Fragen an Prof. Schmeller – Liposuktion (Teil 1)

Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller

Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller

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Experten Beitrag über Liposuktion

Das Thema Liposuktion bei Lipödem ist sehr präsent. Da kommen Dir bestimmt viele Fragen in den Kopf. Wir haben einige an unseren Experten Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller aus der Hanse-Klinik in Lübeck weitergeleitet und er beantwortet diese freundlicherweise.

 

Ist eine Liposuktion sinnvoll?

Ja, sie ist im Stadium 2 immer, im Stadium 1 in vielen Fällen und im Stadium 3 in Einzelfällen sinnvoll.

Verschwindet das Lipödem durch eine Liposuktion komplett?

Die Liposuktion beseitigt die Disproportion und zum großen Teil auch die Beschwerden. In über 90 Prozent der Fälle bleiben die guten Ergebnisse auch noch über 10 Jahre nach dem Eingriff bestehen. Doch das Lipödem lässt sich in den meisten Fällen nicht heilen und nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen vollständig beseitigen. Eine Operation ist auch nicht immer durchführbar. Bei massivem Übergewicht ist das Risiko von Komplikationen zu hoch, die Fettzellen lassen sich nur schwer oder nicht ausreichend entfernen und es bleiben u.U. große Hautlappen übrig.

Die manuelle Lymphdrainage und auch die Kompressionsbekleidung sind daher in den meisten Fällen nach einer OP weiterhin notwendig, um die Restödeme und die noch bestehenden restlichen Beschwerden zu beseitigen.

Es ist so, dass etwa ein Drittel der Operierten auch viele Jahre nach der Liposuktion angibt, keine Kompression und keine Lymphdrainage mehr zu benötigen. Etwa zwei Drittel benötigt noch weiterhin diese entstauenden Maßnahmen, aber in einem weitaus geringeren Ausmaß als vorher. Ferner sind die operierten Areale schlank geblieben. Die Verbesserung der Lebensqualität nach Liposuktion ist beträchtlich. Insofern kann man sagen, dass die Liposuktion in der Behandlung des Lipödems heute einen entscheidenden Stellenwert hat.

Wie nachhaltig wirkt eine Liposuktion?

Die Erfolge bei Lipödempatientinnen nach Liposuktion sind im Rahmen zweier Studien der Lübecker Hanse-Klinik bisher über durchschnittlich 8 Jahre nachverfolgt worden, in Einzelfällen auch bis zu 10 Jahre. Dabei zeigte sich, dass postoperativ in fast allen Fällen das Volumen der Beine nicht zugenommen hat, auch wenn eine Gewichtszunahme eingetreten ist. Eine Abnahme der Beschwerden (Druck- und Spontanschmerzen, Ödeme, Neigung zu Blutergüssen) – teilweise sogar ein vollständiges Verschwinden – trat in allen Fällen schon wenige Wochen nach dem Eingriff ein. Diese Besserung blieb bei Kontrolle nach einem Zeitraum von 4 Jahren unverändert bestehen; bei nochmaliger Kontrolluntersuchung, d.h. nach durchschnittlich 8 Jahren, war in allen Fällen eine ganz minimale Verschlechterung nachweisbar; der Unterschied zum Ausgangsbefund war aber immer noch sehr deutlich. Während vor Liposuktion 100 % der untersuchten 85 Patientinnen eine MLD durchführten und eine Kompressionsstrumpfhose trugen, benötigten 8 Jahre nach der Liposuktion 30 % der Betroffenen weder MLD noch Kompression; der Rest benötigte noch beides, aber in deutlich vermindertem Maße.

Es scheint also so zu sein, dass in der weit überwiegenden Zahl der Fälle das Lipödem nach der Liposuktion nicht neu entsteht bzw. nicht weiterzugehen scheint. Dies ist eine Beobachtung, die wir zur Kenntnis nehmen, aber nicht richtig erklären können. Es scheint also so zu sein, dass wir die Progression, also das Fortschreiten der Erkrankung, durch die Absaugung(en) bremsen.

In ganz seltenen Fällen haben wir, wenn eine deutliche Gewichtszunahme eingetreten ist, auch an den Beinen einmal nachgesaugt – aber das war wie gesagt die GANZ große Ausnahme.

Gibt es eine Altersbeschränkung für die Liposuktion?

Entscheidend ist nicht das kalendarische, sondern das biologische Alter, d.h. der Allgemeinzustand des Betroffenen. Wenn keine wesentlichen Begleiterkrankungen vorliegen und die Haut noch eine ausreichende Elastizität aufweist, können Absaugungen auch bei über 70jährigen durchgeführt werden. Da die Eingriffe in örtlicher Betäubung stattfinden, kann man somit also auch noch Patienten operieren, bei denen eine (belastendere) Allgemeinnarkose zu risikoreich wäre. Die Abwägung von Nutzen und potenziellem Risiko des Eingriffs trifft der Arzt in offener Aussprache mit dem Patienten. Das Alter allein ist also nicht der wesentliche Faktor.

 

Beste Grüße,
Prof. Dr. W. Schmeller

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