Anna-Lena
21.Februar 2019 | Mein Lipödem

Liposuktion mit Kind – Planung ist alles

Ich habe mich für den operativen Weg entschieden – das heißt aber nicht, dass dies auch euer Weg ist. Ich möchte mich aber auch nicht dafür rechtfertigen müssen. Außerdem ist es mir sehr wichtig, dass ihr – wenn ihr euch auch so entscheiden solltet – diese Entscheidung mit all ihren Konsequenzen wohlüberlegt trefft, denn diese Operationen waren wirklich kein Strandspaziergang. Ich möchte euch keine medizinischen, sondern lebenspraktische Ratschläge für diese Phase geben.

„Eine Operation ist und bleibt ein großer Eingriff – jeder reagiert anders“

Diese Erkenntnis sollte ich schmerzlich bei meiner ersten Liposuktion (Oberschenkel vorne, 5,2 Liter) lernen. Mein Kreislauf hatte mich bis dato nie im Stich gelassen, aber das war nun anders. Ich reagierte extrem auf den hohen Flüssigkeitsverlust und das war teilweise ganz schön gefährlich. Die Aussage der Klinik, dass man nach ca. 10 Tagen wieder arbeitsfähig sein sollte, stimmte in meinem Fall leider nicht. Ich habe wirklich extrem gelitten. Vor allem das Duschen war die Hölle. Geht am besten die ersten Male nicht alleine duschen (Privatsphäre ade!) und nehmt vorher einen Traubenzucker zu euch. Sobald ich die Kompression auszog, wurde mir schwarz vor Augen und beim ersten Mal wurde ich sogar kurz bewusstlos.

Deshalb: Trinken, Trinken, Trinken und Traubenzucker, Traubenzucker, Traubenzucker!

Die Kreislaufprobleme hatte ich nicht bei jeder Operation, da diese insbesondere mit der Region und der abgesaugten Menge zusammenhängen. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Die anstrengende Phase der Liposuktion: Was hilft?

Meine vier Liposuktionen fanden alle von Mai 2017 bis März 2018 statt. Bei meiner ersten Operation war mein Sohn 10 Monate alt und hat von dem folgenden Drama nicht viel mitbekommen. Dennoch braucht ihr wirklich mehr Hilfe, als ihr vielleicht glaubt. Auch wenn euer Partner sich Urlaub nimmt, kann uns soll er das unmöglich alleine stemmen (insofern ihr eben starke Schmerzen habt). Im Endeffekt haben wir es gehandhabt wie beim Kinder kriegen: Besuch erwünscht – aber bringt Essen mit! Die Oma meines Mannes hat uns die ersten Tage immer etwas leckeres eingekauft und gekocht, was wirklich sehr praktisch war, da mein Mann sich voll und ganz unserem Sohn widmen konnte. Außerdem solltet ihr die ersten Tage möglichst nicht unbeaufsichtigt sein!

Da ich immer ziemlich mies drauf war und leider auch echt viel geweint habe, hat es sich als sinnvoll erwiesen, Leute zu haben, die das Kind auch einmal aus der Schusslinie und mit auf den Spielplatz nehmen, denn so kann man auch mal ungestört und vor allem ungehemmt heulen. Ich hatte vor der Operation eine WhatsApp Gruppe mit Freunden und Familie gegründet und jeder hat sich beispielsweise für einen „Termin“ oder eine „Aufgabe“ eingetragen. Dies war vor allem bei der letzten Operation wirklich hilfreich, da mein mittlerweile 1,5 Jahre alter Sohn leider so ziemlich alles mitbekommen hat. Zuletzt: Organisiert wirklich alles vorher: Macht eure Termine für die MLD, füllt euren Kühlschrank auf, raubt Apotheken aus und vor allem: Schließt mit euch selbst den Vertrag, dass Aufgeben keine Option ist, auch wenn ihr vorübergehend wie ein angeschossener Pinguin laufen werdet.

Zuletzt – bitte keine Panik!

Wirklich jeder steckt die Liposuktion anders weg und ich möchte euch auf keinen Fall Angst machen – im Gegenteil. Behandelt euch gut in dieser schweren Zeit, tut euch etwas Gutes, gesteht euch Ruhe zu und seid vor allem nicht zu streng mit euch selbst. Die Tatsache, dass ihr euer Kind mal eine Zeit lang nicht zur Gute-Nacht-Geschichte auf den Schoß nehmt, macht euch nicht zur Rabenmutter. Auch Heulen ist vollkommen legitim, denn für Tränen gilt dasselbe wie für Lipödem-Fett: Immer raus damit!

Eure Anna-Lena

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6 Kommentare
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Sarah

Hallo Kathrin

Ich habe meine Diagnose erst vor ein paar Wochen bekommen,und habe mich recht schnell für eine Op entschieden.
Vlt könnt ihr mir weiter helfen.
Mein Lymphologe hat mir einen Chirurgen empfohlen den ich dann auch aufgesucht habe,er hat mich angeschaut und eigentlich sehr gut beraten.
Er meinte aber das bei mir nur die Innenseite der Beine gemacht werden muss,dazu muss ich sagen das das auch meine schmerzhaftesten stellen sind.
Also wäre nur eine Op bei mir nötig.
Was ich mich gefragt habe ist das aber meine ganzen Beine von dem Lipödem betroffen sind und ich ja nie lese von ganz vielen Betroffenen das sie mehr als zwei Ops hatten und beide Beine komplett gemacht werden mussten egal welches Stadium es war.
Fühle mich sehr verunsichert ob das denn dann wirklich ausreicht eine zu machen.
Ich habe schon sehr Angst vor der Operation denn man liest ja echt nichts positives 🙈.

am 26.02.2019 | 17:48
Team FRAUENSACHE

Liebe Kathrin,
wir finden es gut, dass ihr euch so rege austauscht. Allerdings würden wir aus Datenschutzgründen davon absehen, die Telefonnummer zu posten.
Ganz liebe Grüße
FRAUENSACHE-Team

am 27.02.2019 | 08:17
Kathrin

Hallo Sarah,
ich bin mir auch nicht sicher ob das mit einer OP ausreichend ist , oder ob der Körper dann an einer anderen Stelle das Fett einlagert. Außerdem weiß ich nicht, ob ein Chirurge der richtige Ansprechpartner für ein Lipödem ist... Ich war bei Dr. Gaube in Ingolstadt. Das ist ein Plephologe und kennt sich mit Lipödem sehr gut aus. Der ist sehr kompetent und ich bin mit dem Ergebnis der Beine sehr zufrieden. Vielleicht musst du dir noch eine andere Meinung einholen... Die erste OP war bei mir die Oberschenkel Außenseite, danach die Innenseite und zum Schluss die Hinterseite der Beine und die Waden. Ich muss noch ca. 2 Monate die Kompression tragen, kann aber jetzt schon sagen, dass die Beine gut geworden sind. Wenn du magst kannst du mich auch gerne mal anrufen und wir können darüber reden. Ich kann mich noch gut erinnern wie verunsichert ich vor der ersten OP war.
Bei mir geht es jetzt leider auch an den Armen los.... aber ich hab jetzt auch einen Termin für die OP ausgemacht. Meine Nummer 08452/735056.
LG Kathrin

am 27.02.2019 | 07:37
Anna-Lena

Hallo Kathrin,
also bei mir waren die Arme als ich die Bein-Ops anfing nur optisch minimal betroffen und ich hatte keine Schmerzen, nur ein Schweregefühl...im Laufe der Bein-Ops fingen die Arme leider drastisch an zu wachsen und schmerzten so sehr, dass ich mich nicht einmal mehr selbst föhnen konnte. Dass dies passiert, ist leider nicht ungewöhnlich, denn wir alle wissen, auch Stress kann einen Schub auslösen - und den hat man in der OP-Phase leider genug...
Ich bin kein Arzt und kann dir leider nicht sagen, ob und wann das Lipödem wieder kommen könnte...darüber wird ja auch heiß diskutiert. Für MICH steht fest, dass ich daran glaube, dass die operierten Stellen keine Probleme mehr machen werden, wenn umfassend operiert wurde, hat man denke ich gute Chancen auf massive Schmerzreduzierung oder sogar Schmerzfreiheit. Ich habe seit den Ops keine negativen Veränderungen an mir bemerkt und kann nicht sagen, dass ich an anderen Stellen zugelegt habe. Allerdings muss man natürlich auch auf sein Gewicht achten nach den Ops umso mehr :) Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte.?.Alles Liebe!

am 22.02.2019 | 09:11
Kathrin

Hallo Anna-Lena,
danke für deine Rückantwort.
Ich habe jetzt auch einen OP Termin für die Arme ausgemacht.
Ich sehe jetzt dem auch zuversichtlich entgegen. Kopf in den Sand stecken hilft ja auch nichts...
LG Kathrin

am 27.02.2019 | 07:27
Kathrin

Hallo Anna-Lena,
mein Name ist Kathrin. Vielen Dank für deinen ehrlichen Artikel. Ich habe im letzten Jahr 3 Bein-OP`s hinter mich gebracht. Eigentlich bin ich mit den Beinen total happy. Bei mir geht es jetzt an den Armen los. Die waren bisher zwar nicht dünn aber auch nicht so richtig dick. Hast du die Arme auch machen lassen? Und was mich noch brennend interessieren würde... kommt dann das Lipödem noch anderswo oder ist dann endlich mal Ruhe. Vielleicht kannst du mir hier weiterhelfen.... ich hab nämlich auch gerade deine oben beschriebene Heulphase.... aber ich glaub das gehört eben auch einfach dazu

am 21.02.2019 | 12:34

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