
Ich war jahrelang überzeugt, dass Sport und ich einfach nicht zusammenpassen. Beim Laufen schmerzten meine Beine bei jeder Erschütterung, ich war immer die Letzte, die im Schulsport gewählt wurde, und egal wie sehr ich mich bemühte: optisch veränderte sich mein Körper kaum.
Wer schafft es, aus Spaß zu trainieren, wenn der Körper mit Schmerz antwortet? Rückblickend weiß ich: Mein Körper gab mir damals Signale, die ich nicht deuten konnte. Ich dachte, ich sei „schlecht im Sport“, dabei kämpfte ich schon früh gegen Symptome meines Lipödems, ohne es zu wissen.

Es gab diesen Moment, an dem die Waage über 110 kg zeigte und ich einfach nicht mehr konnte. Ich wollte mich wieder wohlfühlen, denn ich war noch nicht mal Mitte 20. Also begann ich, mein Leben umzustellen. Ich nahm 20 Kilo ab. Meine Arme und Beine blieben jedoch unverändert. Heute weiß ich: Das war eines der klarsten Lipödem-Signale überhaupt. Trotzdem passierte etwas Wichtiges: Ich fand Spaß an Bewegung. Krafttraining gab mir zum ersten Mal das Gefühl, stark zu sein. Badminton ließ mich vergessen, dass ich „Sport nicht kann“. Und plötzlich war Sport kein Kampf mehr gegen meinen Körper, sondern etwas, das mir Energie zurückgab.
Heute bewege ich meinen Körper jeden Tag etwa 45 Minuten. Nicht aus Druck, sondern aus Liebe zu meinem Körper. Das kann ein Spaziergang sein, eine Mobility-Einheit, ein Pilates-Kurs, Krafttraining oder eine Schwimmrunde. Ich gehe 2–4 Mal pro Monat schwimmen, spiele kein Badminton mehr, aber ich nutze die Kraft, die ich mir über die Jahre aufgebaut habe.
Ein wichtiger Tipp, den ich aus meiner eigenen Erfahrung gelernt habe: Schau, wann deine besten Zeiten für Sport sind. Früher habe ich am liebsten morgens trainiert, weil die Schmerzen da noch nicht so stark waren. Heute achte ich darauf, auf die Signale meines Körpers zu hören und meine Einheiten danach zu planen. Das ist mal morgens, mal nachmittags, je nachdem, wie ich mich fühle. Das macht einen großen Unterschied für Motivation und Schmerzempfinden.

Ich habe Jahre gebraucht, um zu begreifen: Der Druck, DEN EINEN richtigen Sport finden zu müssen, ist völlig unnötig. Hobbys und Meinungen können und dürfen sich ändern.
Lipödem-Betroffene haben unterschiedliche Schmerzgrenzen, Energielevel, Tagesformen und Belastbarkeiten. Was also für mich wirklich zählt:
– auszuprobieren
– reinzuspüren
– anzupassen
– Pausen ernst zu nehmen
– und Spaß als Indikator erster Stelle zu sehen
Sport muss nicht immer leistungsorientiert sein. Er sollte deinen Lymphfluss unterstützen, Spannungen lösen und dich emotional stärken. Wenn du dich nach der Bewegung besser fühlst als davor, bist du auf dem richtigen Weg.

🏊♀️ Schwimmen & Aqua Fitness
– Schonend für Gelenke und Gewebe, fördert den Lymphfluss, reduziert Schwellungen und tut fast immer gut. Perfekt bei Schmerzphasen.
🏋️♀️ Krafttraining
– Stärkt Muskulatur und Stoffwechsel, verbessert Gelenkstabilität, reduziert Druckschmerz langfristig. Besonders geeignet: Geräte- oder Hanteltraining mit kontrollierten Bewegungen.
🚶♀️ Spaziergänge & Walking
– Alltagsfreundlich, kein Druck, keine Erschütterung. Hilft, Lymphfluss und Kreislauf konstant in Bewegung zu halten.
🧘♀️ Pilates & Mobility
– Verbessert Haltung, löst Verklebungen, stärkt Tiefenmuskulatur. Perfekt, wenn du mehr Körpergefühl und weniger Schmerz möchtest.
🚴♀️ Fahrradfahren / Indoor Biking
– Kaum Erschütterung, gute Aktivierung der Beine, super für Ausdauer und Durchblutung.
🧗♀️ Low-Impact-Training
– Alles, was ohne Springen, Stoßbelastung oder starke Erschütterung arbeitet, ist in der Regel ideal (z. B. Stepper, Crosstrainer).
FAZIT: Sport mit Lipödem lohnt sich! Aber nur, wenn er zu DIR passt.
Nicht die Sportart macht dich stärker, sondern die Verbindung zu deinem Körper.
Und manchmal beginnt diese Verbindung erst, wenn man sich erlaubt, neu anzufangen.
Erzähl mir gerne, welcher Sport DICH glücklich macht.
Bis zum nächsten Mal,
Deine Jenny
Beitrag teilen
© 2026 deinestarkeseite.de