FRAUENSACHE-Bloggerin Tanja im Interview

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Tanja Bloggerin FRAUENSACHE

„Du bist nicht die Krankheit. Versuche mit der Krankheit zu leben und dich nicht von ihr beherrschen zu lassen. Überwinde deinen inneren Schweinehund und trau dich was.“

Tanja macht gerne Pilates in ihrer Freizeit und durch diesen Sport wurde ihr auch erst bewusst, was es bedeutet, Lipödem zu haben. Sie kämpft sich durch und weiß heute wie sie mit Lipödem am besten leben kann.

Wie kam es zu Deiner Lipödem Diagnose?

Das war im Prinzip purer Zufall. Ich hatte vor über einem Jahr einen Kreuzbandriss und war bei einer Physiotherapeutin in Behandlung. Nach der zweiten Behandlung fragte sie mich, ob ich denn schon mal was vom Lipödem und Lymphödem gehört habe. Sie meinte, sie haben Patienten damit und die starke Vermutung, dass ich ein Lipödem habe. Sie wolle mir aber keine Angst machen und mir raten einen Arzt zu konsultieren. Bei einem Phlebologen habe ich glücklicherweise relativ zügig einen Termin bekommen. Die Wartezeiten für einen Termin bei einem Phlebologen können auch mal lang sein. Man sollte sich aber davon nicht entmutigen lassen und einen Termin machen. Der Arzt stellte dann letztendlich fest, dass ich das Lipödem im Stadium zwei auf dem Weg Richtung Stadium drei habe.

Wie hältst Du Dich gesund und fit?

Bei der Ernährung ist es so, dass meistens noch der innere Schweinehund siegt, aber da beschäftige ich mich auch gerade mit kohlenhydratarmer Ernährung und schaue, dass ich Informationen sammle. Das möchte ich dann mal austesten, was mir selber guttut. Es herrschen beim Lipödem oder auch beim Lymphödem unterschiedliche Einstellungen. Manche sagen, dass man überhaupt kein Eiweiß essen sollte. Die anderen sagen wiederum man sollte auf Kohlhydrate verzichten. Man muss es wirklich austesten, weil jeder anders ist und die Ernährung ein wichtiger Punkt ist.

Meine Physiotherapeutin bietet präventive Pilates-Kurse an, den ich kurz nach meiner Knieverletzung angefangen habe zu besuchen. Dadurch habe ich auch gleich wieder gelernt, wie ich mein Knie bewegen kann. Pilates macht mir sehr viel Spaß. Ansonsten hab ich letztes Jahr das erste Mal Aquajogging ausprobiert und ich hätte nie gedacht, dass man im Wasser schwitzen kann. Das möchte ich jetzt eigentlich dieses Jahr noch mal anpacken und mindestens einmal die Woche hingehe.

Welche Erfahrungen hast Du persönlich mit Pilates gesammelt?

Es gibt eine Übung, da liegst du seitlich auf dem ganzen Körper und bewegst das obere Bein. Ich merkte, dass mein Oberschenkel drückt und mich in eine schmerzfreie Position gebracht. Ich erklärte meiner Physiotherapeutin, dass es sich so anfühlt als würde ich auf einen Muskel liegen und es unangenehm wäre. Sie erklärte mir daraufhin, dass es eigentlich gar nicht mein Muskel wäre, sondern mein Lipödem! Ich fühlte mich wie ein Patient, der zum Arzt geht, ihm ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wird und er plötzlich Schmerzen verspürt.

Da wurde mir erst richtig bewusst, dass ich den Schmerz schon immer hatte, für mich aber schon längst Alltag geworden war. Nun schauen wir, dass wir in Pilates andere Übungen machen oder ich einfach bei speziellen Übungen ein Balancekissen unterlege. Manchmal beiße ich mich auch durch und motiviere mich selber die Übung jetzt durchzuhalten. Denn sobald ich wieder mit der Übung aufhören, ist der Schmerz auch wieder vorbei und es geht zur nächsten.

Ist Schwimmen für Dich eine gute Alternative zu anderen Sportarten?

Schwimmen hat den Vorteil, dass der Wasserdruck dem Druck der Kompression ähnlich ist.
Deswegen ist alles, was mit Wasser zu tun hat, gut für Lipödem-, Lipo-Lymph- und Lymphödem-Patienten. Ganz gleich, ob du schwimmen gehst, Aquajogging oder Aquagymnastik machst, es ist immer diese Kompressionswirkung da. Trotz der Kompressionswirkung bist du überhaupt nicht eingeschränkt, weil du dich im Wasser freier bewegen kannst, auch weil du dich leichter fühlst.

Beim Aquajogging läuft man im tiefen Wasser mit einem Gürtel. Wir joggen durch das Becken oder dürfen Hampelmann spielen. Ich bin da sogar im Wasser ins Schwitzen gekommen! Es macht mit wirklich sehr viel Spaß. Aber wenn die Blicke immer intensiver und auch unangenehm werden, dann überlegt man sich nochmal, ob man wieder ins Schwimmbad gehen möchte. Unsere Gruppe hielt glücklicherweise gut zusammen und auch die Trainerin hat uns immer wieder motiviert: „Komm, da geht noch was!“

Wer sich mit Kompression beim Sport eingeschränkt fühlt, dem kann ich nur zu einer Wassersportart raten. Gerade bei Wassersportkursen ist das restliche Hallenbad oder Freibad manchmal gar nicht besetzt oder der Kurs findet an einem nicht einsehbaren Platz statt. Trau dich und überwinde dich! Letztendlich siegt das gute Gefühl nach dem Sport.

Thema Mode: Schränkt Dich das Lipödem in Deinem Modestil ein?

Hosen kaufen ist, wie für viele Frauen, eine Katastrophe. Oft ist wirklich das Problem, dass die Hosen am Oberschenkel passen, aber nicht am Bauch. Ich habe das Glück, dass meine Oma gelernte Schneiderin ist und ich mir meine Hosen anpassen lassen kann. Teilweise habe ich auch unterschiedliche Hosengrößen. Ich pendle zwischen 42 und 46, je nachdem wie die Mode gerade geschnitten ist. Das kann einen schon mal frustrieren, zumal das Licht in den Umkleidekabinen auch nicht immer vorteilhaft ist. Wenn man dann plötzlich nur noch in eine Größe 46 passt und man sich viel zu viele Gedanken über die Größe macht, obwohl es letztendlich nur am Schnitt liegt. Da ist man natürlich dann froh, dass es Labels gibt, die ihre Mode auch langsam immer mehr auf uns zuschneiden. So macht dann das Einkaufen auch wieder Spaß.

Und so gewinnt man auch wieder Freude daran, Mode in Verbindung mit Kompression zu stylen. Ich kenne viele Mädels, die sich mittlerweile trauen Röcke und Kleider mit ihrer Kompressionsversorgung zu tragen und komplett auf Hosen verzichten. Das Bein sieht fester und schmaler aus und es gibt einen mehr Beweglichkeit.

Vielen Dank für das tolle Interview, Tanja!

Euer FRAUENSACHE-Team

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