
Eigentlich war ich wegen meiner Nervenschmerzen bei einem Neurologen. Diagnose: Meralgia paraesthetica – eine schmerzhafte Reizung eines Hautnervs am Oberschenkel.
Brennende Schmerzen.
Elektrisierende Attacken.
Schlaflose Nächte.
Doch dieser Termin sollte mehr verändern als „nur“ die Nervenproblematik.
Mein Neurologe schaute mich an und sagte vorsichtig, dass meine Beine „auffällig“ aussehen würden. Er empfahl mir dringend, einen Phlebologen aufzusuchen. Anfang 2024 erhielt ich dort schließlich die Diagnose: Lipödem.
Ich bin diesem Neurologen bis heute unendlich dankbar. Was andere Ärztinnen und Ärzte über Jahre nicht gesehen oder vielleicht auch nicht sehen wollten, hat er erkannt.
Die Diagnose traf mich trotzdem wie ein Schlag.
Ich stand weinend mit dem Rezept für meine erste Kompressionsversorgung an der Straßenbahn-Haltestelle. Überfordert. Verunsichert. Wütend.
Ich rief meinen Mann an. Er hörte einfach zu und sagte dann einen Satz, der alles veränderte: „Das ist doch gut. Endlich hat das alles einen Namen.“ Und genau das war es. Endlich ein Begriff für das Unbekannte. Endlich keine diffuse Schuld mehr. So begann meine Lipödem-Reise.
Trotz Kompression, Lymphdrainage und Bewegung hielt ein Problem an: Die Nervenschmerzen. Ich hangelte mich von Medikament zu Medikament. Nervenschmerzmittel. Cortison. Dosisanpassungen.
Es wurde nicht besser. Im Gegenteil.
Ich fühlte mich wie in einem endlosen Kreislauf aus Schmerztherapie, Arztterminen und Hoffnung, die immer wieder enttäuscht wurde.

Schließlich landete ich in einer Adipositas-Station im Krankenhaus. Dort bekam ich eine ehrliche Einschätzung: Für eine Therapie im Krankenhaus sei ich „zu schlank“. Man könne mir dort nicht helfen.
Aber ich bekam einen entscheidenden Tipp: Ich solle mich an einen Arzt mit Schwerpunkt Adipositas und Diabetologie wenden.
Gesagt. Getan. Im Sommer 2025 hatte ich meinen ersten Termin.
Wichtig: Ich bin nie mit dem Ziel „Abnehmspritze“ zu diesem Arzt gegangen. Ich wollte Hilfe. Für meine Schmerzen. Für meine Entzündungen. Für meinen Körper im Dauer-Alarm.
Es wurden umfangreiche Blutwerte kontrolliert. Hormone analysiert. Ein Ultraschall der Schilddrüse wurde durchgeführt, da ich seit über zehn Jahren zusätzlich an einer Schilddrüsenunterfunktion leide. Relativ schnell wurde klar: Wir könnten mit einem GLP-1-Präparat arbeiten.
Ich durfte selbst entscheiden, ob ich mit Wegovy oder Mounjaro starten möchte. Ich habe mich, auch aus Kostengründen, für Wegovy entschieden, da ich die Therapie selbst finanzieren muss.
Ich wusste: Das wird keine kurzfristige Lösung. Für mich bedeutete das sehr wahrscheinlich eine Dauermedikation.
Dieser Gedanke war und ist nicht leicht. Sich einzugestehen, dass man langfristig Unterstützung braucht, kratzt am Selbstbild. Aber noch viel schwerer waren die Jahre voller Schmerz.
Im September 2025 setzte ich mir schließlich meine erste Spritze. Ein kleiner Moment. Mit großer Bedeutung.
Heute weiß ich: Ich habe nicht „versagt“.
Mein Körper war überlastet: Durch Lipödem, Adipositas, chronische Entzündung und Nervenkompression. Wegovy ist kein Wundermittel. Es heilt kein Lipödem. Aber es hat meinem Körper Entlastung gegeben und mir Handlungsspielraum zurückgegeben.
Seit Beginn meiner Therapie im September 2025 konnte ich bis heute rund 10% meines Körpergewichts reduzieren. Diese Zahl allein ist nicht das Entscheidende.
Entscheidend ist, was sie bedeutet:
– weniger Druck auf meine Beine
– weniger Belastung für meine Nerven
– mehr Beweglichkeit im Alltag
– mehr Schlaf
– mehr Lebensqualität
Ich bin nicht „geheilt“. Mein Lipödem ist weiterhin Teil meines Lebens. Aber mein Körper ist nicht mehr permanent im Ausnahmezustand. Ich habe das Gefühl, wieder aktiv mitgestalten zu können, statt nur zu reagieren.
Und wie geht es weiter? Ich sehe diese Therapie nicht als kurzfristiges Projekt. Für mich ist es eine langfristige Entscheidung, wahrscheinlich sogar eine Dauermedikation. Und ja, dieser Gedanke ist manchmal noch immer herausfordernd. Aber noch herausfordernder war das jahrelange Aushalten von Schmerzen.

Ich möchte meinen Weg weitergehen:
– mit Kompression.
– mit Aqua Fitness – Aqua Cycling, Aqua Jogging, Aqua Tabata.
– mit meinen Smovey-Ringen beim Walken.
– mit ärztlicher Begleitung.
– und mit einem neuen Verständnis für meinen Körper.
Meine Reise ist nicht perfekt. Aber sie ist meine.
Und wenn ich eines gelernt habe, dann das: Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Unterstützung zu holen. Es ist ein Zeichen von Verantwortung sich selbst gegenüber.
Ich gehe diesen Weg weiter. Schritt für Schritt. Mit Mut und mit Hoffnung.
Deine Sabrina
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