Marilena
09.Oktober 2018 | Sport & Gesundheit

Wandern: Eine Lipödem Sportart?

Hallo Ihr Lieben!

Als Bayerin die das wunderschöne Chiemgau vor der Haustüre hat und Wandergebiete im Berchtesgadener Land und in Österreich nur einen Katzensprung entfernt sind habe ich – trotz langjähriger Wanderantipathie in der Kindheit und Jugend – die Sportart Wandern für mich 2014 wiederentdeckt und lieben gelernt.

Gerade für die Erkrankung Lipödem ist diese Sportart sehr gut geeignet! Hier sind 10 gute Gründe warum gerade das Wandern mit Lipödem einen Versuch wert ist.

1. Wandern als Lipödem-Sport

Wie alle Ausdauersportarten, kräftigt Wandern das Herz-Kreislaufsystem, stärkt das Immunsystem, regt den Stoffwechsel an und erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut. Der ganze Körper – insbesondere die Muskulatur der Lipödem Beine – wird trainiert. Da euer Lymphsystem keinen eigenen Motor hat ist die Entstauung über aktive Bewegung und das Hilfsmittel der Kompression essentiell. Nicht nur die Lipödem-Beine, sondern auch die Arme und der gesamte Körper werden besser durchblutet.

Auch für übergewichtige Patientinnen wie mich ist das Wandern eine gelenkschonende Möglichkeit zu trainieren, Gewicht zu reduzieren und weiteren mögliche Folgeerkrankungen (wie z.B.: Diabetes oder Bluthochdruck) vorzubeugen bzw. zu verbessern. Die Tourendauer, -Länge sowie den Schwierigkeitsgrad könnt ihr selbst bestimmen und je nach Trainingszustand steigern.

Manche Routen mit Seilbahnbetrieb können nach Wunsch abgekürzt werden in dem ihr nur den Aufstieg zu Fuß meistert und den Rückweg mit der Seilbahn bewältigt. Gerade für Patientinnen mit Knie- oder Hüftbeschwerden kann dies eine gute Alternative darstellen.

2. Heilsame Zeit in der Natur

Bewegung an der frischen Luft baut Stress ab, ihr „tankt“ Vitamin D und die Aktivität Wandern kann auch zu einem verbesserten Schlaf führen. Gerade in unserer stressigen und lauten Welt, bietet Wandern die Chance die Ruhe der Natur zu genießen und fernab von Social Media und Smartphones von der Hektik des Alltags abzuschalten. Ich genieße diese gewählte Einsamkeit sehr.

Mich lässt das Wandern in der Bergwelt für einige Stunden auch meine Erkrankung Lipödem vergessen. Viele Patientinnen leiden sehr unter den körperlichen Einschränkungen und Schmerzen und entwickeln nicht selten auch psychische Erkrankungen wie z.B.: Depressionen.

Die Bewegung an der frischen Luft ist sowohl eine sinnvolle Prophylaxe, als auch ein evidenzbasierter Therapieansatz für viele somatische und psychische Erkrankungen.

3. Ihr müsst Wandern nicht lernen

Gehen ist die natürlichste Möglichkeit des Menschen sich fortzubewegen. Dafür sind wir gemacht!

4. Ihr braucht kein teures Equipment oder Mitgliedsbeiträge entrichten

Je nach Tour und Witterung empfehle ich euch festes, rutschfestes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. Sonnencreme und ein entsprechender Sonnenschutz sind gerade im Sommer sehr wichtig. Höhenverstellbare Wanderstöcke können gerade fürs bergab gehen eine Erleichterung bieten, sind aber kein muss.

Ansonsten ist der finanzielle Aufwand sehr gering. Auch wenn ihr nicht in einem Wandergebiet wohnt, lohnt es sich zu Fuß umliegende Wiesen und Wälder zu erkunden!

5. Wandern macht glücklich!

Regelmäßiges Spazierengehen oder Wandern regt die Ausschüttung von Endorphinen („Glückshormonen“) an und baut Adrenalin ab = bessere Laune!

Die zügige Bewegung mit der Kompression lindert nicht nur Gelenk- und Rückenschmerzen, sondern bei mir auch die Lipödem Schmerzen!

6. Die Brotzeit schmeckt besser

Eine große Portion Kaiserschmarrn, ein kühles Radler oder auch eine deftige Brotzeit schmeckt mir am besten nach erfolgreicher Tour zur Almhütte oder nach erklimmen des Gipfels!

Natürlich könnt ihr euch auch selbst eure Brotzeit einpacken und genießen. Ihr solltet vor allem ausreichend Wasser mitnehmen und viel trinken. Nach einer langen Tour ohne bewirtschaftete Alm genieße ich gerne kohlenhydratreiche Kost wie Bananen oder Vollkornbrot.

7. Wandern stärkt euer Selbstbewusstsein

Der atemberaubende Blick vom Gipfel, das Gefühl von Stolz das mich groß werden lässt und mir ein glückseliges Lächeln auf die Lippen zaubert ist all den Schweiß und die Strapazen jedes Mal wieder wert!

Ihr habt euch ein Ziel gesteckt und es erreicht, nur durch eure Willenskraft und die Fähigkeiten eures Körpers – trotz Lipödem! Ihr dürft verdammt stolz darauf sein so gut für euch zu sorgen!

8. Wandern vernetzt

Ich wandere häufig alleine, um mein eigenes Tempo gehen zu können und um die Stille und die Eindrücke der wunderschönen Natur, Tier- und Pflanzenwelt aufnehmen zu können.

Aber auch Wandertouren mit meinem Partner oder mit meinen Freunden genieße ich sehr. Gemeinsam durchzuhalten, sich wirklich Zeit zu nehmen und die beeindruckende Schönheit der Natur gemeinsam erleben zu dürfen bereichert und stärkt meine zwischenmenschlichen Beziehungen.

Häufig gibt es auch geführte Wandertouren die kostenfrei oder für einen kleinen Unkostenbeitrag eine gute Alternative bieten können, wenn ihr Anschluss sucht oder euch eine Tour alleine nicht zutraut.

9. Wandern macht dankbar

„Steigst du nicht auf die Berge, so siehst du auch nicht in die Ferne.“

Manchmal bewirkt ein Wechsel der Perspektive wahre Wunder. Die Welt wirkt vom Gipfel aus so klein und manche Probleme und Sorgen wirken dann auf mich auch nicht mehr so groß und angsteinflößend.

Die Natur um uns herum ist so einzigartig und schön. Die Begegnungen mit Menschen und Tieren auf meinen Wandertouren macht mich häufig sehr demütig und dankbar und zeigen mir was wirklich wichtig ist im Leben.

10. Wandern ist abwechslungsreich und zu jeder Jahreszeit möglich

Zugegeben, ich wandere besonders gerne im Herbst. Das bunte Blattwerk, die raschelnden Blätter – die ausnahmsweise lauter sind als das reiben meiner Kompression 😉 – und die kühleren Temperaturen und weniger frequentierten Wege sind für mich optimal.

Viele Touren wiederhole ich zu verschiedenen Jahreszeiten – und jedes Mal erlebe ich die Wanderung und die Natur in einem neuen Licht – es wird nie langweilig!

Im Winter und Frühjahr sind eventuell einige Wege nicht begehbar oder es sind Schneeschuhe erforderlich. Gefahren wie das Wetter, Lawinen, Steinschläge oder die Schneeschmelze sollten jedoch unbedingt bedacht werden. Bitte überfordert euch nicht und schätzt eure Kondition und mögliche Gefahren realistisch ein!

Im Sommer bevorzuge ich kurze Touren in schattigen, kühlen Waldgebieten. Optimalerweise befindet sich dann ein Bach oder Brunnen am Weg, sodass ich die Kompression nass machen kann, eine befüllte Sprühflasche kann aber auch Abhilfe schaffen. Die Krönung ist natürlich neben der Brotzeit im Sommer der Sprung in einen kalten Bergsee!

Ich hoffe ich konnte in euch etwas Lust auf mehr Zeit in der Natur wecken.

Ich plane aktuell auch eine kleine Wanderung für die @lipödemkämpferinnen und würde mich freuen, wenn sich einige von euch anschließen möchten! Gerne könnt ihr euch dazu bald mehr Informationen bei mir auf Instagram @noitabavaria einholen!

Berg Heil!

Eure Marilena

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