Anna
21.Mai 2019 | Mein Lipödem

Fein-Tuning: Optimale Kompressionstherapie mit „Add-ons“

Y-Einkehr, Futterstoff, anatomische Knieform, 90° Fuß. Vier von vielen Begriffen, die viele Träger*innen schon mehrfach selbst verwendet oder gelesen haben. Vor allem wenn es darum geht, die Kompressionsversorgung angenehmer zu gestalten. Doch trotz aller Bequemlichkeit, wird die Kompressionsversorgung immer wieder in Frage gestellt. Wo denn der Sinn im "Panzer" liege, man merke ja keinen Unterschied.

Dabei sollte einem die Effektivität spätestens beim Vermessen einer neuen Versorgung nach 6 Monaten bewusst werden: Jede noch so kleine Reduktion von Umfang ist ein Erfolg, der sich auch auf das konsequente Tragen der Kompression zurückführen lässt. Und diese Erfolge lassen sich mit den richtigen "Add-Ons" noch verbessern.

Innovative Polster für mehr Basiskomfort

Gerade Patient*innen mit Lymphödemen kennen das Problem: Die Kompressionsversorgungen dürfen an den Gelenken nicht auf maximal möglichen Zug – wie an den anderen Stellen des Beines oder Armes – gemessen werden. Sonst können wichtige Funktionen und Versorgungen der Extremität unterbrochen werden. Mit der Folge, dass durch den fehlenden Druck in den Vertiefungen die Schwellneigung im Bereich der Gelenke nicht vollständig reduziert werden kann. Hier können wir aber mit einem einfachen Hilfsmittel effektiv Abhilfe schaffen: Den Pelotten.

Der Begriff "Pelotte" stammt aus dem französischen (la pelote) und bedeutet an sich nichts anderes als "Knäuel". Pelotten sind also knäuel- bzw. ballenförmige Kisschen, die zum Zusammendrücken und Weghalten von Gewebe benutzt werden.

Diese können vom Hersteller eurer Versorgung entweder bereits fest in die Kompression eingearbeitet oder nach Bedarf händisch eingefügt werden. Je nach Hersteller und Bedarf werden unterschiedliche Pelotten verwendet. Mal ausgeprägter, mal schlanker. Mal sind sie wattiert, mal fester aus Silikon.

Optional wählbar: Der Anti-Dellen-Unterlack

Kommt es hingegen mit fortschreitender Erkrankung – sowohl bei Lymphödemen, wie auch speziell bei Lipödem – zur Bildung von Fibrosen (Verhärtungen im Gewebe) können Lymphpads zu einer deutlichen Verbesserung beitragen.

In der alltäglichen Therapie von Lymphödemen, Lipödemen und Fibrosen sind auch diese Helferlein bisher wenig vertreten, obwohl sie in der Kompressionsbandagierung einen festen Bestandteil der Therapie darstellen. Dabei sind die genoppten Pads sehr schlank und tragen in der Kompressionsversorgung nicht auf. Es sind auch keine unschönen und auffälligen Nähte wie z.B. bei der Einarbeitung von Trikotstoff erkennbar. Und die Unterstützung der Kompressionstherapie ist merklich einfach: Lymphpads erhaltet ihr in der Regel in Form einer größeren Matte. Diese schneidet ihr auf die passende Größe zu, legt sie auf die betroffene Stelle am Bein oder Arm und zieht wie gewohnt eure Kompressionsversorgung an. Eventuell kann es nötig sein, das Lymphpad mit einem kurzen Streifen medizinischem Klebeband zu fixieren.

Wie funktionieren jetzt aber die Lymphpads? Durch die Auflage wird der Druck auf das Ödem oder die Fibrosen betroffener Stellen im Gewebe erhöht und es kommt zu einem leichten Massage-Effekt. Ähnlich einer Massage oder Manuellen Lymphdrainage wird das Gewebe gelockert, Fibrosen aufgelöst und der Lymphabfluss in den Extremitäten gesteigert.

Lymphpads gibt es mit unterschiedlicher "Noppung". Um dem Gewebe immer wieder neue Anreize zu geben, lohnt es sich, nicht nur zwischen den unterschiedlichen Noppungen eines Herstellers, sondern auch verschiedener Hersteller zu wechseln.

Auch die Innenausstattung lässt keine Wünsche übrig

Darüber hinaus kann die Kompressionstherapie noch durch verschiedene Einlagen z.B. in Knie- und Ellenbeuge oder im Genitalbereich optimiert werden. Jeder Körper und somit auch die Krankheitsbilder von Lymph- und Lipödemen sind sehr individuell und müssen auch mit individueller Kompressionswäsche behandelt werden. Wer mit der Grundausstattung nicht zufrieden ist, hat die Möglichkeit, die Kompressionsversorgung optimal an die individuellen Bedürfnisse der Erkrankung anzupassen. Solltet ihr bei euch entsprechenden Bedarf sehen, besprecht diesen am besten in eurem Sanitätsfachhandel. Dort kann euch bedarfsgerecht und unkompliziert weitergeholfen werden. Im Anschluss nach der Beratung muss dies allerdings mit dem Arzt abgesprochen sein und auch auf dem Rezept stehen, damit die Krankenkasse eure individuelle Juzo Kompressionsversorgung so auch genehmigen kann.

Die Kompression hilft

Wie ihr vielleicht merkt, habe ich mich bereits länger mit dem Thema auseinandergesetzt und einige Informationen zusammengetragen. Weshalb ich dieses Thema jedoch gerne für euch aufbereiten wollte, liegt in meiner eigenen Geschichte:

Ich selbst trage seit fast 8 Jahren fest in meine Versorgungen eingearbeitete Pelotten im Bereich der Fußgelenke. Bereits in der kurzen Zeit von einem Jahr konnte ich merkliche Verbesserungen feststellen. Waren meine Fußgelenke vor der Therapie mit den Pelotten so dick wie meine Knie, schmerzen und spannten ob der trotz Kompressionsversorgung mehr werdenden Schwellungen, so kann ich mittlerweile wieder ein vergleichsweise schönes Gelenk erkennen.

Ein derartiges Erfolgserlebnis sollte jede Patientin erleben. Und warum solltet ihr nicht auch direkt mit eurer optimierten Kompressionstherapie beginnen, wenn sie denn so einfach, vergleichsweise günstig und unkompliziert zu verwirklichen ist?

Eure Anna

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