Susi
12.Oktober 2018 | Mein Lipödem

Hochzeit der "kompressierten Art"

Nachdem ich euch gestern von meinem Lipödem Weg erzählt habe, konzentriere ich mich heute auf die Hochzeit mit Kompression und wie es zur  Diagnose Lipödem kam. Angefangen hat alles mit meinem Unfall. Die anschließend folgende Kniespiegelung brachte mich zur Physiotherapie. Die Therapeutin dort stieß dann schlussendlich meine Diagnose an. Nach der Kniespiegelung war mein Bein unheimlich angeschwollen. Der Orthopäde wunderte sich zwar, dass das Wundwasserfläschchen nach der OP so voll war, aber mehr auch nicht.

Als ich dann nach dem Termin bei der Physio zu ihm zurück kam und fragte, ob es sein könnte, dass ich ein Lip- oder Lymphödem hätte, meinte er nur: „ja, könnte sein.“ Super! Da freut man sich doch über so geballte Kompetenz an der medizinischen Seite! Ich bekam von ihm dann erstmal eine Strumpfhose verordnet. Im Sanitätshaus angekommen, schlug man die Hände über dem Kopf zusammen. Mit Rundstrick ginge da gar nichts mehr und man müsse sofort Flachstrick und bis hoch an die Brust, so dass alles gut eingepackt sei. Ein Horror für mich! Es zwickte, zwacke und keiner wies mich so richtig in das „richtige Tragen“ der Kompression ein. Ich ging also zur Lymphdrainage und ließ danach die Hosen aus, denn ich wollte ja noch ins Fitness Studio und da stören die nur. Wie ich heute dazu stehe, könnt ihr euch sicherlich denken.

Der Start in eine neue Herausforderung mit Lipödem

Als ich dann (ENDLICH) im Juli bei einem Lymphologen einen Termin bekam, war die Diagnose eindeutig: Lip-Lymphödem Stadium 2 – 3 an den Armen und Stadium 2 an Beinen und Gesäß – der absolute Jackpot! Er gab mir dann auch gleich den Reha-Antrag mit. Dies wäre der erste Schritt in die richtige Richtung, meinte er.

Trotz der Aussicht, dass ich nun nicht mehr „nur dick“, sondern dummerweise „krank“ bin, wollte mich mein Freund trotzdem zur Frau nehmen! Es folgte also eine Hochzeit der „kompressierten Art“.

Im Jahr 2011 durfte ich dann zu meiner ersten Reha nach Dorf Zechlin fahren. Die dortigen „Härtefälle“ ließen mich mein eigenes Schicksal auf einmal sehr gut annehmen. Insgesamt 7 Wochen verbrachte ich in der Klinik. Ich bekam sehr viele Infos und lernte, mit dem Lipödem besser umzugehen.

Ich lernte das Kämpfen, nicht gegen mich, sondern gegen das Lipödem!

Nachdem ich die damals vorhandenen Studien gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich mit allen Mitteln versuchen würde, mich einer Liposuktion zu unterziehen. Mit knapp 24 Jahren schauderte es mich, mir einen Alltag als Gehbehinderte mit Mitte 30 vorzustellen. Jedoch genau dies waren meine Aussichten, wenn sich mein Lipödem so rasant weiter ausgeweitet hätte.

(links: vor den OPs / rechts: nach den OPs: -8 Liter)

Also stellte ich den Antrag bei der Krankenkasse. Natürlich folgte prompt die Ablehnung und der Verweis auf die konservativen Behandlungspraktiken. Jedoch trug ich doch bereits Flachstrick in KKL II, ging 2x wöchentlich zur Lymphdrainage und ließ mich sogar anschließend bandagieren. Vom zeitlichen Aufwand neben einer Vollzeitbeschäftigung abgesehen, war diese Ablehnung für mich eine eindeutige Kampfansage seitens meiner Krankenversicherung. Parallel fing ich jedoch auch an, intensiv auf diese OPs zu sparen. Mit 55 cm Oberarmumfang, täglichen Schmerzen und kaum noch der Möglichkeit Jacken zu kaufen, wollte und konnte ich auch schmerztechnisch nicht mehr so weiterleben.

Nach intensivem Kampf mit der Krankenkasse war es dann im Dezember 2012 endlich soweit und ich konnte in meine erste Liposuktion starten. In einer zweistündigen Operation wurden mir knapp 8 Liter Lipgewebe aus den Oberarmen entfernt. Fast 10cm Umfangsreduktion waren nach vielen und ausdauernden Schmerzen das Ergebnis. Für mich damals bereits eine enorme Entlastung. Meine Liposuktionsgeschichte ist jedoch recht lang und von einigen Hochs und Tiefs geprägt, so dass ich euch diese gerne in meinem nächsten Blogg Beitrag erzählen möchte. Nur so viel: 6 OPs, knapp 30 Liter Fettgewebe und 2 Oberarmstraffungen in knapp 3 Jahren. Und ich würde es jederzeit wieder tun!

Ich freue mich auf den nächsten Beitrag und wünsche euch bis dahin alles Gute!

Eure Susi

2 Kommentare
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Ellischa

Liebe Susi,
herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit.
Du siehst richtig toll aus.
Liebe Grüße

am 29.10.2018 | 13:40
Christina_Rick

Liebe Susi,
Ich freue mich auf deine nächsten Beiträge zur Liposuction.

am 17.11.2018 | 21:11

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