
Liebe Leserin, lieber Leser,
nachdem Operation eins von vier nun gute drei Monate hinter mir liegen möchte ich meine ersten Erfahrungen bzw. Tipps mit euch teilen. Insbesondere zu Themen, die zumindest ich noch in keinem Beitrag gelesen – oder schlichtweg überlesen – habe.

• Timing ist alles: Überprüft die Anreise nicht nur pauschal. Viele Navigationsprogramme bieten die Möglichkeit, auch nach der durchschnittlichen Dauer zu einem bestimmten Zeitpunkt zu schauen. Berücksichtigt auch im Vorfeld schon eventuell nötige Zwischenstopps. Dadurch wurden bei mir aus pauschalen 1,5 Stunden gute 2,25 Stunden Anfahrt, welche ich glücklicherweise schon im Vorfeld einplanen konnte.
• Koffer? Handgepäck! Zumindest in der Privatklinik wurden Handtücher und aufsaugende Unterlagen zu genüge bereitgestellt.
• Als Wechselkleidung reicht je nach Anreisedauer die eine Kompression, die ihr bei der Anfahrt schon anhabt. Da diese post OP 48 Stunden am Stück am Körper bleibt, kommt es auf zwei, drei Stunden mehr nicht an.
• Nehmt euch dennoch ein Kleidungsstück mit, worin ihr euch besonders wohl fühlt. Werden die Beine operiert, dann ein entsprechendes Oberteil, bei den Armen eben eine Hose. Ihr dürft euch nach der OP umziehen (Achtung – die operierten Bereiche laufen aus!). Mir hat es mental unglaublich gutgetan, in einem hübschen Longshirt über der Flur zu gehen, statt die ganze Zeit den hinten-offen-Kittel zu tragen.
• Empfindlich und doch fast taub: Wenn ich mir die Beine rasieren möchte, schneide ich mir ständig in die Haut. Auf die Enthaarungscreme reagiere ich mit einem unangenehmen Kribbeln. Die Haut ist auf der einen Seite mega empfindlich was Schmerzreize angeht, aber fast taub wenn es um leichte Berührungen geht, Also Obacht mit scharfen Gegenständen!
• Juckreiz – vollkommen unterschätzt! Tatsächlich ist dieser erst nach ca. sechs Wochen aufgetreten und glücklicherweise nur etwa vier Wochen wirklich stark gewesen. Dafür aber so richtig schlimm! Nachts habe ich mir zum Teil die Beine blutig gekratzt. Daher habe ich die Kompression nachts wieder angelassen, als Hautschutz. Zusätzlich habe ich leichte Kortison Cremes (frei verkäufliche aus der Apotheke) genutzt.
• Körperpflege ist wichtiger denn je. Der – gekühlte – Balsam von Juzo ist hier mein absoluter Favorit. Er hemmt am Morgen den Juckreiz und versorgt die Haut mit ausreichend Feuchtigkeit.

• Den Alltag neugestalten: Die ersten zwei Wochen war ich krankgeschrieben. Die Zeit habe ich auch gebraucht um mich um die erste Heilung kümmern zu können. Sitzen und stehen konnte ich jeweils nur wenige Augenblicke. Liegen und gehen waren die angenehmsten Tätigkeiten, wobei das Maß hier besonders wichtig war. Glücklicherweise hatte ich schnell den Dreh raus und konnte auch meinen Hund Claus schnell von dem neuen Rhythmus überzeugen. Nach den zwei Wochen war er dennoch froh, wieder seine gewohnten Gassi-Zeiten zu bekommen!
• Nicht übertreiben! Aufgrund vieler Gespräche mit anderen chronisch kranken Personen glaube ich, dass es bei uns nur „ganz oder gar nicht“ gibt. Ein gesundes Mittelmaß bekommen wir nur schwer hin, da wir oft glauben uns und unserem Umfeld etwas beweisen zu müssen. Für jeden „schwachen“ Tag zeigen wir an zwei Tagen unsere Stärke. Was anschließend zur totalen Erschöpfung führt.
• Auch nach der Krankschreibung ist Abwechslung in der Bewegung wichtig. Regelmäßige Lymphdrainage ist sehr hilfreich, muss aber natürlich auch in den Alltag integrierbar sein.
• „Ich habe Knie!“ Die Unterschenkel waren als erstes dran und direkt nach der Operation waren sie einfach so unfassbar schlank. Im OP waren meine ersten Worte daher ein sehr überraschter Ausruf über meine Knie. Sie fallen mir auch jetzt immer mal wieder auf.
• Eine Umverteilung hat bisher nicht stattgefunden. Dass es am Hintern und Bauch aktuell wieder mehr wurde, liegt an meiner weiterhin nicht optimalen Ernährung.
• Auf Umfangsverringerungen durch die Operationen alleine sollte man sich jedoch nicht ausruhen! Die Ernährungsumstellung steht mir nun bevor.
• Die Zeit heilt alle Wunden – nimm sie Dir! In meinem Kopf stand der Plan fest: alle zwei Monate eine OP, dann bin ich nach acht Monaten durch. Von der Mobilität und den Schmerzen her hätte dies von Liposuktion eins zu zwei auch funktioniert. Jedoch bin ich nicht sicher, wie sich der Juckreiz auf die Heilung der Oberschenkel ausgewirkt hätte. Vielleicht gar nicht, vielleicht hätte er mich noch mehr verrückt gemacht.
• Manche Komplikationen sind unvorhersehbar. Bei mir war es eine fälschlicherweise diagnostizierte Thrombose. Zwar konnte diese innerhalb nur einer Woche widerlegt werden, doch in meinem Kopf ist in dieser Woche eine ganze Menge passiert.
• Eine Operation aus medizinischen Gründen zu verschieben ist zwar organisatorisch unpraktisch, aber absolut nachvollziehbar und sinnvoll. Auch eine Erkältung kann dazu führen, dass eine Operation besser erstmal nicht durchgeführt wird. Statt Dich dann zu ärgern sei froh um die Fürsorge des Operation-Teams!
Hast Du weitere Tipps für die Community? Oder Fragen zu meinen bisherigen Erfahrungen?
Teile sie gerne mit uns!
Alles Liebe, Deine Kathi
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