Lina
20.August 2020 | Beruf & Karriere

Kompression im Handwerksberuf

Hallo ihr Lieben,

ich bin Lina, 28 Jahre alt und komme aus Goslar.

Meine Diagnose, Lipödem Stadium 2, erhielt ich im November 2018. Ausgebrochen ist dieses aber schon vor ca. 10 Jahren. Wahrscheinlich durch den Wechsel von der 3-Monatsspritze zur Pille.

Ich bin gelernte Schilder- und Lichtreklameherstellerin und seit 2012 in diesem Beruf tätig. Wir beschriften Schilder und Schaufenster, sowie PKWs, Motorräder, Busse und LKWs mit Folie.

Um diese Aufgaben zu erledigen, stehe ich täglich auf der Leiter, liege auf dem Boden, gehe oft in die Hocke oder auf die Knie. Das alles ist mit Kompression gar nicht so einfach. Wie ich damit umgehe, möchte ich Euch nun näher bringen. :)

Mein Arbeitsalltag vor der Diagnose

In der Ausbildung merkte ich schon bald, dass meine Beine im Laufe des Tages immer schwerer und schmerzhafter wurden. Den ganzen Tag zu stehen und mich körperlich zu betätigen machte mir zu schaffen und ich war nach dem Feierabend sehr erschöpft. Ich ging aber immer davon aus, dass ich mich daran einfach nur gewöhnen muss.

Einige Jahre später war ich in einem Sanitätshaus, um mir eine Kniebandage abzuholen. Bei der Anprobe machte mich eine Mitarbeiterin darauf aufmerksam, dass ich ein Lipödem haben könnte. Kurz danach folgte dann die Diagnose vom Facharzt und ich bekam ein Rezept für Flachstrickkompression.

Mein Arbeitsalltag mit Kompressionsstrumpfhosen

Zuerst wusste ich gar nicht, wie ich das alles bewerkstelligen soll. Ich mochte es noch nie, eine Strumpfhose unter einer Hose (in dem Fall die Arbeitskleidung) zu tragen. Und wie soll das erst im Sommer klappen? Zusätzlich die viele Bewegung: Leiter hoch, Leiter runter, hocken, knien, liegen. Und was sollen die Chefs denken, wenn ich nun länger auf der Toilette brauche? Immer wieder lese ich in der Lipödem Community, dass sich andere Frauen ebenfalls diese Fragen stellen und ich kann nun selbstsicher sagen: Einfach machen. Darüber reden, erklären, aufklären und durchziehen. :)

Durch die Kompression sind meine Beine am Abend nicht mehr so schmerzhaft und schwer. Sehr wichtig ist eben, dass sie richtig ausgemessen wurde und gut sitzt. Dadurch drückt nichts in der Kniekehle, wenn ich mich hinhocke und sie rutscht nicht, wenn ich wieder aufstehe.

Auch im Sommer trage ich die Kompression täglich. Ich krempel meine Arbeitshose dann bis zu den Knien hoch oder ziehe eine Shorts an. Ich trage eine Männergröße. Diese sind schön weit geschnitten, luftig und bequem und macht die Sache dann nochmal einfacher. Zusätzlich befeuchte ich meine Unterschenkel regelmäßig mit einer Wassersprühpistole.
Ich dachte mir morgens immer: „Zieh die Kompression erstmal an und wenn es dir dann doch zu warm wird, ziehst du sie halt wieder aus. Aber dann hast du es wenigstens versucht!“ Und genau dieser Gedanke hat mir geholfen, es täglich durchzuziehen - ich hab sie dann einfach angelassen.

Das mit den langen Toilettengängen hat sich ohnehin schnell erledigt, da ich schon nach kurzer Zeit raus hatte, wie ich meine Strumpfhose schnell wieder anbekomme. Hierbei helfen mir die obligatorischen Gartenhandschuhe.

Was mir auch sehr geholfen hat war, einfach mit den Chefs und Kollegen darüber zu reden. Ich habe ihnen von der Krankheit erzählt und erklärt, dass ich manche Tätigkeiten (zB. lange hocken) nicht so gut ausüben kann. So muss ich mich nicht „verstecken“ und sie können es besser nachvollziehen.

Ich hoffe, ich konnte Euch etwas motivieren,
Eure Lina :)

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1 Kommentare
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Anna/ Anruh

Liebe Lina,

ich kenne dich als starke, selbstbewusste und lebensfrohe junge Frau. Ich ziehe meinen Hut vor dir und deinem offenen Umgang mit der Erkrankung Lipödem. Geduldig beantwortest du scheinbar „doofe“ Fragen, nimmst dir Zeit und betreibst Aufklärung zu diesem - oft noch unbekannten - Thema. Du bietest Unwissenden, die behaupten man sei nur „fett“ oder „selbst schuld“ , die Stirn und nimmst an vielen Aufklärungskampagnen teil. Es ist unglaublich, wie du aus einer solch demotivierenden und sicherlich erst niederschmetternden Diagnose etwas so positives schaffst. Du hast meinen allerhöchsten Respekt für deinen offenen Umgang mit deinem Körper, für das „zeigen“ deiner „Makel“ und die Teilnahme an Lipödemshootings. Viele (junge) Frauen haben eine total verklärte Ansicht zu ihrem Körper und schämen sich für ihn, leider geben die Medien und die Modebranche ein völlig falsches Idealbild vor...du gehst stolz erhobenen Hauptes voran und zeigst ungeschönte Bilder ohne Filter. Du siehst es gar nicht ein dich zu verstecken oder „klein zu machen“. Dies ist ein riesiger Schritt und du bist dadurch vielen Frauen ein riesiges Vorbild. Klasse, wie du trotz der Einschränkungen dem Job nachgehen kannst, den du liebst. Du sagst deinem Lipödem durch Sport, Wandern, deinen Beruf und viel Bewegung/Sport „den Kampf an“ und lässt dich nicht entmutigen- das finde ich großartig! Auch wenn ich selbst nicht vom Lipödem betroffen bin, bist du für mich durch deinen Umgang mit der Thematik eine wahre Heldin des Alltags. Bitte mach weiter so!

am 20.08.2020 | 17:56

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