
Liebe Leserin, lieber Leser,
viele Frauen mit Lipödem kennen das Gefühl: Die Beine sind schwer, die Schmerzen allgegenwärtig und oft fehlt die Energie, überhaupt noch etwas zu unternehmen. Bewegung scheint kaum möglich, und der Gedanke an Sport löst eher Frust als Freude aus. Doch es gibt einen Ort, an dem all das leichter wird: das Wasser. Hier verlieren Schmerzen und Schwere an Bedeutung, und der Körper darf sich endlich wieder frei bewegen. Wie wohltuend Aquafitness sein kann, zeigt die Geschichte von Anna, eine meiner Teilnehmerinnen der AquaIn-Fitnesskurse. Sie erzählt, wie sie sich durch regelmäßiges Training im Wasser nicht nur auf ihre Liposuktion vorbereitet, sondern auch ein neues Vertrauen in ihren Körper gewonnen hat.

Als Anna Anfang 2023 die Diagnose Lipödem bekam, war das für sie einerseits eine Erleichterung. Endlich hatte das, was sie jahrelang gespürt hatte, einen Namen. Andererseits begann damit eine schwierige Phase: „Meine Hausärztin glaubte nicht an Lipödem“, erzählt sie. „Sie meinte nur, ich solle weniger essen. Dabei hatte ich schon seit Jahren Schmerzen in den Beinen und Armen, vor allem nachts, und bekam ständig blaue Flecken.“ Erst durch spezialisierte Ärzte in Augsburg erhielt sie die sichere Diagnose. Bis dahin war es ein langer Weg mit viel Frust, Unverständnis und auch Selbstzweifeln. „Meine Mutter hatte schon lange das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Aber niemand hat uns ernst genommen.“
Ein Jahr nach der Diagnose suchte Anna nach Wegen, selbst aktiv zu werden. Bei einem Treffen der Selbsthilfegruppe in Augsburg bekam sie den entscheidenden Hinweis: Aquafitness. Die Leiterin erzählte, wie gut Bewegung im Wasser bei Lipödem helfen kann. „Ich habe mir den Namen des Angebotes sofort notiert und irgendwann später bin ich es dann wirklich angegangen.“ Über ihre Krankenkasse fand sie ein passendes Angebot, das sich gut in ihren Alltag bzw. Wochenrhythmus einfügte. Sie kam in meinen Aquafitness-Präventionskurs. „Ich wollte regelmäßig etwas für mich tun. Und die feste Kurszeit half mir, wirklich dranzubleiben.“ In der Gruppe fühlte sie sich schnell wohl: „Wenn man zusammen trainiert, hat man automatisch mehr Motivation. Außerdem ist das Wasser ein geschützter Raum, da sieht niemand, wie man aussieht, man fühlt sich einfach frei.“
Schon nach den ersten Wochen merkte Anna, wie ihr das Training half. „Nach jeder Einheit hatte ich weniger Schmerzen, fühlte mich leichter und beweglicher. Das Wasser tut einfach gut – gerade an Tagen, an denen sonst alles schwerfällt.“ Dass Bewegung im Wasser so guttut, ist kein Zufall. Wasser ist ein perfekter Trainingspartner, vor allem für Frauen mit Lipödem. Der gleichmäßige Wasserdruck wirkt wie eine sanfte Kompression. Jede Bewegung massiert das Gewebe, regt den Lymphfluss an und entlastet die Beine. Die Temperatur des Wassers unterstützt zusätzlich: Sie kühlt die Haut, fördert die Durchblutung und lindert Spannungsgefühle. In meinen Kursen sage ich oft: „Die Physik ist auf deiner Seite.“
Im Wasser ist der Körper fast schwerelos, Gelenke werden geschont und die Muskeln arbeiten gleichzeitig gegen den Widerstand des Wassers.
Viele meiner Teilnehmerinnen berichten, dass sie im Wasser zum ersten Mal wieder schmerzfrei trainieren können. Das, was an Land oft schwerfällt, gelingt im Wasser mit Leichtigkeit und genau das gibt Selbstvertrauen zurück.
Obwohl Anna damals noch keine konkrete OP-Vorbereitung im Sinn hatte, spürte sie die Wirkung deutlich:
• weniger Spannungsgefühl
• weniger Schwellungen
• mehr Energie
„Ich habe gemerkt, dass ich meinem Körper wieder vertrauen kann“, sagt sie rückblickend. „Das war ein ganz neues Gefühl.“

Im Sommer 2025 hatte Anna ihre ersten beiden Operationen. Die dritte steht noch bevor. „Ich war aufgeregt, aber auch zuversichtlich“, erzählt sie. „Ich glaube, das regelmäßige Training hat mir geholfen, mich körperlich und mental gut vorzubereiten.“ Nach der OP nutzte sie das Wassertraining gezielt für die Regeneration: „Im Wasser konnte ich mich bewegen, ohne dass die Beine anschwollen. Das war unglaublich angenehm. Und es hat mir geholfen, wieder Vertrauen in meinen Körper zu bekommen.“ Schon wenige Wochen nach der zweiten OP spürte Anna deutliche Veränderungen: „Ich konnte wieder Berge hinaufgehen, ohne dass meine Beine brannten. Ich hatte nicht mehr dieses schwere Ziehen. Und mir ist aufgefallen: Die operierten Stellen waren warm – früher waren sie immer eiskalt. Das war für mich ein richtiges Aha-Erlebnis.“
Wer nach der OP wieder in Bewegung kommen möchte, kann mit ganz einfachen Übungen starten. Besonders wirkungsvoll ist das Laufen im Wasser eine sanfte, aber intensive Übung, die Beine, Rumpf und Kreislauf aktiviert. Schon zehn Minuten genügen, um spürbare Erleichterung zu erleben. Das Wasser wirkt dabei wie eine natürliche Lymphmassage: Das Zusammenspiel von Druck, Temperatur und Bewegung fördern den Rückfluss der Flüssigkeit aus dem Gewebe. Wenn du dir unsicher bist, wie du beginnen kannst, bist du herzlich eingeladen mit Aqua In Audiotrainings zu starten. Mit den Anleitungen übst du zielführend und sicher. Alles was du brauchst ist dein Lieblingsbad und ein wasserfestes Headset.
Neue Ziele, neues Lebensgefühl
Heute genießt Anna Spaziergänge mit ihren zwei Hunden, macht regelmäßig Aquafitness und plant bereits ihre nächste Bergwanderung. „Letztes Jahr war das noch eine Qual – dieses Jahr freue ich mich darauf.“ Ihr größtes Ziel: 2027 wieder Skifahren. „Das habe ich seit acht Jahren nicht mehr gemacht. Aber nach den OPs traue ich mir das wieder zu.“
Was Anna anderen Frauen rät
„Ich würde jeder Frau mit Lipödem raten, Aquafitness zu machen – es macht Spaß und tut einfach gut“, sagt sie mit einem Lächeln. Und sie fügt nachdenklich hinzu: „Man muss sich selbst kümmern, weil die Ärzte es oft nicht tun. Ich habe gelernt, dass Selbstmanagement unglaublich wichtig ist. Ohne die Selbsthilfegruppe, ohne das Wassertraining und ohne meine eigene Hartnäckigkeit wäre ich heute nicht da, wo ich bin.“
Mut zum ersten Schritt – rein ins Wasser
Viele Frauen zögern, ins Schwimmbad zu gehen – verständlich, wenn Beine sichtbar sind und das Gefühl bleibt, beobachtet zu werden. Doch die Erfahrung zeigt: Im Wasser zählt nicht, wie du aussiehst, sondern wie du dich fühlst.
Eine meiner Teilnehmerinnen sagte einmal: „Ich bin mehr als meine Beine.“ Genau das ist der Kern. Der Weg ins Wasser ist auch ein Schritt zu mehr Selbstvertrauen. Du tust etwas für dich und niemand anders kann das für dich übernehmen. Wenn du diesen ersten Schritt gehst, wirst du merken: Das Wasser trägt dich – körperlich und seelisch.
Fazit
Annas Geschichte zeigt, wie viel in Bewegung steckt.
Bewegung im Wasser kann Schmerzen lindern, das Körpergefühl stärken und die Vorbereitung auf eine Liposuktion wesentlich erleichtern.
Aber vor allem macht sie Mut: aktiv zu werden, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und sich Unterstützung zu holen, sei es durch Selbsthilfegruppen, gute Ärztinnen und Ärzte oder ein passendes Bewegungsprogramm.
„Im Wasser habe ich mich das erste Mal wieder leicht gefühlt.“ Dieser Satz beschreibt nicht nur Annas Erfahrung, er steht für den Weg vieler Frauen, die lernen, ihrem Körper wieder zu vertrauen.
Herzliche Grüße und ich wünsche dir, dass du im Wasser – wie Anna – ein Stück Leichtigkeit und Vertrauen in deinen Körper gewinnst.
Birgit Schmid
Sportwissenschaftlerin & Aquafitness-Trainerin
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Eine Antwort
Ich liebe Aquafitness und freue mich jede Woche auf meinen Kurs. Und ja, man kann auch im Wasser schwitzen:-)