Kathi
11.April 2019 | Mein Lipödem

Leben mit Lipödem – „Ja“ zur Kompression

Beim Lipödem und der Kompression gibt es die zwei großen Fragen – „Kompression tragen oder nicht tragen“ und „Kompression oder Liposuktion“. Die Antwort muss jede Betroffene für sich selbst finden. Sie sollte sich nur der jeweiligen Konsequenzen bewusst sein. Meine Konsequenz heißt „mehr Lebensfreude dank Kompression“.

„Kompression tragen oder nicht tragen“

Nach Erhalt der Diagnose hat sich diese Frage für mich eigentlich gar nicht gestellt. Schon mit der ersten Versorgung spürte ich die Verbesserung. Weniger Berührungsschmerzen, kaum noch Kribbeln in den Beinen am Abend, längeres Durchhaltevermögen im Sitzen, Stehen und auch Gehen. Ganz besonders im Gehen. Rückwirkend betrachtet ganz schön dumm war ich, dass ich die Kompression zu Beginn beim Sport weggelassen habe. Anfangs, weil ich nur 2 Versorgungen hatte und mit dem Waschen nicht richtig hinterher kam. Dann, weil mir das schlichtweg zu unbequem war. Das, so glaube ich, ist jedoch der Grund dafür, warum das Lipödem an den Beinen mehr geworden ist.

Beim Laufen spürte ich wie das Fett am Hintern und den Oberschenkeln gewackelt hat. Auf die Idee, dass das Bindegewebe in Mitleidenschaft gezogen wird und das Lipfett sich dadurch noch besser verbreiten kann, kam ich leider erst später. Eine-Hosengröße-mehr später.

Meine Antwort auf die Frage „Kompression tragen oder nicht“ ist daher ein deutliches „JA“, wann immer es geht. Einen Tag ohne „gönne“ ich mir hin und wieder. Zum Beispiel wenn ich mal wieder denke, dass sie beim Couchtag nicht nötig sei. Die Quittung erhalte ich spätestens am Abend, wenn ich vor lauter Schmerzen nicht einschlafen kann.

„Kompression oder Liposuktion“

In meinen letzten Beiträgen habe ich meine Strategien zur Entscheidungsfindung mit euch geteilt. Meine Entscheidung lautet, dass ich mir die Liposuktion (noch) nicht leisten möchte. Einen Sparplan habe ich. Meine Patientenakte habe ich. Aber vor allem habe ich eines – mehr Spaß am Leben seit ich die Kompression trage! Im letzten Sommer habe ich meine ersten Chino-Shorts gekauft. Und auch angezogen! Ich möchte Kleider tragen und Röcke, kurze Röcke! Noch nie zuvor hatte ich so viel Spaß an Mode wie jetzt.

Auch ich finde nur schwer passende Anziehsachen. Am Hintern zu eng und doch an den Beinen zu lang. Passt es an den Armen, dann ist es am Busen zu weit. Das Shoppen ist noch immer kein Vergnügen für mich und ich bin dankbar um die Geduld meines Paketbotens. Wenn ich dann aber ein passendes Kleidungsstück gefunden habe, dann zeige ich mich richtig gerne damit. Am liebsten, wenn man auch die Kompression sieht. Ich gehe nun lieber raus als früher.

Das ganz persönliche Für und Wider für sich abwägen

Nach einer (erfolgreichen) Liposuktion wäre das Fett weg, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich meine weißen, mit schimmernden Venen besetzen Beine plötzlich zeigen wollen würde. Gleiches gilt für meine Arme. An meiner rechten Hand bis hoch zur Schulter habe ich ein Feuermal. Unter der Haut und daher nicht ganz so auffällig. Und doch ist es mir unangenehm. Dank Bolero und Handschuhe sieht man es jetzt nicht mehr.

Die Kompression ist sicherlich auch ein bisschen wie ein Panzer. Ich verstecke meine Haut darunter. Doch dank diesem Panzer habe ich schon einige Mauern eingerissen. Ich habe viele neue Bekanntschaften und auch Freunde gefunden.

Ich kann mir für mich nicht vorstellen, dass ich so an meinem Lipödem gewachsen wäre, wenn ich mich gleich hätte operieren lassen.

Für mich ist die Kompression ein Gewinn und ich möchte sie aktuell nicht mehr missen. Ich wünsche dir, dass es dir genauso gut mit ihr geht wie mir!

Deine Kathi

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