Christina
06.Februar 2020 | Sport & Gesundheit

Ist das Laufband eine sinnvolle Investition beim Lipödem?

Vor einem Jahr kaufte ich mir zur Weihnachtszeit ein hochwertiges Laufband. Was sich dadurch für mich veränderte und ob ich die Anschaffung bereue, könnt ihr hier nachlesen:

Christina beim Walken

Mein Erfahrungsbericht nach einem Jahr Walking auf dem Laufband

Seit ich das Laufband habe, war ich erheblich seltener zum Nordic Walking draußen. Das hört sich zunächst schlecht an, bedeutet aber eigentlich nur, dass ich statt outdoor einfach indoor walke. Während ich früher nach dem Abendessen um 18 Uhr eine halbe bis Dreiviertelstunde walken war, verschob sich meine Sportstunde nun auf die Zeit nach 20 Uhr. Nicht selten blieb ich länger am Homeoffice-Schreibtisch sitzen, um noch Dieses und Jenes fertig zu bekommen. Ich wusste ja, dass mir die zunehmende Dunkelheit und die fallende Temperatur draußen egal sein konnten. Da das Laufband nicht so laut ist, dass es meine Familie beim Schlafen stört, konnte ich auch nach 22 Uhr noch meine Stunde walken. Auf Dauer machte es sich aber bemerkbar, dass ich selbst zu wenig Schlaf bekam. Ich musste also feststellen, dass der scheinbare Vorteil der zeitlichen Flexibilität einen realen Nachteil für mich darstellt.

Neulich reizte es mich einmal wieder outdoor mit den Nordic-Walking-Stöcken um die Ruderregattastrecke zu walken. Die Distanz beträgt 2x2,5 km. Auf dem Laufband walke ich in der Regel auch 5 km und zwar 2-3x pro Woche. Draußen war es etwas windig, aber beim Walken sollte das ja eigentlich nicht so störend sein. Tatsächlich musste ich mich überwinden, um die ersten 2,5 km wirklich bis zum Ende durchzuhalten. Ich empfand die lange gerade Strecke und den Wind als Kräfte zerrend. Der Rückenwind auf dem Rückweg tat dann aber gut. Als ich am nächsten Tag Muskelkater hatte, staunte ich nicht schlecht. Dass es echt so einen Unterschied macht, ob man mit oder ohne Nordic-Walking-Stöcke läuft, hätte ich nicht gedacht. Aber wenn ich ehrlich bin, ist mir das an den Armen schon aufgefallen. Meine Oberarmmuskeln waren vor über einem Jahr schon einmal etwas definierter. Vielleicht ist aber mein Lipödem an den Armen zusätzlich auch gewachsen.

Beim Walken will ich den Kopf frei bekommen!

Ein letzter wichtiger Aspekt beim Nordic bzw. Indoor-Walking ist für mich die mediale Unterhaltung. Auf dem Laufband zu walken macht mehr Spaß, weil ich mir parallel Filme ansehe oder auf Instagram Storys schaue, selten auch einmal einen Podcast oder Musik höre. Ich sehe sehr gerne Filme und diese Sucht nutze ich schon aus, um regelmäßig auf das Band zu gehen, auch wenn ich müde bin. Nach einem Jahr und etlichen Filmen stelle ich aber fest, dass mir das medienlose Walken im Freien mehr Entspannung gebracht hat. Ich bin nämlich draußen grundsätzlich ohne Beschallung unterwegs. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne Musik hören würde während des Walkens, aber ich nehme mir einfach nicht die Zeit für eine Playlist und das Geld für Spotify o.ä. gebe ich lieber für andere Dinge aus. Ich will es so einfach und unkompliziert halten: Zeitfenster frei? Wetter-Check? Kein Regen! Super! Turnschuhe an und raus! Ich will den Kopf frei bekommen, Dinge durchdenken, planen und neue Ideen sammeln. Das kann ich besser ohne Musik. Aber manchmal summe ich trotzdem und singe meine „Best-off-Playlist“ im Kopf.

Bereue ich die Anschaffung? Nein, mir macht das Walken auf dem Laufband Spaß. Auch heute Abend werde ich wieder auf dem Laufband sein, vermutlich zum „Tatort“. Klassische Gegenargumente wie der Platzmangel in der Wohnung oder die hohen Anschaffungskosten sind für mich nach einem Jahr völlig in den Hintergrund geraten. Empfehlen kann ich den Kauf eines solchen Sportgeräts für zuhause aber trotzdem nur bedingt. Sich täglich ausreichend und immer in Flachstrickkompression zu bewegen, ist beim Lipödem sicherlich enorm wichtig. Die Bewegung hilft die angestaute Lymphe des Tages abzutransportieren, Kalorien werden verbrannt und im Idealfall wird Stress abgebaut. In meinem Fall klappt der Stressabbau aber etwas besser, wenn ich in der Natur unterwegs bin. Dort komme ich innerlich mehr zur Ruhe, weil ich auf den Medienkonsum verzichte. Effektiver ist das Laufen mit Stöcken obendrein auch. Da man aber nicht immer die Möglichkeit hat, draußen zu walken – ich denke da an Frauen, die ihre Kleinkinder beaufsichtigen müssen, ich denke an Eiseskälte, Regen und Dunkelheit – hat die Anschaffung eines Laufbands schon seine Berechtigung.

Für das nächste Jahr nehme ich mir vor, dem Nordic Walking in der Natur wieder eine höhere Priorität einzuräumen und das Laufband nur in Ausnahmefällen zu benutzen. Das Wichtigste ist aber, dass wir uns überhaupt jeden Tag bewegen. Outdoor ist besser als indoor und indoor ist besser als gar nix.

Viel Spaß beim Bewegen! Und nicht vergessen: Immer in Kompression!

Eure Christina

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