Kerstin
21.September 2017 | Mein Lipödem

Mein Lipödem und ich - mein Weg zur Diagnose

Hallo, ich bin Kerstin, 36 Jahre jung, Mama zweier toller Kinder, verheiratet und das ist meine Geschichte hin zur Diagnose und darüber hinaus.

FRAUENSACHE Bloggerin Kerstin und ihr Weg zur Diagnose Lipödem

Als Kind war ich ganz „normal“

Bis zu meiner Pubertät war ich ein ganz normales, schlankes Mädel. Habe Sport getrieben wie Turnen, Leichtathletik und Schwimmen.
So mit 11/12 Jahren bemerkte ich, dass ich trotz normalen Essverhaltens immer pummeliger wurde, vor allem an den Beinen und Armen. Es steigerte sich leider so, dass ich mit 14 zu meiner Konfirmation schon Kleidergröße 44 trug. Das führte wohl dazu, dass meine „besten Freunde“ aus der Clique mich gut ein Jahr lang mobbten, indem sie tagtäglich an unserem Haus vorbei gingen und mir den tollen Spitznamen “Roller“ zuriefen. Dieses eine Jahr war so schlimm für mich, dass ich mich nicht mehr in den Schulbus traute oder mich in der Schulpause in der Bibliothek versteckte und mein Selbstbewusstsein einen derben Riss bekam.

Du hast ein hübsches Gesicht, aber…

Da die Kilos leider immer mehr wurden und ich mir auch so langsam Frust anfutterte, war da auch kein Ende in Sicht.
Die Teenie-Zeit war auch nicht immer schön, was das Thema Jungs betraf.
Ich weiß bis heute nicht, ob die sich damals alle abgesprochen hatten oder ob es diesen einen ganz besonderen Satz im Sonderangebot gab, denn immer, wenn ich meinem Schwarm meine Gefühle gestand, bekam ich ein und denselben Satz zu hören: „Kerstin, Du hast ein hübsches Gesicht und bist sehr nett, aber…!“ …Aber ich war ihnen zu dick. Dass ich damals schon am Lipolymphödem litt, ahnte niemand.

Liebeskummer macht schlank

Mitte Zwanzig traf mich dann Amors Pfeil mit voller Wucht. Endlich ein Mann der mich so mochte wie ich war, doch leider traf mich danach schwer der Liebeskummer und damit kam der Zeitpunkt, wo ich nichts mehr gegessen habe oder nur so viel, dass meine Eltern nichts zu meckern hatten. Gute 30 kg habe ich damals verloren und fühlte mich unheimlich gut. Ich bin von Kleidergröße 50 auf 42-44 geschrumpft. Es war toll. So gut wie keine Schmerzen mehr und ich fühlte mich leicht. Nur fiel mir auf, dass meine Oberschenkel, Waden und auch die Oberarme proportional dicker waren als sie eigentlich sein sollten. Ich hatte immer noch Probleme was das Jeans kaufen betraf, da sie einfach sehr eng waren oder auch Shirts waren an den Ärmeln immer noch zu eng.

Dein Experte vor Ort unterstützt Dich!

Du suchst ein Sanitätshaus oder einen Fachhändler in Deiner Nähe, der Deine Fragen zum Thema Lipödem beantwortet und Dir professionelle Beratung bietet? Dann nutze unsere Fachhändlersuche.

Jetzt Experten finden

Meine erste Schwangerschaft

Meinen Ehemann lernte ich damals als Arbeitskollegen kennen und lieben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die oben beschriebene Kleidergröße 44. Im Laufe der Beziehung waren die abgenommenen 30 kg nach gut eineinhalb Jahren wieder drauf und das obwohl ich nicht wirklich mehr gegessen habe. Die Hochzeit stand vor der Tür und ich war im 6. Monat schwanger. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer mal mit dicken Beinen und Füßen zu kämpfen, aber es war weitaus nicht so schlimm, wie es noch werden sollte.
Nicht lange nach der Hochzeit explodierte mein Gewicht förmlich. Was ich erst heute weiß ist, dass ich durch die Schwangerschaftshormone einen weiteren Schub hatte.

Meine Beine waren so voller Wasser, dass ich mich nicht mal mehr alleine anziehen konnte, was ich persönlich nicht wirklich sexy fand. Ich kam mir wie ein Wal auf zwei Beinen vor, der gestrandet war und so sah ich auch aus. Die Haut spannte an den Beinen und ich hatte schlimme Schmerzen. Ich konnte nicht gehen, nicht stehen, nicht liegen, alles tat nur unheimlich weh.
Nach der Entbindung ging das Wasser langsam aus den Beinen, aber vom Gewicht her tat sich nichts mehr. Ich hatte mittlerweile insgesamt über 50 kg zugenommen.

Was ist ein Lipödem und habe ich das auch?

In der Schwangerschaft unseres zweiten Kindes verlief alles normal, ich nahm nur 10 kg zu, die nach der Entbindung auch wieder weg waren. An die Schmerzen in den Armen und Beinen hatte ich mich einfach gewöhnt und sie gelernt zu akzeptieren. Und was das Abnehmen betraf, hatte ich von 300 Diäten 301 ausprobiert und habe resigniert.

Letztes Jahr, es war so im Sommer, sah ich einen Bericht im Fernseher über eine deutsche Schauspielerin, die über ihr Lipödem sprach und ich erkannte vieles bei mir wieder. Ich fing an im Internet nach Lipödem zu forschen und stellte fest, dass auch ich betroffen sein könnte.

Ich suchte nach einem Facharzt und machte dort einen Termin. Leider fühlte ich mich nicht gut aufgehoben bei diesem ersten Arzt, da mich seine Behandlungsmethoden nicht zufrieden stellten. Die von ihm verschriebene Rundstrickstrumpfhose rutschte ständig und er hatte kein offenes Ohr für meine Fragen. Er war der Meinung, ich solle erst mal abnehmen um eine Flachstrickkompressionsstrumpfhose zu bekommen und verwies auf die Kosten die der Krankenkasse damit entstehen würden. Ich habe dann das Glück gehabt einen für mich kompetenten Angiologen zu finden, der meine Sorgen ernst nahm und mir auch endlich eine richtige Diagnose mitteilte. Bisher stand nur ein Lipödem im Raum vom besagten ersten Arzt.

Blogger werden

Du hast ein Lipödem, kennst Dich gut damit aus oder hast Angehörige, die ein Lipödem haben? Du schreibst gerne oder hast vielleicht schon Deinen eigenen Blog? Dann bewirb Dich bei uns als Blogger.

Jetzt Blogger werden

Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe mich auf Facebook einer Selbsthilfegruppe für Lipödem angeschlossen, um mich weiter über das Lipödem zu informieren. Um mich über das Lipödem auszutauschen, habe ich dort ganz tolle „Lip-Schwestern“ gefunden, die einem mit Rat und Tat beiseite stehen. Ich habe mir eine Flachstrickkompressionscaprihose machen lassen in schwarz-braun und eine in blaubeer-weiß, beide mit Batikmuster.

Heute weiß ich, dass meine Oma das Lipödem hatte, meine Mama ebenfalls und ich werde ganz besonders bei meiner Tochter darauf achten. Ich will nicht, dass es ihr genauso ergeht wie mir, 25 Jahre nicht zu wissen was mit ihrem Körper los ist.

Jetzt lerne ich, mich so zu akzeptieren, wie ich bin, auch mit Kleidergröße 54. Mein Mann ist mir eine große Stütze, der mich immer wieder aufmuntert. Er liebt mich so wie ich bin. Auch ich lerne langsam, mich so zu lieben und trage auch mit Größe 54 auffallende Kompressionsstrumpfhose und Kleider. Das tue ich, einfach weil ich es kann und will und ich mich nicht verstecken werde, auch nicht mit meinen Pfunden. Niemand macht mir dieses neugewonnene Selbstbewusstsein kaputt.

Ganz liebe Grüße, Eure Kerstin

3 Kommentare
Kommentieren
Gisela

Liebe Kerstin ich finde deinen Bericht zutreffend für uns Lipfrauen. Sei stolz auf dich 👍❤

am 21.09.2017 | 23:15
Andrea

Weiter so...kannst sehr stolz auf dich sein.. lache und liebe das leben ☺

am 21.09.2017 | 22:01
Mama

Ich bin stolz auf dich !!!

am 21.09.2017 | 20:15

Dein Kommentar wurde erfolgreich abgeschickt.
Der Kommentar wird in ein paar Minuten erscheinen.

Unsere Blogger

Leben mit Lipödem: Diese tollen starken Frauen erzählen Dir aus ihrem Alltag! Schau doch mal rein in ihren Blog.

Blogger werden

Du hast ein Lipödem, kennst Dich gut damit aus oder hast Angehörige, die ein Lipödem haben? Du schreibst gerne oder hast vielleicht schon Deinen eigenen Blog? Dann bewirb Dich bei uns als Blogger.

Jetzt Blogger werden
Netiquette

Wir wollen, dass Du von dieser Seite profitierst. Du findest hier starke Frauen, die über ihr Lipödem schreiben ‒ eine sehr persönliche und intime Sache! Deshalb bitten wir alle User um einen netten Umgangston miteinander. Vielen Dank.

8 goldene Regeln