Romana
07.September 2017 | Beruf & Karriere

Jobsuche mit Kompression – Von Eindrücken und Erlebnissen

Hallo! Ich bin Romana, 28 Jahre Künstlerin in sämtlichen Bereichen, gelernte Kauffrau für Bürokommunikation sowie Katzenliebhaberin, komme aus dem schönen Hessen und habe meine Diagnose eines Lipolymphödems seit Sommer 2016. Allerdings befinde ich mich schon im Stadium 2 und meine Arme sind ebenfalls betroffen. Somit bin ich also auch zur glücklichen Trägerin einer Armkompression geworden.

Jobsuche mit Kompression

Wie für viele Betroffene war für mich die Diagnose ein Schock, aber auch später eine Erleichterung endlich zu wissen, was man hat. Leider habe ich es, wie so viele, nicht schonend beigebracht bekommen, stand erst einmal vor einer langen Informationssuche über mich und diese Krankheit.
Letzten Oktober wurde dann auch noch ein stark ausgeprägtes Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert, eine Entzündung der Schilddrüse. Kein leichter Stoff, denn viele von uns haben zusätzlich zum Lip-, Lymph- oder dem Lipolymphödem Begleiterkrankungen.

Vor kurzem war ich auf neuer Jobsuche und war nun auch mit dem Thema Armkompression im Vorstellungsgespräch konfrontiert. Soll ich sie anziehen? Wenn ja, was denkt der Arbeitgeber? Habe ich dann schon gleich verloren, wenn er sieht, dass ich eine chronische Krankheit habe? Mit Vorstellungsgesprächen habe ich Erfahrung, da ich u.a. im Personalbereich gearbeitet habe und einschätzen kann was ein Personaler für einen ersten Eindruck bekommt. Ich musste verinnerlichen mich als Ganzes mit der Armkompression zu sehen. Es ist so, dass wir uns auf Jobsuche im Vorstellungsgespräch verkaufen müssen.

Ich möchte euch nun ein paar zusammengefasste Tipps geben, die vielleicht nicht nur im Vorstellungsgespräch, sondern durchaus in anderen Alltagssituationen für euch hilfreich sind.
Vorab, schämt euch niemals weder für eure Bein- noch Armkompression! Jeder der dies schon vorab ins Lächerliche zieht, gehört nicht wertgeschätzt. Sie sind jetzt ein Teil von euch genau wie diese Krankheit. Eine Krankheit lässt sich nicht einfach ausziehen, basta! Aber wir können die Armkompression schön gestalten, womit sie dennoch ihren Zweck erfüllt und gleichzeitig aber die Eleganz und Professionalität für ein Vorstellungsgespräch ausstrahlt.

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Stellt eurer Outfit einen Tag vorher, inklusive der Kompressionen zusammen und achtet darauf nicht allzu auffällige Farben auszuwählen. Farben, die hier immer seriös wirken sind: schwarz, hautfarben, grau, dunkelblau oder auch weiß. Wenn Ihr z. B. ein Muster von medi mit Ornamenten habt ist das ebenfalls völlig legitim. Wichtig ist es hier das Outfit nicht zu überladen. Also nur ein Highlight setzen und der Rest dezent beispielsweise eine weiße Bluse und dazu ein knielanger schwarzer Rock.

Nimm Dir Zeit

Plane morgens ausreichend Zeit für das Anziehen der Kompression ein und nimm bei warmen Temperaturen ein Kältespray zur Erfrischung mit. Packe vor allem bei heißem Wetter zusätzlich noch Sonnenschutz und etwas zu trinken ein. Damit die Kompression besser sitzt, können auf Arme- und Beine spezielle Pflegecremes aufgetragen werden.

Nicht verstecken – Farbe bekennen

Bei der Begrüßung und im anschließenden Gespräch könnt ihr euch auf irritierte Blicke einstellen. Schließlich sehen die Arbeitgeber nicht jeden Tag Bewerberinnen mit Kompressionskleidung.
In diesem Fall solltet ihr aber immer selbstsicher und sympathisch auftreten, denn Dein Gegenüber wird sehr schnell merken, wenn Du Dich unsicher fühlst.

Aufklärung statt Abklärung

Im Gespräch selbst werdet ihr in den meisten Fällen zuerst über eure Ausbildung und beruflichen Erfahrungen sprechen. Meist kommt anschließend der persönliche Teil und da merkt man schon, dass es den Ansprechpartner förmlich auf der Zunge brennt, nach der Armkompression zu fragen. Es ist wichtig, auch bei unangenehmen Sprüchen standhaft zu bleiben und nicht schüchtern zu wirken! Die Kompression muss bei dieser Krankheit nun mal getragen werden.
Ich erkläre meinem Gegenüber in Ruhe meine Erkrankung und ernte dafür sehr schnell Verständnis und Interesse was sich alles dahinter verbirgt.

Ein Rat zum Schluss: Seid sehr konsequent was das Tragen der Strümpfe angeht. Zieht diese auch erst bei heißem Wetter abends aus. Noch interessant zu wissen ist, dass die meisten Kompressionsärmel schon antibakteriell sind, was bedeutet, hier müsst ihr euch zusätzlich keine Gedanken machen.

Viel Erfolg bei Euren Gesprächen! Ich hoffe positive Erlebnisse von Euch zu hören!

Liebe Grüße,

Eure Romana

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4 Kommentare
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Die Alex

Liebe Romana, man merkt deine Lebenserfahrung! Es gibt nicht viele Menschen, die nach jahrelanger Odyssee
derartig erstarkt und weise ihr Leben wieder in die Hand nehmen und immer wieder aufstehen. Hut ab!

am 16.09.2017 | 11:15
Romana

Dankeschön

am 18.09.2017 | 10:14
mama

Toller Text hast gut geschrieben

am 13.09.2017 | 11:13
Romana

Danke dir

am 18.09.2017 | 10:15

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