Rebecca
09.August 2018 | Mein Lipödem

Mein Leben als Mama mit Lipödem

Mama sein mit Lipödem... Ist das denn so anders? Gibt’s denn da solche Unterschiede zu den „normalen“ Mamas? Ja und Nein. Was für mich anders ist und warum ich manchmal ziemlich an meine Grenzen auf Spielplätzen stoße, davon möchte ich euch gerne berichten.

Da dies mein erster Blogbeitrag ist, möchte ich mich euch gerne kurz vorstellen: Ich heiße Rebecca, bin seit kurzem 30 Jahre alt, seit fast 9 Jahren glücklich verheiratet und ich bin Mama einer 3-jährigen Tochter namens Lena. Meine Diagnose Lipödem bekam ich Anfang 2014. Davor wusste ich nur das mit meinen Beinen etwas nicht stimmt, was genau es war, da tappte ich jahrelang im Dunkeln. Daher war die Diagnose eigentlich eine Erlösung für mich. Dennoch wusste ich, das eine Schwangerschaft, welche ich mir sehnlichst wünschte, deutliche Spuren hinterlassen kann. Dieses Risiko war ich dennoch bereit einzugehen, und so beginne ich nun euch aus meinem Leben als Lipödem-Mama zu schreiben.

Ich bin Mama... und Lipödemkämpferin

Die Schwangerschaft mit Lena verlief komplikationslos, meine Beine haben allerdings in den "Explosionsmodus" gewechselt. Ab der 30. Woche fühlte ich mich gelinde gesagt wie ein gestrandeter Wal, der alles Wasser aus dem Meer in seinen Beinen beherbergte.

Nach der Geburt ging das Wasser zwar rasch zurück. Das böse, neu dazu gekommene Lip-Fett hatte allerdings Gefallen an meinen Oberschenkeln und dem schon vorhandenen Lip-Fett gefunden und sich häuslich niedergelassen.

Na gut, das trübt das Mamaglück in den ersten Monaten nicht wirklich. Zumindest mein Glück war einfach perfekt und ich habe schlicht akzeptiert, dass ich für mein größtes Glück der Welt einen gewissen Preis zahlen musste. Nun, die kleine Maus wurde größer, begann zu laufen und zu sprechen. Natürlich steckt in ihr eine riesengroße Abenteuerlust, die Welt zu entdecken. Was für uns Frauen Shoppingmalls sind, sind für die Kleinen Spielplätze, Wälder und vieles mehr. Und genau da komme ich manchmal an meine Grenzen. Warum? Ganz einfach, weil Schaukeln und Rutschen auf Spielplätzen nicht ganz so kompatibel mit meiner Figur sind.

Besuch auf dem Spielplatz

Lena liebt es zu rutschen und zu schaukeln. Ich auch, doch auf dem örtlichen Spielplatz bleibe ich aufgrund der Enge der Rutsche schlicht und ergreifend bei der Hälfte stecken. Nicht gerade schön, wenn die Tochter dann sagt „Mama komm ganz rutschen, bitte keine Pause machen“ (dabei meint sie dann das zwischendrin stecken bleiben). Auch die Blicke und das teilweise hämische Grinsen anderer Mütter bleiben mir da nicht verborgen, während ich mich mühevoll langsam nach unten in Richtung Sandkasten die Rutsche hinunter zwinge.

Das tut teilweise sehr weh, dennoch lasse ich mir nix anmerken und wir gehen schaukeln. Nächstes Problem: Die Ketten woran die Schaukel befestigt ist schneiden mir so dolle links und rechts in die Oberschenkel ein, dass man meint meine Schenkel hätten die Kette aufgefuttert. Die Schmerzen, die hierbei entstehen, brauche ich euch glaube ich nicht näher erläutern. Zuhause vom Spielplatz erst mal Hose runter. Tadaaa, links und rechts zwei lange bläuliche Flecken welche von der Schaukel stammen. Diese werden mich die nächste Zeit an den Spielplatz erinnern.

Deine ``Wackelpuddingbeine``, Mama

Mit 3 Jahren ist Lena nicht auf den Mund gefallen und sagt was sie denkt. Neulich hatten wir die Situation, bei der ich genau das merkte. Seit 6 Wochen erst trage ich endlich die lang ersehnte Kompression, welche mein alter Arzt mir trotz Diagnose 4 Jahre lang verweigert hat. Wenn ich nun am Abend die Kompression ausziehe schaut mir meine Tochter dabei oft zu. Ich beziehe sie ein so gut es geht und lasse sie auch beim Ausziehen helfen, wenn sie das möchte. Neulich hatten wir dann folgenden Dialog:

„Mama, ich will dir ausziehen helfen!“
„Okay, mein Schatz und was machen wir als Erstes?“
„Du musst zuerst den Reißverschluss aufmachen.“
„So, der Reißverschluss ist auf und jetzt?“
„Jetzt musst zu Hose runter ziehen bis zum Knie.“
„Sehr gut Mama, das hast du toll gemacht.“
„Danke, mein Schatz und darf ich die Hose jetzt ganz ausziehen?“
„Ja Mama, jetzt kannst du deine Laufhose ausziehen, guck da kommen die großen Beine wieder, siehst du, das sind deine Wackelpuddingbeine!“

Glaubt mir bitte, ich wusste in dem Moment nicht wie ich darauf reagieren soll. Lachen? Weinen? Ich habe mich dafür entschieden mit Lena zusammen zu lachen. Denn sie hat es einfach so erklärt, wie sie mich den Tag über beobachtet. Am Tag laufe ich dank Kompression mittlerweile fast ohne Schmerzen. Am Abend, wenn die Hose unten ist, ist es eben nicht mehr so fest wie mit Hose, sondern wabbelig – wie ihr geliebter Wackelpudding.

Mamaglück trotz Lipödem

Ich habe euch jetzt erzählt, was manchmal anders ist eine Mama zu sein, die Lipödem hat und glaubt mir, es gibt noch sehr viele andere Situationen über die ich euch berichten könnte. Oben habe ich aber geschrieben, dass dann doch nicht alles anders ist und damit möchte ich nun zum Ende meines ersten Blogbeitrags kommen.

Egal wie dick meine Beine und Oberarme auch sind, egal wie viel Schmerzen ich durch diese Krankheit habe: Ich liebe meine Tochter über alles auf der Welt und ich könnte mir kein größeres Glück in meinem Leben vorstellen! Ich liebe es ihre Entwicklung begleiten zu dürfen und ihre Liebe spüren zu können. Denn egal wie wir auch äußerlich aussehen mögen: Ein Mamaherz schlägt immer gleich, egal ob mit oder ohne Lipödem und auch ganz egal ob mit Größe 32 oder 64.

Herzliche Grüße eure Rebecca

2 Kommentare
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Mina

Ich bin froh, dass ich meine Diagnose erst nach meinen 3 Schwangerschaften erhalten habe. Denn ich wüsste nicht genau, ob ich es mir dann anders überlegt hätte, Kinder zu bekommen. Denn da hätte ich auf etwas ganz Großes verzichten müssen, das wird mir heute klar.

am 09.08.2018 | 08:56
Marilena / noitabavaria

Liebe Rebecca,

Danke für deinen Beitrag den du trotz der Schwere mit viel Leichtigkeit verfasst hast. Unfassbar das dir die Ärzte die Kompression verweigert haben! Es ist ein Hilfsmittel und belastet nicht ihr Budget. Die Schwangerschaft wäre mit Kompression vielleicht nicht so belastend gewesen? Kindermund tut bekanntlich Wahrheit kund, als Erwachsene bewerten wir schnell: dick ist schlecht dünn ist gut. Dabei ist es nur eine Beschreibung. Dein Kind liebt offensichtlich Wackelpudding und das ist gut so 🙂

Alles Gute auf deinem Weg!

am 09.08.2018 | 08:41

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