Britta
22.März 2018 | Mein Lipödem

Das Lipödem in den Armen

Meine Arme fand ich nie besonders schön. Sie waren kräftig, vor allem die Oberarme. Außerdem bildeten sich in den letzten Jahren Dehnungsstreifen. Es schmerzte ziemlich, wenn mich jemand in den Arm kniff, mich fest umarmte oder ich, wie es leider häufiger passiert, mit dem linken Unterarm gegen die Türklinke der Küchentür lief. Die dabei entstandenen blauen Flecken heilten immer nur langsam ab. Im Alltag hatte ich jedoch keine Schmerzen in den Armen, deshalb trug ich keine Flachstrickversorgung für die Arme.

Britta mit Lipödem an den Armen

Die Veränderung meiner Arme

Nach den Liposuktionen meiner Beine aufgrund des Lipo-Lymphödems veränderten sich meine Arme. T-Shirts passten auf einmal nicht mehr, sie spannten, Nähte an den Ärmeln drückten sich in den Oberarm und schmerzten. In vielen Oberteilen fühlte ich mich wie eingesperrt, weil an den Armen alles so eng war. Kurz vor der zweiten Liposuktion der Beine hatte ich mir einen wunderschönen, gut sitzenden, dunkelblauen Sommermantel gekauft. Als es nach der OP dann endlich warm genug war und ich den Mantel anziehen wollte, passte er nicht. Ich konnte ihn nicht mehr über die Arme ziehen, denn ich blieb darin stecken. Da war der Kauf keine sechs Wochen her.

Gegen Ende des Sommers konnte ich nur noch Tops und dünne Cardigans tragen. Am linken Unterarm, direkt unterhalb der Armbeuge, bildete sich zudem eine Art Falte und ein ca. 3 cm breiter Fettring, den die Ärztin später als Muff bezeichnete.

Schmerzen in den Armen

Langsam kamen dumpfe Schmerzen dazu, sodass ich zu Beginn dachte, ich hätte mir vielleicht einen Nerv eingeklemmt oder im Schlaf falsch gelegen. Schon eigenartig, dass ich den Schmerz zu Beginn gar nicht mit dem Lipödem in Verbindung brachte. Die Schmerzen traten immer häufiger auf, wurden intensiver. Bewegungen und Tätigkeiten, ganz alltägliche Dinge, die mir sonst nie Mühe gemacht hatten,  wie das Radfahren und das Aufhängen der Wäsche, später auch auch das Zähneputzen und Schneiden von Gemüse, wurden anstrengend und schmerzhaft.

Die Liposuktion der Arme

In Absprache mit der operierenden Ärztin entschied ich mich für eine zeitnahe Liposuktion der Arme. Einige Wochen vor der OP bekam ich eine Verordnung für eine flachgestrickte Armversorgung und ließ zusätzlich zur Lymphdrainage für die Beine, auch die Arme behandeln. Ich fragte mich wie stark die Bewegungseinschränkungen und die Schmerzen nach dem Eingriff sein würden, ob ich allein zur Toilette gehen könnte und wie es ist einen Zugang am Fuß gelegt zu bekommen.

Meine Bedenken waren weitestgehend unbegründet. Die OP verlief gut und es wurde viel Lipödem-Gewebe entfernt. Der Zugang am Fuß für die Infusionen war am Ende angenehmer, als die Zugänge in den Armen für die Bein-OPs. Die ersten Tage war ich in der Bewegung sehr eingeschränkt. Ich brauchte bei so ziemlich allem Hilfe, beim Anziehen, beim Waschen, beim Duschen und Haare föhnen, beim Brot schmieren, beim Spritzen der Thromboseprophylaxe und beim Anschnallen im Auto. Mein Wille half mir dabei den Gang zur Toilette immer alleine zu schaffen. Nach einer Woche konnte ich jeden Tag wieder mehr Dinge selbst erledigen. Die Schmerzen nach der Liposuktion waren für mich in der ersten Woche unter Einnahme von Schmerztabletten gut auszuhalten, auch bei der Lymphdrainage.

Britta nach ihrer Liposuktion an den Armen

Die Liposuktion ist inzwischen einige Monate her. Natürlich ist noch nicht alles verheilt, noch nicht alles abgeschwollen, aber es ist ein deutlicher Unterschied zu sehen und die Lipödem-Schmerzen sind Vergangenheit. Den blauen, ungetragenen Sommermantel aus dem letzten Jahr habe ich schon anprobiert und er passt! Eigentlich ist er an den Armen jetzt sogar ein bisschen zu weit. Bis jetzt habe ich die Entscheidung für die Liposuktionen nicht bereut.

Alles Liebe.

Britta

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