbeziehung (Teil 1) | FRAUENSACHE und ▷ Lipödem Blog: Das Lipödem und die Bandscheiben – eine Hassbeziehung (Teil 2) | FRAUENSACHE). So schwer und hart diese Wochen für mich auch waren, so haben sie mir etwas sehr, sehr wichtiges, sehr großes geschenkt: Mein neues Leben. Besser gesagt, den Startschuss in mein neues Leben. Ich habe angefangen, endlich Gewicht zu verlieren, ich wollte mich endlich wieder wohlfühlen in meinem Körper. In über einem Jahr nahm ich 25 Kg ab.
Ich meldete mich in einem Fitnessstudio an, startete mit Krafttraining nach einem Trainingsplan des Studios und hielt weiterhin mein Gewicht ca. 2 Jahre lang. Mein Training wurde immer ambitionierter, mein Körper formte sich langsam ein wenig. Meine Ernährung war konstant sehr gut, gesund, vielfältig, ausgewogen, mit wenigen Ausnahmen. Bis ich irgendwann zum einen an einen Punkt kam, an dem es nicht mehr weiterging, mein Gewicht blieb gleich, ich wollte damals auch nicht mehr unbedingt gewichtsmäßig abnehmen. Aber ich wollte athletisch aussehen. Ich wollte, dass man mir, und vor allem ich mir selbst, mein Training ansieht. Bereits an dieser Stelle wurde mir klar, dass mein Krafttraining ins Bodybuildung übergehen würde und sollte.
Ich wollte mehr. Mir Ziele setzen, diese erreichen, neue Ziele setzen, es wieder schaffen. Mich immer neu herausfordern. Das, was ich tat, war super, keine Frage, aber da musste noch mehr gehen. Also steckte ich mir ein sehr hohes Ziel. Ich wollte sehen, was ich aus meinem Lipödem noch machen kann. Wie es sich noch verändern kann, wenn ich nur eisernen Willen habe.
Nach langer Recherche über Google und Instagram, bekam ich im April 2025 auf meine Initiative hin Kontakt zu einem Bodybuilding-Coach. Wir tauschten uns aus, er erhielt eine genaue Beschreibung und Fotos von mir und von meinen Wünschen. Er nahm mich als Klientin auf, um mich zu begleiten und mich richtig vorzubereiten auf meinem Weg zur Wettkampfbühne. Mein Ziel, dass ich mir für 2027 gesteckt habe.
Ich möchte eine richtige Bühnenathletin werden. Der Weg dorthin ist sehr, sehr hart. Vor allem die letzten Wochen und Monate vor einem anstehenden Wettkampf, die gezielte Vorbereitung darauf, um das bestmögliche „Paket“ auf die Bühne zu bringen – genug, aber nicht zu viel Muskelmasse, schlank, feminin, athletisch, bei sehr wenig Körperfett, keine Cellulite – das sind die Anforderung. Challenge accepted.
Aber allein bis zu einer Anmeldung steht im Jahr 2026 noch sehr viel Arbeit an. Fettabbau- und Muskelaufbauphasen. Im Jahr 2026 wird sich auch bis Ende des Jahres zeigen, was aus meinem Lipödem noch wird. Das möchte ich gemeinsam mit einem professionellen Coach schaffen.

Heute sind 7 Monate im Coaching um, der 8. Monat läuft an. Was ist in dieser Zeit geschehen? Im Mai 2025 bin ich mit 61,8 Kg ins Coaching gestartet. Nach den 5 Monaten war mein niedrigstes Gewicht letzte Woche, Ende Oktober, bei 56,6 Kg. Mein Körper hat sichtbar einiges an Fett abgebaut, ich sehe nun immer mehr Definition. Das ist sehr gut. Nach 5 Monaten Diät und Kaloriendefizit habe ich nun nur noch eine kurze Diätphase vor mir, bevor ich in eine Muskelaufbauphase mit einem leichten Kalorienüberschuss gehe (und auch wieder etwas zunehmen werde, allerdings möglichst viel fettfreie Muskulatur). Ich habe in den vergangenen Monaten eine erfolgreiche Body Recomposition absolviert, welche sich dadurch auszeichnet, dass man mit einem leichten Defizit an Kalorien und wenig Gewichtsverlust Fett abbaut und gleichzeitig Muskulatur aufbaut – kein einfacher Weg.
Was hat sich bei meinem Lipödem getan?
Nun, eine ganze Menge. Ich habe keinerlei Schmerzen mehr. Allenfalls kurz vor meiner Periode spüre ich meine Beine noch, jedoch lange nicht mehr so schlimm, wie es vor einigen Monaten noch war. Im Coaching habe ich eine komplett neuen Trainingsplan erhalten. Ich trainiere weiterhin 4x die Woche, meine Beine nehme ich 2x die Woche aufs Korn. Ich trainiere sehr hart. Das heißt, ich wähle die Gewichte so, dass ich bei 6-8 Wiederholungen bin. Sobald ich 10-12 schaffe, erhöhe ich das Gewicht. Ich trainiere also schwer und progressiv.
Meine Beine sind im Vergleich zu vor 3 Jahren, als ich übergewichtig war, wesentlich schlanker geworden. Die Optik hat sich massiv verbessert. Natürlich sind noch die typischen Knötchen tastbar, so ist es nicht. Allerdings sind meine Beine wesentlich straffer geworden. Zudem hatte ich früher immer eine Art „zweite Pobacke“ unter der normalen Pobacke. Diese hat sich verabschiedet. Sie ist nicht mehr da. Die blauen Flecke sind weniger geworden und es ist nicht mehr so häufig, dass aus dem Nichts plötzlich dicke blaue Flatschen da sind. Meine Quads (Quadrizeps-Muskeln) an meinen Oberschenkeln sind bereits spürbar. Ich kann sie anspannen und sie fühlen sich fest und hart an. Es ist eine leichte Wölbung nach außen zu sehen. Je nachdem, wie ich stehe, kommt auch meine Wadenmuskulatur bereits heraus. Obwohl noch genug Lip-Fett an den Schenkeln vorhanden ist. Meine Muskulatur ist bereits stärker als das Lipödem. Darauf bin ich wahnsinnig stolz. Früher hätte ich von Beindefinition niemals zu träumen gewagt und plötzlich fangen meine Beine an, schön zu werden.
Bei genauem Hinsehen kann man nun nach Abnahme und Fettverlust erst Recht eine Diskrepanz zwischen meinem sehr schlanken und bereits athletisch definierten Oberkörper und meinen dazu unpassend dickeren, nur leicht definierten Beinen sehen. Laien sehen das eher nicht. Selbst andere Betroffene würden es nicht sehen auf den ersten Blick. Allerdings fällt es mir auf. Aber daran arbeite ich täglich und mit sehr guter, professioneller Unterstützung.

Ende Oktober hatte ich einen Termin bei meinem Phlebologen für meine neue Kompressionsversorgung, zusammen mit der halbjährlichen Verlaufskontrolle. Er bat mich, ihm meine Beine zu zeigen. Als ich unten ohne vor ihm stand, war er völlig fassungslos. Er besah meine Beine von allen Seiten und tastete. Dann fragte er, ob ich mich habe operieren lassen. Als ich verneinte, war er völlig baff. Er ging zu seinem PC, schaute in meine Akte der letzten Jahre. „Als Sie das erste Mal bei uns waren, haben wir Ihnen Stadium 2 diagnostiziert“, sagte er. Diese Diagnose hatte ich damals auch von 2 weiteren Arztpraxen erhalten. „Sie haben Beine, da würden andere Frauen am Strand für töten!“ Ich musste lächeln über die Aussage. Und dann sagte er etwas, womit ich noch weniger gerechnet hätte: „Das ist kein Stadium 2! Sie haben kein Stadium 2 mehr.“
Natürlich fragte er nach meinen Schmerzen, diese sind allerdings so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Das ist das Allerwichtigste für mich. Er wollte wissen, wie ich das angestellt habe und ich erzählte von meiner Abnahme, meinem Training und meiner Ernährung. Dieser Arztbesuch hat mich sehr glücklich gemacht, mich etwas erleben lassen, was ich noch vor einigen Monaten selbst nicht für möglich gehalten hätte und mir gezeigt, was geschehen kann, wenn man immer kämpft, jeden Tag an sich arbeitet und niemals aufgibt. Es war ein Meilenstein für mich.
Insgesamt hat sich einfach alles an mir verändert, körperlich wie charakterlich. Ich bin ein neuer Mensch geworden. Ich bin so viel stärker geworden, sowohl von der Muskelkraft her, als auch meine Beine, mein Mindset und mein Charakter. Lange Laufen, viel unterwegs, langes Sitzen, Hitze, zwei, drei Tage ohne Kompression, all das ist kein Problem mehr. Langes Stehen kann unangenehm werden, aber auch nicht mehr so schlimm wie früher mal, wie z.B. bei meinem Konzertbesuch.
Ich kann normale Stiefel und enge Jeans tragen. Ich zeige Bein und trainiere in Shorts. Das hätte ich mich früher niemals getraut. Meine Beine sind schlank und wesentlich glatter, straffer und fester geworden. Sie formen sich langsam, ebenso wie mein Po.
Ich esse fast nur noch gesund, sehr ausgewogen, achte penibel auf gute Makronährstoffverteilung und weiß, was in welchen Lebensmitteln drin ist, was gut ist und was eher schlecht und wir nur glauben, dass es gesund sei. Ich mache kein Low Carb und habe keine bestimmte Ernährungsform.
Ich bekomme in jedem Geschäft meiner Wahl, auch in Billiggeschäften, immer passende Kleidung. Es gibt kein „Die haben kein XL“ mehr. Kein „Die Sachen fallen viel zu klein aus!“ mehr. Keine Verzweiflung mehr beim Einkaufen, kein schlecht-fühlen mehr, weil ich nicht mehr in ein L passe.
Mein ganzes Denken hat sich verändert. Ich habe selbst erfahren und weiß, was alles möglich ist.
Ich freue mich so sehr auf alles, was noch kommt und auf meine Zukunft, auf die nächsten Monate und Jahre. Ganz egal, wie schwer und hart manches werden wird, ich nehme es an und freue mich. Auf neue Herausforderungen. Über meine Grenzen zu gehen und dabei zu wachsen. Auf den weiteren Prozess. Ich bin stark und bereit, alles zu meistern – und auch meine Beine sind es.
Bitte, gebt niemals auf! Arbeitet an euren Wünschen und Zielen, dann werden sie wahr. Nehmt Herausforderungen an, setzt euch Ziele, träumt groß. Wir können alles schaffen.
Alles Liebe
Sarah
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